Neues UN-Programm startet in Brasilien: Sport als Präventivmaßnahme gegen Drogenmissbrauch

Bild: © Jarret Callahan [CC BY-NC 2.0] - Flickr

Erst gestern ist ein neues Projekt des UNODC unter dem Motto „Line Up Live Up“  in Brasilien angelaufen. Dabei soll Sport präventiv gegen Jugendkriminalität und Drogenmissbrauch eingesetzt werden.1 Das Programm ist Teil einer Aktion zur Implementierung der „Doha Declaration“. Dabei handelt es sich um ein globales Konzept, welches Kriminalitätsprävention, Drogen- und Verbrechensbekämpfung  in die Agenda der Vereinten Nationen eingliedert.2 Ziel ist es, andere Staaten etwa bei der Bekämpfung von Korruption, der Wiedereingliederung von Gefangenen in die Gesellschaft und der Verhinderung von Gewalt und Drogenmissbrauch durch Jugendliche zu unterstützen sowie ein nachhaltiges Rechtssystem aufzubauen. Um dies umzusetzen, wurde ein Ansatz gewählt, welcher sich vor allem auf die Menschen konzentriert und versucht, direkt mit diesen in Kontakt zu treten.2

Die neueste Kampagne in Brasilien zielt dabei vor allem auf gefährdete Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren,3 welche besonderen Risikofaktoren ausgesetzt sind. Dies betrifft vor allem Kinder und junge Erwachsene, die zu einer sozialen Randgruppe gehören oder in Armenvierteln leben. Durch die sportliche Aktivität sollen soziale Kompetenzen vermittelt und die Stärken der Jugendlichen ausgebaut werden, sodass deren Empfänglichkeit  für Drogen abnimmt. Der Sport soll darüber hinaus aber auch als Instrument verwendet werden, um den Jugendlichen wichtige Werte zu vermitteln, etwa Respekt und Wertschätzung anderen gegenüber aufzubringen. Zudem werden den Teilnehmern Wege aufgezeigt, wie sie mit den Frustrationen des Alltags umgehen können, ohne den Ausweg in den Drogenkonsum suchen zu müssen.

Ein wesentlicher Effekt des Programms liegt damit auch in der Erhöhung der Lebensqualität. So wird neben den positiven körperlichen Auswirkungen sportlicher Aktivität auch ein Gefühl des Zusammenhalts, der gegenseitigen Loyalität und Zugehörigkeit aufgebaut. Durch die gemeinsamen Erlebnisse gewinnen die oft unsicheren Jugendlichen an Vertrauen und Selbstbewusstsein. Die Kampagne versucht auf diese Weise auch die Kapazitäten der Jugendlichen nutzbar zu machen und sie für eine erfolgreiche Zukunft vorzubereiten, welche nicht von Drogenkonsum und Gewalt geprägt ist.4

In Zusammenarbeit mit geschulten Trainern, Coachs und Sozialarbeitern sollen den Jugendlichen dabei ganz konkrete „Live Skills“ an die Hand gegeben werden, welche es ihnen später ermöglichen, auch allein mit den Herausforderungen des brasilianischen Alltags, Unsicherheit und Stress fertig zu werden. Denn dieser Alltag ist leider bis heute, insbesondere in den Favelas, den brasilianischen Armenvierteln, von Gewalt und Drogenkonflikten geprägt, denen auch die unbeteiligten Bewohner nicht entfliehen können.5

Um diese Ziele zu erreichen, sind aber auch andere Aktivitäten geplant: So sollen die Jugendlichen neben den zahlreichen Sportevents auch selbst als Botschafter für Sicherheit, Gesundheit und ein gewaltfreies Miteinander auftreten, um ihre Erfahrungen aus erster Hand weitergeben zu können.6 Auf diese Weise wird auch der Kontakt zu Jugendlichen über das Projekt hinaus gefördert. Im Gespräch miteinander befinden sich die Jugendlichen dabei auf Augenhöhe, was das gegenseitige Vertrauen fördert und dazu anregt, auch über belastende Themen des alltäglichen Lebens miteinander zu sprechen.3

Doch auch Informationsarbeit ist Teil des Programms.7 So sollen die Jugendlichen auch über die verheerenden Folgen des Drogenkonsums aufgeklärt werden.3

Die Verabschiedung des Programms fand bereits Ende letzten Jahres statt und wurde groß in Brasiliens WM-Stadion zelebriert.7 Damit scheint ein neuer Weg im Kampf gegen den internationalen Drogenmissbrauch eingeschlagen zu sein, weg von der alleinigen Bestrafung der Süchtigen und hin zu präventiven und therapeutischen Maßnahmen, welche auf mehr Nachhaltigkeit hoffen lassen. Erweist sich die Kampagne als erfolgreich, so soll sie in den kommenden Jahren auch über Brasilien hinaus, auf weitere Länder Lateinamerikas, des südlichen Afrikas und Zentralasiens ausgedehnt werden.3

  1. UNODC: Using the power of sports to prevent youth crime and drug use; Stand vom 10.03.17 []
  2. UNODC: Doha Declaration Global Programme; Stand vom 10.03.17 [] []
  3. UNODC: First sports training to prevent youth crime „kicks off“ in Brazil; Stand vom 10.03.17 [] [] [] []
  4. UNODC: Using the power of sports to prevent youth crime and drug use; Stand vom 10.03.17 []
  5. Deutschlandfunk: Gewalt und Leid in Rios Armenvierteln; Artikel vom 09.07.16 []
  6. UNODC: Crime prevention through sports; Stand vom 10.03.17 []
  7. UNODC: Using power of sports to prevent youth crime and drug use; Stand vom 10.03.17 [] []

Über Verena / earthlink

Ich studiere Politik- und Verwaltungswissenschaften im Master und bin nun für 6 Wochen Praktikantin bei Earthlink. Ich freue mich besonders mich in dieser Zeit intensiv mit aktuellen entwicklungspolitischen Themen zu beschäftigen und mich hierfür sozial zu engagieren.
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