Drogenwirtschaft korrumpiert El Salvador

Bild: © (c) Tomloel - Dreamstime.com

El Salvador spielt eine relativ kleine, aber wachsende Rolle im Drogenhandel.  Es dient als Drogendepot und vor allem als Transitstaat. Hauptsächlich wird Kokain aus Kolumbien und anderen südamerikanischen Ländern nach Mexiko und dann weiter in die USA geschmuggelt. Besonders die kaum kontrollierten Grenzübergänge mit den Nachbarländern Honduras und Guatemala erleichtern den Drogenschmuggel. Zusätzlich ermöglichen die zahlreichen Orte, insbesondere an El Salvadors Küste, die Drogen in kleineren Mengen für den weiteren Weg Richtung Norden zu entladen und zu verpacken oder für den Vertrieb und Verkauf im Heimatland zu nutzen.1

Mehr als ein Drittel der Bevölkerung in El Salvador lebt unterhalb der Armutsgrenze. Das Bildungssystem und die Schulen sind mangelhaft, die meisten Kinder beenden vorzeitig ihre Schullaufbahn. Mehr als die Hälfte aller 15-Jährigen gehen nicht mehr zur Schule. Sie müssen oft ihre Familien finanziell unterstützen und daher schon in jungen Jahren arbeiten gehen. Häufig werden Kinder von Straßenbanden, zum Beispiel der Mara Salvatrucha, rekrutiert, um im Drogengeschäft mitzuwirken.2

Aufgrund der hohen Arbeitslosenrate scheint die Arbeit bei Drogenkartellen für viele als einziger Ausweg. Die Straßenbanden sind in erster Linie in Erpressung, Entführung und den inländischen Drogenhandel verwickelt. Zusätzlich werden sie auch von größeren Organisationen für Attentate oder andere spezifische Aufgaben beauftragt.3 Die Regierung versucht die Gewaltaktivitäten der Straßenbanden zu unterbinden, durch die Beobachtung und Umzingelung von durch Banden besetzten Nachbarschaften. Allerdings lebt jeder, der in dieser Nachbarschaft beheimatet ist,  in der Gefahr, Opfer von außergerichtlicher Gewalt zu werden. Oftmals reicht es für die Sicherheitskräfte aus, wenn jemand jung und männlich ist, ihn zu verhaften, zu foltern oder zu töten. Während einige der Opfer Mitglieder der Straßenbanden waren, hatten andere nichts mit organisiertem Verbrechen zu tun.4 Die Gewaltsituation und die hohe Mordrate in El Salvador sind erschreckend, denn seit 2015 gab es bisher nur einen Tag, an dem niemand getötet wurde und häufig kommt es zu einen Mord pro Stunde.56

Netzwerke für den Drogentransport arbeiten oft zusammen mit korrupten Grenz-, Polizei- und Militärbeamten. Um sicherzustellen, die Drogen ungestraft zu befördern, werden unter anderem Bürgermeister,  Landwirte, lokale Unternehmen, Straßenbanden und Vertreter der National Legislative Assembly bestochen.7 Eines der größten und produktivsten Drogenschmuggel Netzwerke in El Salvador ist das Kartell Texis. Es kontrolliert einen wichtigen Teil der Route für den Drogenschmuggel im Nordwesten des Landes, auch bekannt als El Caminito. Zudem erleichtert eine neu gebaute und von den USA finanzierte panamerikanische Schnellstraße den Schmuggel von Drogen.8 Während dieses Transport-Netzwerk nicht an spezielle Drogenhandelsorganisationen gebunden ist, können dessen Dienste auch von anderen Drogenkartellen bezogen werden. Somit ist es zu einem unverzichtbaren Element für kolumbianische und mexikanische Drogenkartelle geworden, darunter auch mächtige mexikanische Gruppen wie das Sinaloa Kartell und Los Zetas.3 Im Gegensatz zu den meisten Kartellen Lateinamerikas, welche mit organisiertem Verbrechen durch einen hohen Einsatz von Gewalt ihre Machtposition sichern, ist das Kartell Texis durch einen unternehmerischen Ansatz in den Drogenhandel verwickelt.9 Dadurch wird es dem Kartell ermöglicht, Steuerhinterziehung und Geldwäsche durchzuführen, vor allem da El Salvador aufgrund seiner Währung (US-Dollar) besonders gut dafür geeignet ist.10 Das Kartell Texis ist hauptsächlich für den Drogentransport und -lieferungen innerhalb von El Salvador verantwortlich, wohingegen die Banden weitgehend für einen Großteil des gewalttätigen Verbrechens im Land zuständig sind.3

