Spielt Nepal als Transitland eine Rolle im internationalen Drogenhandel?

Kathmandu Bild: © Macro Eye [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr.com

Nepal wird nicht unbedingt mit Drogenkartellen und Drogenhandel in Verbindung gebracht. Jedoch stieg die Zahl der Verhaftungen für Drogendelikte in den letzten Jahren an. Wurden im Jahr 2011 noch 2.174 Menschen verhaftet, so waren es 2016 schon 3.969 Personen. Im Land der Achttausender wird hauptsächlich Cannabis geschmuggelt. Aber auch Haschisch, Heroin, Opium und Kokain ist im Umlauf.1

Spielt Nepal als Transitland eine Rolle im internationalen Drogenhandel?

In den letzten vier Jahren wurden in Kathmandu, der Hauptstadt Nepals, 19 Kokain-Schmuggler festgenommen, darunter befanden sich 13 Frauen. Die meisten der Frauen, die in Nepal aufgrund von Drogendelikten festgenommen wurden, wussten nicht, welche Waren sich in ihrem Gepäck befanden. Häufig verfügen diese weiblichen Drogenkuriere in ihrer Heimat über wenig Zukunftsperspektiven und werden von Drogenbanden angeheuert. Ihre schwierige finanzielle Situation wird ausgenutzt.2 Das Phänomen, das Frauen in den Transport von illegalen Drogen verwickelt sind, lässt sich auch in anderen Ländern beobachten. So ist in Lateinamerika schon länger eine steigende Anzahl an weiblichen Gefängnisinsassen festzustellen, die aufgrund von Drogendelikten festgenommen wurden. Meist handelt es sich dabei um den Transport kleinerer Mengen. In der Hierarchie der Drogenkartelle befinden sich die Frauen als Drogenkuriere in einer der schwächsten Positionen. Ihre Verhaftung trägt meist wenig zur Bekämpfung des Drogenhandels bei.34

Über die Kokain-Konsumenten vor Ort sind keine genaueren Zahlen bekannt, jedoch kann sich nur ein kleiner Teil der nepalesischen Bevölkerung diese Droge leisten. Verbreitet sind im Land selbst eher Cannabis und Haschisch. Nepal befürchtet jedoch schon seit längerem, dass Drogen-Kartelle den Staat als Transitland ausnutzen könnten. Die in Nepal beschlagnahmten Waren sind häufig für den Weitertransport über verschiedene Routen nach Europa bestimmt. Sie stammen meist aus südamerikanischen Ländern wie Brasilien und Peru.52

Nepal bietet sich für den Drogenhandel vor allem aus zwei Gründen an. Zum Einen scheinen die Grenzkontrollen vergleichsweise einfach passierbar zu sein, da das Land nicht über moderne Detektoren zur Drogenfahndung verfügt. Zum Anderen gibt es in Nepal keine Todesstrafe für Drogenhandel – den Schmugglern droht somit lediglich eine Gefängnisstrafe. Dieses Risiko sind viele bereit, einzugehen.2 In vielen anderen asiatischen Staaten, wie beispielsweise in China und Indonesien, gibt es weitaus strengere Drogengesetze, bei Rauschgiftdelikten droht die Todesstrafe.6

Ein Mitarbeiter des Narcotic Control Bureau warnt davor, dass Nepal kurz davor stehe, zu einem Transitland für den internationalen Drogenhandel zu werden. Er sieht vor allem auch in der wachsenden Nachfrage einen Grund für den Anstieg des Handels. So gilt es, den lokalen, aber vor allem auch den internationalen Drogenkonsum zu vermindern. Mit einem sinkenden Bedarf an Drogen, verringert sich auch die Lukrativität des Drogenhandels.7

 

  1. The Himalayan Times: 16,717 drug traffickers booked in six years, shows NCB data; Artikel vom 27.02.17 []
  2. The Himalayan Times: Drug cartels tapping women to smuggle cocaine through Nepal; Artikel vom 27.03.17 [] [] []
  3. Washington Office on Latin America: Mujeres, políticas de drogas y encarcelamiento; abgerufen am 24.04.17 []
  4. Broadly: Sie sind tickende Zeitbomben – Das Schicksal weiblicher Drogenkuriere;  Artikel vom 20.01.17 []
  5. The Himalayan Times: Nepal emerging as major hub for drug trafficking; Artikel vom 08.09.16 []
  6. FOCUS: Vorsicht Todesstrafe! In diesen Ländern müssen Sie gut auf sich aufpassen; Artikel vom 01.05.15 []
  7. The Himalayan Times: 16,717 drug traffickers booked in six years, shows NCB data; Artikel vom 27.02.17 []
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