Mexikanischer Drogenkrieg beginnt zu eskalieren

Protest gegen War on Drugs

Protest gegen War on Drugs - "40.000 Tote -nicht mehr!" Bild: © Fronteras Desk [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

In Mexiko ist die Zahl der Morde in den letzten Jahren enorm angestiegen. Bis heute gibt es keine Anzeichen nachlassender Gewalt.1 Aufgrund der steigenden Gewalt in Bezug auf den Drogenhandel überholt Mexiko den Irak und Afghanistan, und wurde im Jahr 2016 das zweitgrößte Kampfgebiet der Welt. Der Herrschaft des Terrors, die durch mexikanische Drogenkartelle entstand und die unschuldige Zivilbevölkerung traf, fielen 23.000 Menschen zum Opfer2 – Die höchste Mordrate seit 2012. Mexikos militarisierter Drogenkampf ähnelt zunehmend einem bewaffneten Konflikt.3 

Im Jahr 2016 stieg die Anzahl der Tötungsdelikte in 22 von 32 mexikanischen Staaten.4 Die größte Zahl an Todesopfern trat in den Staaten auf, die Schlüsselpunkte für die Kontrolle zwischen konkurrierenden und zunehmend zersplitterten Kartellen darstellen. Die Gewalt breitete sich weiter aus, als die Kartelle die territoriale Reichweite ihrer Kampagnen ausdehnten und die Gebiete von Konkurrenten befreiten, um sich ein Monopol auf Drogenhandelsrouten und andere kriminelle Vermögensgegenstände zu sichern.5 In den letzten zehn Jahren geriet der Konflikt aufgrund der militärischen Ausweitung der Strafverfolgungspflichten stärker in die Öffentlichkeit. Insbesondere an Orten wie Ciudad Juarez waren militärische Patrouillen ein gewohnter Anblick auf den Straßen der Stadt. Oftmals kam es auch zu Feuergefechten in der Mitte der Nachbarschaften.6 Der Aufstieg der organisierten Kriminalität in Mexiko führt nicht mehr zu Erschütterung: Blutige Körper tauchen in regelmäßigen Abständen in den lokalen Nachrichten auf, in der Regel als Warnung an Journalisten und Strafverfolgungsbehörden, um Abstand zu halten.5

Der Drogenkrieg begann Ende 2006, als der ehemalige Präsident Felipe Calderon das Militär auf die Drogenkartelle des Landes ansetzte – eine Bewegung, die sofort von einem 1,8 Milliarden Dollar Militärhilfepaket vom ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush unterstützt wurde. Seither lieferte Washington jährliche Drogenkriegshilfe durch die sogenannte Merida-Initiative.7 Aber viele betrachten die jahrelange militärische Intervention als Misserfolg. Die Mordzahlen verdreifachten sich von 2007 – 2011 und steigen weiter an.8

Obwohl fast alle Todesfälle Mexikos durch Kleinwaffen verursacht wurden und werden, schwelt in Mexiko auch ein Konflikt im kriegsähnlichen Zustand.5 Selten kommt es vor, dass organisiertes Verbrechen ein solches Niveau erreicht, das einen derartigen bewaffneten Konflikt hervorruft. Genau dies geschah im nördlichen Dreieck Mittelamerikas (Honduras, Guatemala und El Salvador) und vor allem in Mexiko. In allen vier Ländern werden seit vielen Jahren Militärstreitkräfte und umfangreiche Finanzmittel eingesetzt, um kriminelle Banden und, im Falle von Mexiko, transnationale Drogennetzwerke zu bekämpfen.9

Im Gegensatz zu den Konflikten im Nahen Osten erhielt Mexiko von den Medien und der internationalen Gemeinschaft viel weniger Aufmerksamkeit. Nach Jacob Parakilas, stellvertretenden Leiter des US- und Amerika Programms in der Londoner Expertenkomission Chatham House, liege dies daran, weil der Konflikt in dem Land kein Krieg im politischen Sinne sei. „Die Teilnehmer haben weitgehend kein politisches Ziel. Sie versuchen nicht, einen abtrünnigen Zustand zu schaffen.“, bestätigte er. Zudem handle es sich bei den Auseinandersetzungen um keine Neuigkeit mehr, da sie schon seit Beginn des modernen Drogenhandels auf dem amerikanischen Kontinent andauern. Außerdem ist Mexiko eines der gefährlichsten Länder der Welt, um dort als Journalist zu arbeiten. Die Drogennetzwerke haben es vorsätzlich auf sie abgesehen, um ihre Fähigkeit über diese Themen zu berichten zu dämpfen.7

Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2012 versuchte der aktuelle mexikanische Präsident Pena Nieto, Mexiko als eine moderne Wirtschaft erscheinen zu lassen, in dem er Energie-, Telekommunikations- und Arbeitsgesetze durchsetzte, um die Wirtschaft anzukurbeln. Dennoch wurden seine Führungsmethoden durch schwaches wirtschaftliches Wachstum, Korruption und verworrene Taktiken, wie man ein Jahrzehnt der brutalen Drogengewalt beenden könnte, beeinträchtigt. Zudem könnte Mexikos rückläufiges Sicherheitsbudget dazu beitragen, die Gewaltbereitschaft und Anzahl an Morden in 2017 noch weiter in die Höhe zu treiben. Aufgrund der Unfähigkeit der mexikanischen Wirtschaft in signifikanten Raten zu wachsen, ist der Staat nicht in der Lage eine bundesweit bedeutende Sicherheitsstrategie auf der gleichen Ebene zu implementieren sowie in anderen lateinamerikanischen Ländern.6 

Die Bemühungen der mexikanischen Regierung, das Blutvergießen zu reduzieren, wurden durch laufende Zusammenstöße zwischen den Kartellen des Landes und dem Militär behindert. Die tief verwurzelte Korruption in staatlichen und örtlichen Polizeikräften nutzten die kriminellen Gruppen regelmäßig aus.6 Auch die hohe Straflosigkeit – nur etwa ein Prozent der Verbrechen im Land wird bestraft – hilft nicht, das Problem zu lösen.10 Es ist somit keine Überraschung, dass die Drogenkartelle Mexiko zu einem Schlachtfeld auf Augenhöhe mit dem Irak und Afghanistan machten.5 

 

  1. Business Insider: Mexico’s drug-war death toll in 2016 reportedly exceeded murder levels in many countries mired in war; Artikel vom 09.05.2017 []
  2. Task & Purpose: Mexico Surpasses Afghanistan and Iraq As The World’s Second-Deadliest Conflict Zone; Artikel vom 09.05.2017 []
  3. Business Insider: Mexico’s drug-war death toll in 2016 reportedly exceeded murder levels in many countries mired in war; Artikel vom 09.05.2017 []
  4. Telesur: US-Backed Drug War Makes Mexico Second Deadliest Country in 2016; Artikel vom 09.05.2017 []
  5. Task & Purpose: Mexico Surpasses Afghanistan and Iraq As The World’s Second-Deadliest Conflict Zone; Artikel vom 09.05.2017 [] [] [] []
  6. Business Insider: Mexico’s drug-war death toll in 2016 reportedly exceeded murder levels in many countries mired in war; Artikel vom 09.05.2017 [] [] []
  7. Telesur: US-Backed Drug War Makes Mexico Second Deadliest Country in 2016; Artikel vom 09.05.2017 [] []
  8. Huffington Post: Mexico’s Drug War Was World’s Second-Deadliest Conflict In 2016; Artikel vom 09.05.2017 []
  9. Business Insider: Mexico’s drug-war death toll in 2016 reportedly exceeded murder levels in many countries mired in war; Artikel vom 09.05.2017 []
  10. Business Insider: After a decade fighting the cartels, Mexico may be looking for a way to get its military off the front line; Artikel vom 19.02.2017 []

Über Jennifer / earthlink

Studentin der Wirtschaftswissenschaften. Ambitioniert und engagiert. Große Optimistin die Welt verbessern zu können. Bei Earthlink möchte ich Informationen zu entwicklungspolitischen Themen verbreiten, die sonst eher vernachlässigt werden.
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