Ghana: wichtiger Umschlagplatz im internationalen Drogenhandel

Konfisziertes Kokain | Bild: © ISN [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Ghana ist und bleibt ein Transitland für Drogen, vor allem für südamerikanisches Kokain und südasiatisches Heroin, für den Weitertransport in europäische und nordamerikanische Märkte, wie ein neuer Report des US Departments of State mitteilte. Der „International Narcotics Control Strategy Report 2016“ zeigte auch, dass Marihuana die Droge ist, die in Ghana am meisten konsumiert wird und sowohl innerhalb ds Landes als auch in andere Staaten geschmuggelt wird, hauptsächlich nach Spanien. Die Behörden gehen davon aus, dass der Konsum von Marihuana, aber auch von Kokain und Heroin, in den letzten Jahren gewachsen ist.1

Durch Korruption, unzureichende Ressourcen und durchlässige Grenzen bietet sich das Land mit seiner geographischen Lage für den internationalen Drogenhandel optimal an und beeinträchtigt die Bemühungen der Regierung, diesen zu reduzieren. Während die Behörden zwar immer öfter kleinere Bandenmitglieder verhaften, haben sie Probleme, die Köpfe der illegalen Gruppen zu identifizieren und aufzudecken. Verfahren in Bezug auf Drogendelikte dauern oft Jahre an, da es an Fachwissen und informierten Anwälten fehlt und Zeugenaussagen vor Gericht oft scheitern. Auch Verfahren wegen größerer Verbrechen wurden vor Gericht schon aus unerklärlichen Gründen fallen gelassen. Aufgrund der geringen Aufzeichnungen ist es schwer, den Ablauf der Verfahren zu verfolgen.2

Der Bericht führt eine Beschlagnahmung vom August letzten Jahres auf, als mehr als zwei Tonnen Cannabis in der Volta-Region entdeckt wurden. Auch wenn die Menge der konfiszierten Drogen seit 2014 sank, stieg die von Methaphetamin und Cannabis deutlich an. Die Anzahl der Verhaftungen für illegale Vergehen in Bezug auf Drogen blieb stabil, bei 20 bis 30 Festnahmen in jedem Berichtszeitraum.3

Es gibt zwar keine aktuellen Statistiken zum Hanfanbau in Ghana, dennoch gehen lokale Behörden davon aus, dass dieser 2016 stieg. Ebenfalls wurden Chemikalien aus asiatischen Quellen nach Ghana geschmuggelt, die in Laboren genutzt werden, in denen Methamphetamine und psychedelische Drogen hergestellt werden.Untersuchungen der Regierung stellten fest, dass die Drogenkuriere immer mehr Drogen aus Westafrika in die Golfregion bringen, um es von dort aus nach Europa zu schmuggeln.

Der Teufelskreis des Drogenmissbrauchs hindert viele Konsumenten daran, Entzugszentren aufzusuchen. Diese sind oft in Privatbesitz und schlecht organisiert. Die Regierung pflegt Partnerschaften mit mehreren solcher Einrichtungen, um Unterstützung und bessere Behandlung zu ermöglichen. Seit 2014 nimmt Ghana mit Hilfe der US-Regierung am Zertifizierungs- und Bildungsangebot des Colomo-Plans teil. Mit Hilfe dieser Informationen sollen die Einsatzmöglichkeiten der Drogenzentren im ganzen Land erweitert und verbessert werden.1

In Betäubungsmittelfragen arbeitete Ghana 2016 deshalb besonders mit der US-amerikanischen Regierung zusammen. Für die Förderung der amerikanischen Interessen in der Region arbeitet die Regierung in Accra mit dem ILN (Bureau of International Narcotics and Law Enforcement Affairs) zusammen. Dieses setzt sich für die amerikanische Sicherheit ein, indem es internationale Verbrechen, Drogenhandel und politische Instabilität im Ausland behandelt, also auch in Ghana.4 Sein Ziel ist es, jegliche Handlungen transnationaler Krimineller am Golf von Guinea unmöglich und es folglich für Drogenhandel unattraktiv zu machen.5 Unterstützt von einer Million US-Dollar startete das UNODC ein neues Programm, um grundlegende Ausrüstung und Ausbildung zu ermöglichen, und um Strafverfolgungsbehörden in vier Regionen des Landes aufzubauen, in denen vergleichbare Einheiten noch nicht existierten.63

Aufgrund der Zusammenarbeit in entwicklungspolitischen Fragen und in Bezug auf Drogen ist Ghana ein vergleichsweise sicheres Land. Die Demokratie hat sich gut und weitgehend stabil entwickelt, Menschenrechte werden stärker beachtet und auch Pressefreit ist seit 1992 garantiert. Das zeigt, dass sich die Bekämpfung der Drogenproblematik positiv auf die politische und gesellschaftliche Situation des ganzen Landes auswirken kann. Auch wenn noch deutliche Verbesserungen notwendig sind, etwa in Bezug auf Bekämpfung der Korruption und Drogenkriminalität und einer effektiveren medizinischen Behandlung, kann Ghana als „Vorzeigeland“ in Afrika betrachtet werden.789

  1. Ghana Buisness News: Ghana still major transit point for illegal drugs – Report; Artikel vom 17.3.2017 [] []
  2. U.S. Department of State; Ghana; Stand vom 24.3.2017 []
  3. U.S. Department of State; Ghana: 2016 International Narcotics Control Strategy Report (INCSR); Stand vom 24.2.2017 [] []
  4. U.S. Department of State: Bureau of International Narcotics and Law Enforcement Affairs (INL); Stand vom 24.32017 []
  5. U.S. Department of State; Ghana; Stanv vom 24.3.2017 []
  6. Ghana Buisness News: Ghana still major transit point for illegal drugs – Report; Artikel vom 17.3.2017 []
  7. DrogenMachtWeltSchmerz: Ghana; Stand vom 27.3.2017 []
  8. Auswärtiges Amt: Ghana: Reise- und Sicherheitshinweise; Stand vom 27.3.2017 []
  9. Auswärtiges Amt: Ghana: Innenpolitik; Stand März 2016 []

Über Zoë / earthlink

Ich bin Zoë und habe dieses Jahr die Schule mit dem Abitur beendet. Vor meinem Studium möchte ich mich hier sozial engagieren und mehr über entwicklungspolitische Hintergründe erfahren. Als Bundesfreiwillige freue ich mich earthlink für 6 Monate begleiten zu dürfen!
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