Kriminelle und Drogenbanden profitieren von der Krise in Venezuela

Oppositionsdemonstration gegen die Regierung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro

Oppositionsdemonstration gegen die Regierung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro Bild: © Diariocritico de Venezuela [CC BY 2.0] - Flickr

In Venezuela herrscht Ausnahmezustand. Die Menschen gehen auf die Straße – gegen die Politik des aktuellen Präsidenten, Nicolás Maduro. Die Proteste halten nun schon seit etwa drei Wochen an. Am vergangenen Mittwoch fand eine der größten Demonstrationen seit drei Jahren statt. Leider laufen diese Protestmärsche nicht friedlich ab, immer wieder kommt es zu Zusammenstößen, die Tote und Verletzte fordern.12

Neben der anhaltenden Unzufriedenheit der Bevölkerung und der Wirtschaftskrise, ist die Entmachtung des Parlaments ein Auslöser für die aktuellen Unruhen. Wer trägt die Schuld für die Krise? Wie wird Maduro diesen Konflikt lösen? Welche Szenarien für die Zukunft des Landes ergeben sich? Und welche Folgen hätten diese auf Drogenhandel und Kriminalität?

Würde Präsident Maduro sein Amt niederlegen, käme automatisch der Vize-Präsident Tareck El-Aissami an die Macht, der gerade erst von der US-amerikanischen Regierung des Drogenhandels beschuldigt und dafür sanktioniert wurde. Dieser könnte zwar für eine Umbildung der Regierung sorgen und die Ökonomie des Landes wieder ankurbeln. Jedoch würde sich das Vertrauen des Volkes in die Regierung voraussichtlich weiter verschlechtern, wenn ein in den Drogenhandel involvierter Politiker das Präsidentenamt übernehmen würde. Darüber hinaus würden von einem Fortbestehen der jetzigen Regierung vor allem die „Colectivos“, bewaffnete Gruppierungen von Regierungsanhängern, profitieren. Sie waren ursprünglich eingesetzt, um für mehr Sicherheit zu sorgen. Doch bewegen sich die Colectivos immer mehr im kriminellen Milieu. Illegaler Handel und Erpressung sind keine Seltenheit, unter der venezolanische Gemeinden zu leiden haben. Bereits in der Vergangenheit wurden diese Gruppen von der Regierung dafür eingesetzt, Bürgerunruhen und Proteste einzudämmen.34

Zwar wird Maduro von einem Großteil der Streitkräfte unterstützt, jedoch wäre auch der Putsch einer Gruppe des Militärs ein weiteres Zukunftsszenario. Dies würde mit Sicherheit zunächst zu großen Unruhen und Unsicherheit führen, von der wiederum kriminelle Gruppen profitieren würden. InSight Crime spekuliert, dass bei einer Machtübernahme durch Angehörige des Militärs diese vermutlich das Agieren der Colectivos unterbinden würden. Doch auch die venezolanische Armee hat durch ihre Verwicklung in den Drogenhandel bereits für Schlagzeilen gesorgt.5 Die militärische Gruppe, die insbesondere in den Handel von Kokain verwickelt ist, ist unter dem Begriff „Cartel de los Soles“ bekannt. Bis heute hat keine wirkliche Aufklärung stattgefunden. Bei einem Putsch durch die Armee ist mit Prozessen gegen regierungstreue Militärs und der Korruption sowie des Drogenhandels beschuldigter Militärs zu rechnen. Doch besteht weiter der leise Zweifel, ob nicht die neue Führungselite ebenfalls ihre Machtposition ausnutzen könnte, um in den globalen Kokainhandel einzusteigen.

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Zusammenarbeit zwischen Opposition und aktueller Regierung. Maduro müsste sich dazu auf die Forderungen nach  Freilassung der politischen Gefangenen, Anerkennung der Rechte des Parlaments, Aufstellung eines Wahlkalenders und Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Situation der Menschen einlassen. Dies wird aktuell als äußerst unwahrscheinlich angesehen.

  1. Neue Zürcher Zeitung: Mit Vollgas auf den Abgrund zu; Artikel vom 20.04.17 []
  2. Handelsblatt: Lage in Venezuela eskaliert; Artikel vom 20.04.17 []
  3. InSight Crime: GameChangers 2016: Criminality and Organized Crime Thrives in Venezuela; Artikel vom 02.01.17 []
  4. InSight Crime: Dark Times in Venezuela Signal Bright Future for Organized Crime; Artikel vom 18.04.17 []
  5. InSight Crime: How Venezuela’s Military Tried to Fly A Ton of Cocaine to France; Atrikel vom 21.10.13 []

Über Jennifer / earthlink

Studentin der Wirtschaftswissenschaften. Ambitioniert und engagiert. Große Optimistin die Welt verbessern zu können. Bei Earthlink möchte ich Informationen zu entwicklungspolitischen Themen verbreiten, die sonst eher vernachlässigt werden.
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