Das Leid der Transitstaaten: Drogenhandel legt die Entwicklung schwacher Staaten nahezu vollständig lahm

Drogentransport in Afghanistan aufgedeckt

Bild: © ResoluteSupportMedia [CC BY 2.0] - Flickr

Europa und die USA sind die wichtigsten Märkte für den internationalen Drogenhandel. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen gibt es weltweit etwa 158 Millionen Drogenkonsumenten, welche dem globalen Handelsnetzwerk jährlich 400 Milliarden US-Dollar einbringen und zehntausende illegale Arbeitsplätze schaffen.1

Bedeutsam für den Handel mit diesen Substanzen sind jedoch nicht nur die produzierenden Staaten, auch die Transitländer, insbesondere Mexiko und Haiti erfüllen eine wesentliche Funktion im Drogengeschäft. So wird von diesen Ländern aus ein problemloser Transport der Ware zu den amerikanischen und europäischen Konsumenten organisiert. Um dies gewährleisten zu können, werden lokale Behörden und Politiker mit Schmiergeld kooperativ gemacht und bei Widerstand auch rohe Gewalt angewendet. All das geht zu Gunsten einer reibungslosen Logistik, sodass im Endergebnis eine derart vernetzte Infrastruktur entsteht, dass für die meist schwachen offiziellen Behörden die Lage unkontrollierbar wird. Dieser Punkt ist dabei insbesondere in wirtschaftlich schwachen Staaten, wie beispielsweise Haiti, schnell erreicht. Die Regierung des kleinen Inselstaates ist seit Jahren kaum handlungsfähig. Sie ist von starker Korruption belastet und verfügt über keine Mittel, um den Drogenhandel eindämmen zu können.2 So kommen in Haiti auf 10 Millionen Einwohner, welche oft unter dramatischen Bedingungen in starker Armut leben, lediglich 11.000 Polizisten. Diese sind außerdem sehr schlecht bezahlt und mit einem Verdienst von nur etwa 300 Dollar im Monat oft sehr empfänglich für Bestechung.3 Zudem können die Schmuggler aus der bitter armen Bevölkerung leicht Arbeitskräfte für sich gewinnen.

Hinzu kommt die Nähe zu Kolumbien, welches viele Drogen produziert und das nahegelegene Haiti als Umschlagplatz attraktiv macht.2 Doch auch über die Bahamas oder die Turks- und Caicosinseln gelangen massenhaft Drogen über Schnellboote, Handelsschiffe oder sogar Sportflugzeuge nach Haiti. Im Falle der kleinen Karibikinsel profitieren die Schmuggler zudem von den nachlässigen Kontrollen an der Grenze zur Dominikanischen Republik, welche wiederum verstärkt auf Korruption zurückzuführen sind.4

Doch auch andernorts nutzt die Drogenmafia die Armut der Bevölkerung für ihre Zwecke aus. So werden beispielsweise Bauern in Afghanistan dazu gebracht, Mohn, welcher sich zu Heroinproduktion eignet, anzupflanzen. Viele erklären sich zu dem illegalen Anbau bereit, denn damit können die verarmten Bauern mehr Geld verdienen als etwa mit der Kultivierung von Getreide oder Gewürzen.1 In Folge werden sie jedoch auch abhängig von den Drogenkartellen, welche es ihnen ermöglichen, zumindest das Überleben er eigenen Familie zu sichern.4

So hinterlässt der Drogenhandel also auch in den Transitländern, welche eigentlich nur als Umschlagplätze der illegalen Substanzen genutzt werden, seine Spuren. Eine weitere Folge ist auch der Anstieg des  Drogenkonsums in diesen Ländern sowie das Entstehen krimineller Strukturen. Einem UN-Bericht zu Folge sei der Konsum von Rauschgift insbesondere in Entwicklungsländern, also potenziellen Transitstaaten, auf dem Vormarsch, während das Konsumverhalten in den Industriestaaten in etwa gleich bleibe. „Der Handel mit Drogen führt zu unvorstellbarer Gewalt und Korruption und gefährdet ganze Staaten“ sagt der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Damit untergräbt die organisierte Kriminalität auch insbesondere die Demokratiebemühungen vieler Transitstaaten sowie das Bestreben, einen funktionierenden Rechtsstaat zu errichten.5 Infolgedessen bleiben Verbrechen und Kriminalität häufig ungestraft. In Guatemala, ebenfalls einem Transitland für den Schmuggel von Drogen nach Amerika, gehen etwa 98 Prozent aller Verbrecher straffrei aus.6

Doch der immer größer werdende Drogenkonsum in Entwicklungs- und Schwellenländern ist auch wegen der fatalen gesundheitlichen Folgen besorgniserregend. Jedes Jahr sterben 200.000 Menschen am Drogenkonsum, Familien werden zerstört und ganze Kulturen untergraben.5 Die westlichen Industriestaaten versuchen daher mit ganz unterschiedlichen Methoden das – letztlich auch die eigene Bevölkerung betreffende –  Drogenproblem anzugehen. Während beispielsweise die USA eine harte Vorgehensweise befürworten, also das Abbrennen entsprechender Anbauflächen oder militärisches Vorgehen gegen Drogenbarone und Konsumenten im Zeichen des „war on drugs“, schlägt etwa die Europäische Union eine weniger repressive Richtung ein. So sollen den Bauern echte Alternativen zum Drogenanbau in Aussicht gestellt werden sowie wichtige Aufklärung in Schulen und Gesundheitszentren stattfinden.7 Dieser Ansatz einer verstärkt entwicklungsorientierten Drogenkontrolle scheint dabei, jedenfalls langfristig gesehen, die effizientere Methode zu sein.

  1. DW: Gigantisches Ausmaß des Drogenhandels; Artikel vom 23.08.04 [] []
  2. DW: Gigantisches Ausmaß des Drogenhandels; Artikel vom 23.08.04 [] []
  3. Lausitzer Rundschau: Teil 9: Drogen, Prostitution und Geldwäsche; Artikel vom 28.11.14 []
  4. DomRep Total: Drogentransit zwischen Haiti und Dominikanischer Republik zunehmend; Artikel vom 22.05.16 [] []
  5. Focus Online: UN: Drogen gefährden Kampf gegen Armut und Gewalt; Artikel vom 26.06.12 [] []
  6. Deutschlandradio: Armut, Drogen und die Mafia; Artikel vom 07.09.11 []
  7. DW: Weizen statt Schlafmohn; Artikel vom 08.02.04 []

Über Verena / earthlink

Ich studiere Politik- und Verwaltungswissenschaften im Master und bin nun für 6 Wochen Praktikantin bei Earthlink. Ich freue mich besonders mich in dieser Zeit intensiv mit aktuellen entwicklungspolitischen Themen zu beschäftigen und mich hierfür sozial zu engagieren.
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