Dominikanische Republik: Erschreckende soziale Folgen eines zentralen Drogenumschlagplatzes

Kokain beschlagnahmt in der Karibik

Kokain beschlagnahmt in der Karibik Bild: © The National Crime Agency [CC BY 2.0] - flickr

Immer häufiger erscheinen Berichte darüber, wie an Flughäfen sogenannte Bodypacker bei dem Versuch, Drogen zu schmuggeln, verhaftet werden. In erster Linie handelt es sich dabei um Transporte aus Lateinamerika, vor allem aber aus der Dominikanischen Republik.

Hinzu kommt, dass im Dezember 2016 in Santo Domingo einer der erfolgreichsten Luftverkehrsdienstleister des Landes beschuldigt wurde, sich auf legalen Flügen aktiv am Drogenhandel zu beteiligen.1

Schon seit Jahren spielt die Dominikanische Republik eine wesentliche Rolle als Umschlagplatz für Kokain, Marihuana und Heroin in der Karibik. Als an der Küste von Honduras, Mexiko und an anderen zentralamerikanischen Standorten, die als Zwischenstopp dienten, zu viele Lieferungen abgefangen wurden, galt das Land in der Karibik als geeignete Alternative. Zwischen 2011 und 2013 verachtfachte sich die Menge an Drogen, die über das Land in die Vereinigten Staaten geliefert wurde.

Aktuell handelt es sich nach Aussagen des Chefs der Nationalen Drogen-Polizei um etwa 120 Tonnen Kokain, die jährlich durch die Dominikanische Republik fließen. Das entspricht etwa 15 Prozent der weltweiten Produktion.2

Neben der geographischen Lage ist die Korruption, die man sowohl seitens der Regierung als auch bei den Behörden findet, ausschlaggebend für die Beantwortung der Frage, wie sichdas Land zu einem solchen Drogenzentrum entwickeln konnte.

Haben die Drogen dann die Insel verlassen, sind vor allem in den großen Metropolen wie New York oder Madrid, Banden für den Vertrieb verantwortlich. Ein Beispiel wären die Trintarios, eine gewalttätige Gruppe, die sich hauptsächlich aus Dominikanern zusammensetzt und deren Rolle im internationalen Drogenhandel immer bedeutender wird.

Sie erhalten ihre Kokain- und Heroin- Lieferungen von lokalen Vertreibern aus der Dominikanischen Republik und arbeiten dementsprechend direkt mit ihren Versorgungsquellen zusammen. Doch diese beliefern nicht nur dominikanische, sondern auch kolumbianische und mexikanische Banden, die sich auf den Drogenvertrieb innerhalb der Vereinigten Staaten und Europa spezialisiert haben. Laut der DEA sind sie auf das kriminelle dominikanische Handelsnetzwerk angewiesen. Diese Netzwerke werden jedoch nicht nur für den Vertrieb von Drogen genutzt, sondern spielen auch eine wesentliche Rolle im Menschenhandel.3

Dass in der Dominikanischen Republik entsprechend viele Menschen in den Drogenhandel verwickelt sind, hat natürlich soziale Folgen. Vor allem in den städtischen Gebieten sind Gang-Aktivitäten extrem verbreitet. Dementsprechend werden Kinder so früh wie möglich rekrutiert, um am Geschäft mitzuwirken. Meistens haben sie erst ein Alter zwischen acht und zehn Jahren erreicht, da Kinder unter 13 Jahren nicht verhaftet werden können. Das führt dazu, dass sie schon früh gemobbt und bedroht werden, sodass sie keinen anderen Ausweg sehen, als sich zu fügen. Dieser Missbrauch wird soweit verschärft, dass Kinder dazu getrieben werden, andere Verbrechen zu begehen – unter anderem auch Morde.

Bisher zeigen Rehabilitationsmaßmahmen noch keine Wirkung und es deutet alles darauf hin, dass in den kommenden Jahren die dominikanischen Kriminaliätsgruppen im globalen Drogenhandel noch an Bedeutung gewinnen werden.4

 

  1. DominicanToday: Another Dominican Republic airline owner ‘trafficked drugs’ to US; Artikel vom 26.12.16 []
  2. InSightCrime: The Dominican Republic, the Caribbean’s Cocaine Bridge; Artikel vom 27.04.17 []
  3. InSightCrime: Arrests Highlight Role of Dominican Crime Groups in International Drug Tade; Artikel vom 25.04.17 []
  4. Nacronon: The Dominican Republic Cocaine and Other Drugs Problem; Stand vom 28.04.2017 []
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