Guatemala: Fünf Attentate in zwei Monaten

Symbolbild Bild: © Jason Costanza [CC BY 2.0] - flickr

Guatemala hat stark mit Bandenkriminalität und Gewalt zu kämpfen. In diesem Zusammenhang werden auch immer wieder Attentate auf Politiker verübt. Allein seit Beginn des Jahres 2017 wurden fünf Bürgermeister angegriffen. Zwei von ihnen starben. Der Präsident des nationalen Gemeindeverbands in Guatemala, Edwin Escobar, macht Drogenbanden, die ihre Macht ausweiten wollen, für diese Angriffe verantwortlich. Es konnte zwar noch nicht bewiesen werden, dass die kriminellen Gruppen die Taten begangen haben, jedoch wurden in den letzten Jahren mehrere Bürgermeister ermordet, die entweder in den Drogenschmuggel involviert waren oder in Gemeinden regierten, die sich auf bekannten Schmuggelrouten befinden. 1

Die Beamten der Gemeindeverwaltungen in Mittelamerika, besonders in Guatemala, El Salvador und Honduras sind immer häufiger in das organisierte Verbrechen verwickelt. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die attackierten Bürgermeister korrupt waren, es ist auch denkbar, dass sie sich nicht dem Willen der Kartelle gefügt hatten und so in ihr Fadenkreuz gerieten. 2

Guatemala ist ein wichtiges Transitland für Drogenschmuggler. Jährlich werden schätzungsweise 400 Tonnen Kokain, meist aus Kolumbien, über Guatemala in die USA und auch nach Europa geschmuggelt. Gründe für den ausgeprägten Drogenhandel sind, neben der geografischen Lage des Landes, die ineffektive Strafverfolgung und die durchlässigen Grenzen.3

Der florierende Drogenschmuggel hat eine Zunahme der Drogenkonsumenten zur Folge. Dies haben Nachforschungen von Reuters ergeben. Vor allem Jugendliche und Kinder greifen häufiger zu den illegalen und schädlichen Substanzen. Das liegt zum einen an den sinkenden Preisen, zum anderen daran, dass die Syndikate ihre Helfer zunehmend in Drogen bezahlen. Eine größere Zahl an Drogensüchtigen wird dazu führen, dass es noch mehr Kriminalität und Gewalttaten geben wird. Das Geld für Drogen besorgen sich viele meist junge Abhängige auf kriminellen Wegen und geraten so in Straßenbanden. Diese verlangen häufig Schutzgelder von Geschäftsbesitzern, begehen Raube und entführen Menschen, um deren Angehörige zu erpressen.4

Guatemala ist eines der Länder mit der höchsten Kriminalitätsrate weltweit. Die aktuelle Mordrate liegt bei 40 Morden pro 100.000 Einwohner. In Deutschland sind es 0,8 Morde pro 100.000 Einwohner.5   Um die hohe Kriminalität und den Drogenschmuggel zu unterbinden, müssen strukturelle Veränderungen erfolgen. Zurzeit sind Drogengelder und Korruption die wichtigsten Finanzmittel der politischen Parteien des Landes. Durch die Finanzierung von Kampagnen und die Aufstellung eigener Kandidaten gewinnen die Kartelle immer mehr politische Macht. Dazu kommen die korrupte und ineffektive Polizei, überforderte Gerichte und ein unzureichendes Strafvollzugssystem. Das fehlende Budget des Staats spielt bei den Problemen eine entscheidende Rolle. Niedrige Steuereinnahmen und bürokratische Hürden verstärken das Scheitern der Behörden. Der Regierung fehlen die finanziellen Mittel, um Ausstattung und Löhne zu bezahlen.6

  1. InSight Crime: Drug Groups Suspected in Murders of Guatemala Mayors; Artikel vom 02.02.2017 []
  2. InSight Crime: Drug Groups Suspected in Murders of Guatemala Mayors; Artikel vom 02.02.2017 []
  3. U.S. Department of State: Guatemala; Stand 13.02.2017 []
  4. Reuters: Guatemala drug trade leaves trail of local addicts; Artikel vom 26.08.2009 []
  5. Bundeszentrale für politische Bildung: Informationsportal Krieg und Frieden; Stand 13.02.2017 []
  6. The Guardian: Drug trafficking and corruption bankroll Guatemalan politics, says report ; Artikel vom 17.07.2015 []

Über Amani / earthlink

Ich habe einen Bachelor in Ethnologie und reise leidenschaftlich gerne. Dadurch habe ich ein großes Interesse für internationale Geschehnisse und soziale Gerechtigkeit entwickelt. Bei earthlink helfe ich Licht auf Themen, wie Kinderarbeit, Umweltverbrechen und organisierten Drogenhandel zu werfen.
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