Bolivien weitet Koka-Anbau aus – streicht die EU jetzt Entwicklungsgelder?

coca plantation

Koka-Plantage in den Bergen. (Symbolbild) Bild: © CIAT [CC BY-SA 2.0] - Flickr

Im März 2017 unterschrieb der bolivianische Präsident Evo Morales ein neues, umstrittenes Gesetz zum Anbau von Koka. Die bolivianische Regierung einigte sich mit den Verbänden der Kokabauern darauf, die Flächen für den Anbau von 12.000 auf 22.000 Hektar zu vergrößern. Er begründete die Ausweitung damit, dass die Pflanze als Nahrungsmittel und Medizin angebaut werde und zusätzlich einen kulturellen und spirituellen Wert für sein Land habe. Durch das Kauen der Blätter werden Alkaloide freigesetzt, welche der Höhenkrankheit vorbeugen sowie Hunger, Schmerzen und Müdigkeit betäuben.1
Nun wurde die bolivianische Regierung jedoch von Vertretern der Europäischen Union in das Büro der Vereinten Nationen in La Paz gerufen, um darüber informiert zu werden, dass die Entwicklungsgelder der EU auf dem Spiel stünden. Denn 2014 wurde ein zwischenstaatliches Kooperationsabkommen abgeschlossen, demzufolge höchstens eine Fläche von 20.000 Hektar erlaubt sei. Es handelt sich um eine Summe von 30 Millionen Euro, die im Laufe des nächsten Jahres ausgezahlt werden soll. Insgesamt würde Bolivien in den Jahren 2014-2020 280 Millionen Euro für die Entwicklungshilfe erhalten, die als Budgethilfe in die Staatskasse fließen. Die Hälfte des Geldes ist ausdrücklich für die Reduzierung und Umwandlung von Kokaplantagen bestimmt. Folglich sollen die Flächen zum Nahrungsmittelanbau genutzt werden. Laut des EU-Diplomaten León de la Torre Krais sei die Begrenzung auf 20.000 Hektar unter dem neuen Gesetz jedoch unerreichbar. Außerdem ist laut EU die kürzlich vereinbarte Ausweitung der Plantagen ein Verstoß gegen das Übereinkommen.2

Werden in Bolivien mehr Flächen für den Kokaanbau genutzt, besteht die Gefahr, dass auch die Produktion von Kokain steigt. Auch innerhalb der bolivianischen Opposition gab es diesbezüglich Kritik. Sie befürchtet, dass eine Ausweitung der Koka-Anbauflächen die Verarbeitung zu Kokain und dessen Handel begünstigen würde.
Aufgrund dieser Tatsache sei die EU äußerst besorgt. Präsident Morales reagierte auf die Vorwürfe der EU zunächst ruhig und versicherte, dass die bolivianische Regierung den Kampf gegen die Produktion und den Handel von Kokain nach wie vor fortsetzen werde. Er betonte zusätzlich, dass die Ausweitung der Anbauflächen der Kokapflanze sowohl für die Wirtschaft als auch für ihre kulturelle und medizinische Bedeutung wichtig sei. Evo Morales unterstrich außerdem, dass Bolivien seinen Kampf gegen Drogen selbst und unabhängig von Europa und den USA finanziere und forderte die Länder gleichzeitig dazu auf, ihre Bemühungen zur Minderung des Drogenkonsums zu verstärken. Denn die Länder, deren Bürger die Nachfrage für den illegalen Drogenmarkt bestimmen, trügen auch die Verantwortung, im eigenen Gebiet Drogenbekämpfung zu leisten.3
Vizepräsident Alvaro García Linera wies zusätzlich darauf hin, dass Bolivien wesentlich weniger Koka anbaue als beispielsweise Kolumbien, das von den USA 300 Millionen Dollar zur Bekämpfung des Drogenhandels bekäme. Obwohl es in Kolumbien im Gegensatz zu Bolivien keine traditionelle Nutzung der Kokapflanze gebe, werde auf 90.000 Hektar Koka produziert.
Der bestehende Vertrag zwischen Bolivien und der Europäischen Union müsse nun laut des EU-Diplomaten León de la Torre Krais umformuliert werden, um das Entwicklungsland auch in Zukunft unterstützen zu können. Dafür müsse man zunächst abwarten bis die EU neue Marktstudien durchgeführt hat.

  1. amerika21.de: Bolivien weitet Koka-Anbau aus; Artikel vom 03.03.17 []
  2. amerika21.de: Evo Morales fordert effektive Bekämpfung von Drogenkonsum; Artikel vom 06.04.17 []
  3. epo.de: Evo Morales fordert effektive Bekämpfung von Drogenkonsum; Artikel vom 06.06.17 []

Über Chiara / earthlink

Drei Jahre ist mein Abitur jetzt her – was ich genau machen möchte, weiß ich immer noch nicht, die Orientierungsphase läuft weiter. Was ich sicher weiß, ist, dass ich mich für Menschenrechte und deren Aufklärung einsetzen will – und hoffe, dass Earthlink mir dafür eine Möglichkeit bietet.

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