Myanmar: Aufklärung statt Abschreckung

Keep away from narcotics and psychotropic substances, Myanmar

Bild: © Tim Mowrer [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Die letzte Woche vom 22.01. bis zum 29.01. stand in Rangun im Zeichen der „Drug and Alcohol Facts Week”. Die Kampagne sollte über die Gefahren des Drogen- und Alkoholmissbrauchs aufklären. Durchgeführt wurde die Aktionswoche von Jugendlichen, die Schulen besuchten und mit Schülern und Eltern sprachen, um so das Bewusstsein für die Drogenproblematik zu stärken. An der Kampagne waren zusätzlich 50 Mitglieder unterschiedlicher Organisationen, unter anderem auch UNICEF, beteiligt.1

Dies stellt einen Schritt in Richtung der Entkriminalisierung des Drogenkonsums in Myanmar dar. Das Land ist noch immer der weltweit zweitgrößte Produzent von Opium. Der weit verbreitete Anbau von Opium und Konsum von Heroin beherrscht schon lange die Gesellschaft in dem Land, das im goldenen Dreieck liegt, einer der für den Drogenhandel entscheidensten Regionen in Asien.

Die Strategie der myanmarischen Regierung scheint sich nun weg von einem aggressiven „War on Drugs“, hinzu präventiven Maßnahmen zu bewegen, also verstärkter Aufklärung der Bevölkerung und Behandlung von Abhängigen. Myanmar verfolgte lange eine auf Strafverfolgung angelegte Politik, die die Wohlfahrt, öffentliche Sicherheit wie auch Menschenrechte vernachlässigte, so Olivier Lermet, Mitarbeiter bei der UNODC in Bangkok. Seiner Meinung nach müsse es eine weitreichende Versorgung von Drogenabhängigen geben, von Entzugskliniken bis hin zur Betreuung, um Rückfälle zu verhindern. Teil der aktuellen Entwicklung ist ein Vorhaben der myanmarische Regierung, das bestehende Anti-Drogen-Gesetz aus dem Jahr 1993 zu überarbeiten, das harsche Gefängnisstrafen für Drogenkonsumenten vorsieht.2

Der Drogenhandel beeinflusst in Myanmar auch politische Konflikte. So schützen Rebellengruppen oft von der Regierung gesuchte Drogendealer. Schon im Mai letzten Jahres forderte das Innenministerium einen Waffenstillstand und Dialog mit Rebellengruppen, um den Drogenhandel und nicht nur den Konsum bekämpfen zu können. Die Konflikte mit Rebellengruppen aus ethnischen Minderheiten bestehen in Myanmar seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1948. Neben dem Dialog mit den Rebellen sei eine Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung entscheidend. Vor allem in den Grenzregionen ist der Opiumanbau oft die einzig mögliche Einnahmequelle.3 Die Bauern in diesen Regionen hoffen schon länger auf die Unterstützung durch die Regierung, um andere, legale Produkte anbauen zu können.4

Der allmähliche Wechsel von einem strafenden Vorgehen gegen den Drogenkonsum hinzu einer aufklärenden und präventiven Drogenpolitik ist eine wichtige Entwicklung, um durch eine Entkriminalisierung effektiv gegen die Drogenökonomie vorgehen zu können. Ob diese Strategie längerfristig verfolgt wird und ob sie das myanmarische Drogenproblem lösen können wird, bleibt abzuwarten.

  1. Myanmar Times: Youth lead anti-drug campaign in Yangon townships; Artikel vom 27.01.17 []
  2. Myanmar Times: Small shifts in Myanmar´s war on drugs; Artikel vom 01.12.16 []
  3. Myanmar Times: War on drugs needs ceasefire with armed groups, says general; Artikel vom 10.05.16 []
  4. Myanmar Times: Opium poppy farmers seek help to end dependence; Artikel vom 04.12.15 []

Über Johannes / earthlink

Ich studiere derzeit Politikwissenschaft und Soziologie an der LMU in München. Bei Earthlink möchte ich Informationen zu Themen verbreiten, die sonst kaum oder nicht beachtet werden.

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