Der Anführer des Kartell Texis, José Adán Salazar Umaña, auch genannt „Chepe Diablo“ wurde im April 2017 verhaftet. Zudem ist Salazar nicht nur der Präsident einer Fußballmannschaft in der ersten Liga, er ist auch ein bekannter Hotelier und einer der erfolgreichsten Unternehmer des Landes. Seine vielen Unternehmen stellen somit eine gute Fassade für die Geldwäscherei dar. Auch Bürgermeister und der salvadorianische Vizepräsident Óscar Ortiz sind höchstwahrscheinlich in die Machenschaften des Drogenkartells Texis mit verwickelt.9 Die hochrangigen politischen Verbindungen des „Chepe Diablo“ halfen ihm bisher dabei, Strafverurteilungen auszuweichen.11

Aus der jetzigen Situation sieht der große Teil der Bevölkerung keinen Ausweg und beabsichtigt, aus dem Heimatland zu flüchten.12 Erst wenn die Bevölkerung El Salvadors versucht, das Problem der Verflechtung von Regierung und Unternehmern mit Drogenkartellen öffentlich anzugehen und ihre gewählten Vertreter einen hohen Standard halten, ohne der Korruption zu verfallen, kann die Situation geändert werden.  El Salvador wäre dann in der Lage, den negativen Auswirkungen der kriminellen Drogenkartelle und –netzwerke zu entkommen.13

  1. InSight Crime: El Salvador; Artikel vom 09.03.17 []
  2. SOS Kinderdörfer weltweit: El Salvador; Stand vom 07.04.17 []
  3. InSight Crime: El Salvador; Artikel vom 09.03.17 [] [] []
  4. The Guardian: ‚We fear soldiers more than gangsters‘: El Salvador’s ‚iron fist‘ policy turns deadly; Artikel vom 06.02.17 []
  5. The Guardian: A day without murder: no one is killed in El Salvador for first time in two years; Artikel vom 12.01.17 []
  6. The Guardian: One murder every hour: how El Salvador became the homicide capital of the world; Artikel vom 22.05.15 []
  7. Voices on the border: El Faro Exposes Huge Drug Trafficking Network; Artikel vom 23.05.11 []
  8. El Faro: El Cártel de Texis; Artikel vom 16.05.2011 []
  9. InSight Crime: Cartel de Texis; Artikel vom 17.02.17 [] []
  10. VÍVELOHOY: El Salvador, donde el narco mexicano libra su guerra territorial; Artikel vom 22.03.11 []
  11. InSight Crime: José Adán Salazar Umaña, alias ‚Chepe Diablo‘; Artikel vom 09.03.17 []
  12. The Guardian: From civil war to gang war: new violence drives Salvadorans to makeshift camp; Artikel vom 30.09.16 []
  13. Voices on the border: El Faro Exposes Huge Drug Trafficking Network; Artikel vom 23.05.11 []

Über Jennifer / earthlink

Studentin der Wirtschaftswissenschaften. Ambitioniert und engagiert. Große Optimistin die Welt verbessern zu können. Bei Earthlink möchte ich Informationen zu entwicklungspolitischen Themen verbreiten, die sonst eher vernachlässigt werden.
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