Venezuela: Drogenproblematik als Waffe im Kampf zweier Ideologien

Tareck El Aissami

Bild: © TareckPSUV [CC BY-NC 2.0] - Flickr

Am Montag sanktionierte die US-Regierung unter Präsident Trump Venezuelas Vizepräsident, Tareck El Aissami. Er wird beschuldigt, in den Drogenhandel eingebunden zu sein und den Schmuggel über den Luft- und Seeweg ermöglicht zu haben. Zusätzlich soll er Lieferungen von über 1.000 Kilogramm an Drogen u.a. nach Mexiko und in die USA beaufsichtigt haben.1 Diese Anschuldigungen beziehen sich auf seine Zeit als Gouverneur des Bundesstaates Aragua und als Innenminister unter dem 2013 verstorbenen Präsidenten Hugo Chavez.2 Durch diese Maßnahme kann das Finanzministerium Aissamis Konten in den USA einfrieren und Finanztransaktionen untersagen. El Aissami selbst nannte die Anschuldigung eine „imperialistische Aggression“ und eine „miserable Provokation“, die von der eigentlichen Aufgabe der venezolanischen Regierung ablenke, die Wirtschaft wieder aufzubauen.3. Präsident Maduro verteidigte seinen im Januar berufenen Vizepräsidenten. Am Dienstag berief er den führenden US-Diplomaten Lee McClenny ein.4

Venezuelanische Oppositionelle beschuldigen El Aissami, schon länger in illegale Geschäfte involviert zu sein. So bestätigen sie die Vorwürfe der US-Regierung und beschuldigen den Vizepräsidenten verschiedene Organisationen im Nahen Osten wie die Hisbollah zu unterstützen.5 2015 wurde berichtet, El Aissami sei in Drogengeschäfte verwickelt, bei denen auch die Neffen der venezolanischen First Lady beteiligt waren.6

EL Aissami ist wahrlich nicht der erste Politiker bzw. Offizielle, der von den USA des Drogenhandels bezichtigt wurde. Zu den Beschuldigten gehören u.a. der frühere Verteidigungsminister Henry de Jesús Rangel Silva, der frühere Chef der Spionageabwehr Hugo Armando Carvajal Barrios und der frühere Innenminister Ramón Emilio Rodríguez Chacin. Und auch dem aktuellen Innenminister Nestor Reverol wurde letztes Jahr vorgeworfen, in Drogengeschäfte involviert zu sein.7

Das von einer schweren Wirtschaftskrise zerrüttete Land ist eines der wichtigsten Länder für den Drogenhandel in Lateinamerika und den Export aus Südamerika. Die seit Hugo Chavez linksgerichtete Nation befindet sich schon lange im Konflikt mit den USA. Präsident Maduro spricht angesichts der Anschuldigungen gegen venezolanische Politiker von gezielter Schwächung der Regierung des Landes.5 Oppositionelle und amerikanische Medien sehen jedoch die Berufung von beschuldigten Politikern in hohe Posten als Verteidigungsstrategie Maduros, dessen Umfragewerte stetig sinken. So erkaufe er sich die Loyalität seiner Minister, da sie auf Grund der gegen sie vorgebrachten Vorwürfe daran interessiert seien, die Regierung an der Macht zu halten.8

Der nun erneut aufflammende Konflikt zwischen den USA und Venezuela zeigt, dass das Drogenproblem des Landes auch für den Kampf zweier Ideologien, Kapitalismus und Chavismus, genutzt wird.

  1. NY Times: U.S. Imposes Sanctions on Venezuela’s Vice President, Calling Him a Drug ‘Kingpin’; Artikel vom 13.02.17 []
  2. The Washington Post: U.S. sanctions Venezuelan vice president as drug kingpin; Artikel vom 13.02.17 []
  3. Tweet von Tareck El Aissami vom 14.02.17 []
  4. Reuters: Sanctioned for drugs, Venezuelan vice president slams U.S. ‚aggression‘; Artikel vom 14.02.17 []
  5. Reuters: Sanctioned for drugs, Venezuelan vice president slams U.S. ‚aggression‘; Artikel vom 14.02.17 [] []
  6.  InSight Crime: New Venezuela VP Is Latest Top Official Linked to Drug Trade; Artikel vom 10.01.17 []
  7. InSight Crime: US Sanctions Against Venezuela VP Hit Highest Government Rank Yet; Artikel vom 14.02.17 []
  8. InSight Crime: New Venezuela VP Is Latest Top Official Linked to Drug Trade; Artikel vom 10.01.17 []

Über Johannes / earthlink

Ich studiere derzeit Politikwissenschaft und Soziologie an der LMU in München. Bei Earthlink möchte ich Informationen zu Themen verbreiten, die sonst kaum oder nicht beachtet werden.
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