Drogenproblematik im Irak wächst weiter: Produziert das Land selbst?

Bild: © Pedro Fabián Gutiérrez Vidrio [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Der Irak scheint nicht mehr nur ein Transitstaat für Drogen zu sein, vielmehr produziert das Land die illegalen Substanzen vermehrt auch selbst. Die regionale Instabilität erschwert es dem Staat allerdings, effektive Maßnahmen einzuleiten.1 Eine Reihe von Verhaftungen aufgrund von Drogendelikten, die sich in letzter Zeit deutlich anhäufen, können auf strukturelle Veränderungen im Drogenmarkt zurückgeführt werden. Nun wurden in dem Land, das seine Drogen bislang aus den Nachbarländern bezog, einige Drogenfarmen und Produktionsstätten entdeckt. Die Regierung verleugnet allerdings eine Entwicklung zu einem drogenproduzierenden Land.2

Allgemein gibt es über die Drogenproblematik des Landes wenig Informationen. Dennoch zeigen Berichte, dass im Land immer mehr Drogen gehandelt und konsumiert werden. Zwischen Januar und August 2016 wurden mehr als 83 Kilogramm an Betäubungsmitteln, vor allem Crystal Meth und Cannabis, konfisziert. Dieser Anstieg kann auf Eigenproduktion zurückgeführt werden, was für den Irak ungewöhnlich ist. Der Irak war ursprünglich ein Transitland im internationalem Drogenhandel, begünstigt durch die leicht überwindbaren Grenzen zum Iran und zu Syrien.3

Auch der sogenannte IS soll in Shargat Opium kultivieren, um so seine Angriffe finanzieren zu können. Das Opium soll in den Laboratorien der Universität in Mosul, die 2014 unter die Kontrolle des IS fiel, zu Heroin weiterverarbeitet werden. Salah Hassan, Brigardegeneral im irakischen Innenministerium erklärt, der Drogenanbau und die Produktion würden in den Gebieten unter IS-Kontrolle stattfinden und bestätigte damit die Spekulationen über die Regionen in Shargat. Auch in Kurdistan sollen Drogen angebaut werden. Dieses besteht aus rauem, gebirgigen Gelände und somit ist es für die Sicherheitskräfte schwer, die Pflanzen zu erkennen.4
Der Anstieg der Drogenproduktion kann schädliche Auswirkungen auf das Land haben, in dem der Zugang zu Entzugstherapien noch gering ist. Chaos, Gewalt und Korruption waren im Irak schon zuvor präsent und trugen neben schlechten Lebensbedingungen und Instabilität zu einem wachsenden Drogenmissbrauch bei. Allerdings verfügt das Land nicht über genügend Psychiater, Psychologen und Sozialarbeiter, die mit betroffenen Menschen arbeiten und den Anstieg der Süchtigen in Zukunft bewältigen zu können. Dr. Al-Sabagh eröffnete ein solches psychiatrisches Zentrum – die einzige Drogenbehandlung im Irak mit Platz für nur 74 Patienten – und forderte die Regierung auf, mehrere solcher Einrichtungen zu errichten. Seine Vorwürfe wurden bislang nicht beachtet.5

Tatsächlich spielt die Regierung die jüngsten Entwicklungen eher runter. Aufkommende Einzelfälle seien noch kein Grund für die Annahme, der Irak würde zu einem Produktionsland werden. Allerdings wurde bereits im Oktober unter anderem eine Drogenfarm in Kurdistan überfallen, mit Narkotika deren Wert auf eine Million US-Dollar geschätzt wird. Angaben um die Zerstörung einer 16 Hektar großen Opiumfarm werden von der Regierung abgestritten. Ein weiteres Ignorieren der Zeichen könnte dazu führen, dass der Irak nur umso mehr zu einem Land wird, das Drogen produziert und exportiert. Die Zahl der Drogendealer und Händler wird folglich auch ansteigen.4

Die Entwicklung zu einem Drogen herstellendem Land wäre für den Irak also eine zweigleisige Bedrohung; es gibt kaum die Möglichkeit medizinischer Behandlung, während die Bemühungen des Staates, gegen den Menschenhandel im Irak anzukämpfen, die Einsatzfähigkeit der Sicherheitskräfte schwächen. Auch der inländische Konflikt mit dem IS, die daraus folgende Gewalt und das Chaos stellen ebenfalls einen fruchtbaren Boden für illegale Drogenproduktion dar. Das Innenministerium forderte deshalb einen neuen Ausschluss, der unter anderem die Methproduktion und die Einfuhr der dazu benötigten Chemikalien stoppen soll. Da die Regierung aber nicht einmal die Kontrolle über alle Regionen des Landes hält, scheint eine Bekämpfung unmöglich. Was der Staat nun tun kann, ist eine Verringerung der Schäden des Drogenkonsums anzustreben.6

  1.  TalkingDrugs:Meth Misuse and Production on the Rise in Iraq; Artikel vom 18.1.17 []
  2. AdditionNow: Iraq’s growing drug problem: From corridor to producer; Artikel vom 24.1.17 []
  3. TalkingDrugs: Meth Misuse and Production on the Rise in Iraq; Artikel vom 18.1.17 []
  4. Al-Monitor: Is Iraq turning into a drug-producing country?; Artikel vom 23.11.16 [] []
  5. AddictionNow: Iraq’s growing drug problem: From corridor to producer; Artikel vom 24.1.17 []
  6. TalkingDrugs: Meta Misse and Production on the Rise in Iraq; Artikel vom 18.1.17 []

Über Zoë / earthlink

Ich bin Zoë und habe dieses Jahr die Schule mit dem Abitur beendet. Vor meinem Studium möchte ich mich hier sozial engagieren und mehr über entwicklungspolitische Hintergründe erfahren. Als Bundesfreiwillige freue ich mich earthlink für 6 Monate begleiten zu dürfen!
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