Uruguay: Staat kündigt Cannabis-Verkauf an

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Cannabis kann in Uruguay mittlerweile bereits auf zwei Wegen legal erworben werden. Zum einen ist es jeder Person erlaubt bis zu sechs Cannabis-Pflanzen im eigenen Haushalt zu züchten. Die zweite Möglichkeit ist die Mitgliedschaft in einem der sogenannten Cannabis-Clubs, in dem für jedes Mitglied bis zu 480 Gramm jährlich produziert werden dürfen.1 Nun wird auch der letzte Schritt im Prozess der Legalisierung vollzogen und die dritte Möglichkeit des legalen Drogenerwerbs initiiert: Cannabis kann, nach einer persönlichen Registrierung, in ausgewählten Apotheken im Land gekauft werden.

Die zukünftigen KäuferInnen müssen sich registrieren

Seit dem zweiten Mai können sich die UruguayerInnen in Postfilialen als zukünftige Cannabis-KäuferInnen registrieren. Hierfür benötigt es lediglich ein Ausweisdokument, einen Nachweis über den aktuellen Wohnsitz und Fingerabdrücke. Die Bescheinigung über den festen Aufenthaltsort soll die Entwicklung von Cannabis-Tourismus verhindern.2 Geplant ist, dass die Apotheken im Juli mit dem Verkauf von Marihuana beginnen, wobei ein Gramm für einen Preis von 1,30 Dollar angeboten wird. Jeder registrierten Person stehen zehn Gramm pro Woche zu. Darüber hinaus werden ein niedriger Preis sowie eine hohe Qualität garantiert. Dazu wird das zum Verkauf angebotene Suchtmittel vorher in einem Labor kontrolliert.3

Am ersten Tag registrierten sich landesweit 539 Personen – viele BürgerInnen bleiben jedoch weiter skeptisch. Trotz der Versicherung von Seiten der Projekts, dass die Daten vertraulich behandelt und verschlüsselt werden, sind viele Menschen sich doch unsicher, ob sie nicht in Zukunft für andere Zwecke verwendet werden könnten.2 Dieses Misstrauen besteht auch bei den Anbauenden. Von den 50.000 geschätzten Personen, die Cannabis selbst anbauen, haben sich bisweilen nur etwa offiziell 6.600 registrieren lassen. Auch führt die Verhaftung eines Neunzehnjährigen zu Diskussionen und Protesten, da dieser bereits als Anbauer registriert war und auch nur die erlaubte Anzahl an Pflanzen besessen habe.34 Noch erklären sich wenige Apotheken bereit, in ihrer Filiale Marihuana zu verkaufen. Sie befürchten beispielsweise, dass ihr Stamm-Klientel, durch die neuen KundInnen irritiert sein könnte und sich davon abschrecken ließe.3

Hoffnung auf eine Abnahme des illegalen Drogenhandels

Gleichzeitig mit dem Beginn der Registrierung startete die Regierung eine Kampagne, um für die Gefahren des Drogenkonsums zu sensibilisieren. Sie informiert beispielsweise über die Auswirkungen des Suchtmittels auf die Konzentrations- und Merkfähigkeit und rät allen Lernenden vom Konsum ab. Während der Schwangerschaft, während der Arbeit sowie beim Steuern von Fahrzeugen soll kein Cannabis geraucht werden. In wie weit diese Kampagne ausreicht um das Bewusstsein zu stärken ist nicht noch nicht absehbar.2 Trotz der bereits bestehenden Möglichkeiten auf legalem Weg Cannabis zu erwerben, wird dies nach Schätzungen der Universität ORT nur von etwa zehn Prozent aller KonsumentInnen in Anspruch genommen. Der Schwarzmarkt wird immer noch stark genutzt. Der Gang in eine Apotheke ist jedoch mit einem geringeren Aufwand verbunden und es wird spekuliert, dass ein großer Teil diese Möglichkeit ab Juli nutzen könnte. Erst dann würde der legale Drogenverkauf eine reale Konkurrenz zum Schwarzmarkt darstellen. Es besteht die Hoffnung, dass das Angebot von Marihuana an öffentlichen Verkaufsstellen langfristig zu einer Abnahme des illegalen Drogenhandels führe.5 Noch sind dafür keine Anzeichen zu erkennen.

