Kolumbien: Paramilitärs beherrschten sogar die Gefängnisse

Gefängnis

Symbolbild; Gefängnis Argentinien Bild: © Lionel Fernandez Roca [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

Kolumbien ist auf dem besten Weg zum Frieden, im November 2016 wurde ein Vertrag von der FARC und dem Staatspräsidenten Santos unterzeichnet. Es werden allerdings erst jetzt die Strategien und Massaker der Paramilitärs an den Guerilleros aufgedeckt.

„La Modelo“ ist ein Gefängnis in Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens. Immer wieder kam es zu großen Massakern im Gefängnis sowie zum Verschwinden von über hundert Insassen. Daneben sind viele Fälle von Waffen- und Drogenschmuggel sowie Erpressung bekannt. Im Jahr 2001 kam es zu einem Schusswechsel zwischen Guerilleros und Paramilitärs. Die Attacke begann, als Paramilitärs die Türen zu den Guerilleros aufsprengten. Sie wehrten sich gegen den Beschuss mit ihren Waffen, welche sie in Wänden und Böden versteckt hielten. Die Gefängniswärter waren während des zwanzigstündigen Kampfes machtlos und konnten nicht eingreifen. Das zeugt davon, dass Massaker dieser Art organisierte Verbrechen sind, die im Gefängnis geplant wurden.1

Bei ungefähr 11 000 Insassen waren gewalttätige Auseinandersetzungen keine Seltenheit. Zwischen 1999 und 2001 sollen die Paramilitärs etwa 400 Menschen umgebracht haben. Die Leichen im Gefängnis sollen von den Paramilitärs sogar teilweise an Schweine verfüttert worden oder in die Kanalisation geworfen worden sein.2

Menschen, die Verbrechen während einer Inhaftierung planen, waren zwar nichts Neues für die kolumbianischen Gefängnisse, dass Paramilitärs eine Strategie verfolgten, um Macht über Gefängnisse zu bekommen aber schon. Die Anweisungen kamen dabei von ganz oben, beispielsweise über die Castaño Brüder, welche Gründer und Führer einer paramilitärischen Gruppierung, der AUC (Vereinigte Bürgerwehren Kolumbiens) waren. Sie schleusten zwei Kommandeure der AUC in „La Modelo“ ein, um von dort aus operieren zu können. Das Ziel der Paramilitärs war nicht nur ein Schlag gegen die linken Guerillaorganisationen, sondern auch, den Drogenhandel in Gefängnissen zu kontrollieren. Ebenfalls bauten sie ein Erpressernetz auf und somit stellte das Gefängnis quasi ein zentrales „Büro“ im Drogengeschäft dar.

Dadurch lässt sich die hohe Mordrate durch die paramilitärische Organisation innerhalb von „La Modelo“ erklären. Wenn Menschen umgebracht werden sollten, wurden sie ins Gefängnis gebracht und dort „verschwanden“ dann diese Personen. „La Modelo“ war dabei kein Einzelfall. Auch in anderen Gefängnissen Kolumbiens konnten ähnliche Vorgänge festgestellt werden. Durch Korruption, bewaffnete Truppen und organisiertem Verbrechen wurden die Paramilitärs immer mächtiger als der Staat.1

Und das, obwohl paradoxerweise die paramilitärische Gruppen zum Teil auch aus Mitgliedern von staatlichen Behörden bestanden. An der Gründung war auch die kolumbianische Armee beteiligt sowie US-amerikanische Geheimdienste.3

Ursprünglich sollten sie die FARC bekämpfen, waren dann aber ebenfalls an Landraub, Drogenhandel und Übergriffen an der Zivilbevölkerung beteiligt.4 Die Anhänger der FARC fürchten weiterhin, dass der Staat keine Sicherheit gewährleisten kann und sie erneut Opfer von Anschlägen der Paramilitärs werden. Die vielen Übergriffe auf Zivilisten und auch die Angst der FARC Rebellen erklären, warum die Bevölkerung knapp gegen den Friedensvertrag stimmte.5 Trotzdem ist der offizielle Frieden der erste Schritt, den Konflikt, der so lang andauerte, endlich beizulegen.

  1. InSightCrime: Colombia’s Mirror: War and Drug Trafficking in the Prison System; Artikel vom 09.02.2017 [] []
  2. Spiegel Online: Kolumbien; Paramilitärs sollen Hunderte Gefängnisinsassen getötet haben; Artikel vom 13.07.2016 []
  3. amerika21: Paramilitarismus in Kolumbien – Der illegale bewaffnete Arm der Eliten und des Kapitals; Arikel vom 22.06.2016 []
  4. bpb: Kolumbien; Innerstaatliche Konflikte; Artikel vom 07.10.2016 []
  5. taz: Angst vor den Paramilitärs; Friedensvertrag in Kolumbien; Artikel vom 27.09.2016 []

Über Lorina / earthlink

Ich habe letztes Jahr mein Abi gemacht und interessiere mich für internationale Zusammenhänge und soziales Engagement. Ich möchte in verschiedene Berufe Einblick erhalten und deswegen freue ich mich EarthLink das nächste halbe Jahr als Bundesfreiwillige unterstützen zu können!
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