Drogenhandel und Korruption verhindern soziale Entwicklung Brasiliens

Schild - Drogen

Bild: © Michael Allen Smith [CC BY-SA 2.0] - Flickr

An der Grenze zwischen Paraguay und Brasilien kommt es derzeit verstärkt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen zwei rivalisierenden Drogenbanden. Das umkämpfte Gebiet ist für den Drogenhandel sehr lukrativ. So ist Paraguay der zweitgrößte Produzent von Marihuana in Lateinamerika nach Mexiko.1 Dabei werden etwa 80 Prozent der Droge in die Großstädte Brasiliens transportiert und dort weiter verkauft. Schon seit Anfang März werden immer wieder entstellte Leichen in Verbindung mit dem Drogenhandel in der Grenzregion aufgefunden. Meist sind diese Mitglieder der verfeindeten Drogenbanden, des „First Capital Commands“ (PCC) oder des „Red Commands“, welche zu den bestorganisiertesten Drogenbanden Brasiliens zählen. Beide Gruppen waren einst Verbündete. Durch Ausbreitungsbestrebungen des „Red Commands“ sowie der Aufnahme von Partnerschaften zu mit der PCC verfeindeten Banden, kam es jedoch zu Uneinigkeiten, welche in einer Kriegserklärung der PCC gegenüber ihrem früheren Partner endeten. Seither kommt es immer wieder zu blutigen Kämpfen, wie auch Ende letzten Jahres, als vier Bandenmitglieder bei Auseinandersetzungen in einem brasilianischen Gefängnis starben.2

Die Organisationsstrukturen dieser Banden gehen dabei weit über den Besitz von Waffen und Geld hinaus und reichen tief hinein in das soziale und politische Gefüge. Besonders in den meist dysfunktionalen, von Korruption dominierten Gefängnissen haben die Drogengangs leichtes Spiel. So sind viele brasilianische Haftanstalten unter der Kontrolle der Drogenmafia, welche ihre Interessen gewaltsam durchsetzt und bis über die Gefängnismauern hinaus auf die Drogengeschäfte einwirkt.3

Problematisch ist diese Entwicklung insbesondere deshalb, weil die Gefahr besteht, dass der Konflikt der Drogengangs zukünftig auch auf den Straßen Brasiliens ausgetragen werden könnte. Darunter leidet in Folge besonders die Zivilbevölkerung. Denn die Drogenbanden greifen auch Sicherheitskräfte, Polizisten und Ermittler an und stellen damit eine Bedrohung der Sicherheitslage für das gesamte Land dar.2

Die brasilianische Regierung versucht gegenwärtig mit eiserner Hand gegen die Drogenproblematik im Land vorzugehen, erreicht dabei jedoch überwiegend Kleinkriminelle, Drogenabhängige und Handlanger der großen Drogenbarone, welche aufgrund ihrer guten Organisationsstruktur sowie der weit verbreiteten Korruption meist einer polizeilichen Kontrolle entgehen können. Ein Resultat dieser Politik besteht in der massiven Überbelegung der Gefängnisse, denn die Strafen – selbst für kleinere Drogendelikte – sind hart und umfassen meist mehrjährige Inhaftierungen. So ist seit 1995 die Belegung brasilianischer Gefängnisse bei gleicher Aufnahmekapazität von 173.000 auf 600.000 angestiegen. Die daraus resultierende Überbelegung zusammen mit den schlechten hygienischen Bedingungen und der Schutzlosigkeit vor Missbrauch führen oft jedoch dazu, dass sich auch Kleinkriminelle den großen Drogenbanden anschließen, welche innerhalb der Gefängnismauern Schutz und später eine mögliche Berufsperspektive versprechen.4 Dies ist insbesondere im Hinblick auf die starke Stigmatisierung ehemaliger Gefangener in der brasilianischen Gesellschaft relevant, welchen die Wiedereingliederung in die Gesellschaft auch aufgrund fehlender Hilfsprogramme kaum ermöglicht wird.

Bei ihren kriminellen Geschäften bedienen sich die Drogenbanden häufig gängiger Transportrouten der Nahrungsmittelindustrie und schmuggeln ihre illegale Ware in Lastzügen oder auf dem Seeweg über den See Itaipu, der direkt an der Grenze zwischen Brasilien und Paraguay liegt. Die Polizei tut sich aufgrund fehlender Besetzung sowie mangelnder technischer Ressourcen meist schwer, die Schmuggler aufzudecken, welche die Drogen eingefroren in Kühlwägen oder versteckt in Maislieferungen transportieren.5 Der Drogenhandel ist dadurch auch eng verwoben mit dem gesetzwidrigen Geschäft des Warenschmuggels, wie eine kürzlich über zwei Monate durchgeführte Untersuchung zeigen konnte. So werden einerseits die  Schmuggelrouten regelmäßig auch zum Drogenhandel genutzt.6 Andererseits werden auf dem Schwarzmarkt vor allem mit Tabak, Bekleidung, technischen Geräten und Medikamenten verhältnismäßig hohe Gewinne erzielt, welche wiederum eine wichtige Finanzierungsgrundlage für den Drogenhandel darstellen. Schätzungen zu Folge sind etwa 15.000 Menschen direkt in den durchorganisierten Warenschmuggel an der Grenze zwischen Brasilien und Paraguay eingebunden, welcher durch die Beteiligung der Drogenmafia auch durch eine starke Brutalität gekennzeichnet ist. Korruption auf beiden Seiten der Grenze begünstigt dabei den reibungslosen Ablauf der illegalen Geschäfte maßgeblich.7 Dem brasilianischen Staat entgehen damit jährlich rund 41,5 Milliarden US-Dollar an Einnahmen, das entspricht etwa 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) Brasiliens. Mit diesem Geld könnten Schulen, Kindergärten sowie Krankenhäuser und Sozialwohnungen gebaut und damit ein Fortschritt erreicht werden, welchen Brasilien dringend bräuchte, um die soziale Situation für seiner Bevölkerung endlich deutlich zu verbessern.8

  1. The Guardian: Paraguay deploys anti-narco top guns to combat economic need for weed; Artikel vom 25.06.15 []
  2. Insight Crime: Brazil Gang War Sparks Prison Violence, Could Spill onto Streets; Artikel vom 26.10.16 [] []
  3. Insight Crime: Brazil Authorities Caught in Prison System’s Vicious Cycle; Artikel vom 19.01.17 []
  4. Insight Crime: Vrazil Authorities Caught in Prison System’s Vicious Cycle; Artikel vom 19.01.17 []
  5. Insight Crime:Brazil Cigarette Seizures Highlight Paraguay Contraband Trade; Artikel vom 29.05.14 []
  6. Insight Crime: ‚Crime without Punishment‘: Brazil’s Massive Contraband Trade; Artikel vom 19.03.15 []
  7. Insight Criem: ‚Crime without Punishment‘: Brazil’s Massive Contraband Trade; Artikel vom 19.03.15 []
  8. Insight Crime: Contraband Cost Brazil a Staggering Billion in 2016: Watchdog; Artikel vom 31.03.17 []

Über Verena / earthlink

Ich studiere Politik- und Verwaltungswissenschaften im Master und bin nun für 6 Wochen Praktikantin bei Earthlink. Ich freue mich besonders mich in dieser Zeit intensiv mit aktuellen entwicklungspolitischen Themen zu beschäftigen und mich hierfür sozial zu engagieren.

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