Legalisierung als Alternative zum War on Drugs?

Uruguay ist das erste Land, welches die Produktion, den Verkauf und den Konsum von Cannabis legalisierte. Dieses Vorgehen ist ein alternativer Versuch gegen den illegalen Drogenhandel und die damit verbundene Kriminalität vorzugehen, der sich stark vom „War on Drugs“ unterscheidet. Bekannt ist letztere Gegenmaßnahme vor allem aus Mexiko. Hier werden Polizei und SoldatInnen eingesetzt um vehement gegen SchmugglerInnen und DrogenhändlerInnen vorzugehen. Diese militärische Anti-Drogen-Kampagne forderte jedoch in den letzten zehn Jahren über 170.000 Tote und verbreitet auch unter der Zivilbevölkerung großen Schrecken.6 Trotz der drastischen Maßnahmen gibt es noch keinen wirklichen Erfolg zu vermelden, immer wieder kommt es zu neuen Wellen der Gewalt.7 Uruguay versucht nun einen anderen Weg – statt einer Bekämpfung des Drogenanbaus, wird dieser sogar vom Staat reguliert und verantwortet. Cannabis-KonsumentInnen werden entkriminalisiert. Doch auch dieses Vorgehen ist nicht unproblematisch. Der Suchtmittel-Konsum hat gesundheitliche Folgen, vor denen der Staat seine BürgerInnen schützen sollte, zumal Cannabis als auch Einstiegsdroge gilt. Es wird befürchtet, dass bei einer mangelnden Aufklärung der Bevölkerung ein unkontrollierbarer Drogenkonsum entstehen könnte.8

Noch ist unklar, ob die Ziele des Gesetzes erreicht werden können

Von großem Interesse bleibt somit die Frage, in wie weit die Ziele, die mit der Verabschiedung des Gesetzes verfolgt wurden, nun auch erreicht werden können. Dazu zählen der Rückgang von Kriminalität, durch eine Abnahme des illegalen Cannabis-Handels und eine Verbesserung der allgemeinen Gesundheit durch Aufklärung der Bevölkerung und Qualitätskontrollen. Weiter soll die aus der Unklarheit früherer Gesetze resultierende Willkür von PolizistInnen im Umgang mit Drogensüchtigen beseitigt werden.9 Es bleibt spannend zu beobachten, welche dieser erhofften Folgen eintreffen werden. Wie wird sich die Legalisierung auf den Drogenkonsum der Bevölkerung, den Schwarzmarkt und die Kriminalität im Land auswirken?

  1. infocannabis: Preguntas frecuentes; abgerufen am 09.05.17 []
  2. El Pais Uruguay: Registro de consumidores de cannabis comenzó a buen ritmo; Artikel vom 03.05.17 [] [] []
  3. El Pais Internacional: Uruguay inicia el registro para la compra legal de marihuana; Artikel vom 05.05.17 [] [] []
  4. El Pais Uruguay: Cultivador de marihuana fue enviado a prisión aunque estaba registrado; Artikel vom 04.05.17 []
  5. Insight Crime: Delays in Uruguay Marijuana Law Leave Door Ajar for Drug Trafficking; Artikel vom 23.01.17 []
  6. Reuters: Woman fall victim to violence in Mexico’s decade-old war on drugs; Artikel vom 22.12.16 []
  7. tagesschau: Mexikos aussichtsloser Kampf; Artikel vom 30,12,16 []
  8. Wikipedia: Legalisierung von Drogen; Artikel vom 09.04.17 []
  9. WOLA: Getting Regulation Right; Bericht vom Nov 2016 []
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