Der ostafrikanische Heroinhandel überschwemmt Europa und Nordamerika

Heroin

Bild: © Matthew [CC BY-NC-ND 2.0] - Flicker

Seit 2010 hat ein Wachstum des Heroinhandels in und um Ostafrika die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft geweckt. Diese warnt, dass die Auswirkungen des  Heroinhandels im großen Stil für die Region verheerend sein könnten.1 Es besteht die große Gefahr, dass die Drogenhändler ihren Einfluss in Ostafrika verstärken und das politische Leben, das Sicherheitsumfeld und das Leben der Bürger bedrohen. Längst wird die jetzige Lage Ostafrikas mit der Situation in Lateinamerika verglichen, wo die Narco-Kriminalität in weiten Teilen Fuß gefasst hat.2

In der Regel konzentrierte sich der Drogenhandel, der sich Mitte der 2000er Jahre dort entwickelte, auf Kokain in Westafrika. Als sich die Behörden auf der transatlantischen Kokainroute niederschlugen, verlagerten sich die Schmuggler südwärts in Westafrika, wo schwache Staaten leicht untergraben wurden und Drogengelder eine endemische Korruption anheizten. Länder, darunter Ghana, Mali und Senegal, wurden – und bleiben – Schlüsselumschlagplätze für südamerikanisches Kokain zur Weiterleitung nach Europa. Der kleine, arme, gipfelhafte Staat Guinea-Bissau wurde somit zum ersten Narco-Staat Afrikas.3

Aufgrund von politischen Persönlichkeiten und einflussreichen Geschäftsleuten, die oft in den Drogenhandel und andern Formen des organisierten Verbrechens verwickelt sind, ist Ostafrika besonders anfällig für die potenziell verheerende Wirkung des Heroingeschäfts. Folglich ist eine rasche und innovative Lösung gegen den wachsenden Handel erforderlich. Der jüngste Anstieg des Heroinhandels und -konsums kann zu Gewalt, Unsicherheit und anderen Formen der organisierten Kriminalität beitragen, die alle die regionale Entwicklung, die Sicherheit und die Rechtsstaatlichkeit untergraben.1 In Kenia und Tansania kontrollieren  kriminelle Banden die Transportsendungen mit der Unterstützung von Politikern und Sicherheitsbehörden. Das Risiko besteht darin, dass staatliche Institutionen geschwächt werden oder noch schlimmer, dass ganze Staaten durch transnationale kriminelle Netzwerke eingenommen werden.3

Die Drogen werden entlang der sogenannten „südlichen Route“ oder des „Smack Track“, einem Streckennetz von Afghanistan über Pakistan und den Iran, über den Indischen Ozean nach Ostafrika und schließlich zu den Verbrauchermärkten auf der anderen Seite der Welt geschmuggelt. Die jüngste Erweiterung der Strecke ist auf Konflikte, unter anderem in Syrien, und verbesserte Strafverfolgung auf traditionellen Drogenhandelsrouten zurückzuführen, die den Rauschgifthandel in den Süden drängen. Strengere Grenzkontrollen entlang der Balkanroute, verbunden mit dem zunehmenden Risiko, sich in wachsenden Kriegen im Nahen Osten zu verfangen, haben die Überlandpassage weniger attraktiv gemacht.3

Die südliche Strecke beruht vor allem auf dem Seeverkehr, um große Heroinsendungen an die Konsumenten in Asien, Afrika, Europa und Nordamerika zu versenden. Die maritime Strafverfolgung ist erheblich schwieriger als der landgestützte Gesetzesvollzug. Dies nutzen die Drogenhändler natürlich zu ihrem Vorteil. Andere regionale Bedingungen, die den Drogenschmugglern zugutekommen, sind einerseits die durchlässigen Grenzen, über die die Drogen unentdeckt transportiert werden können und die schwache Strafverfolgung sowie das begrenzte maritime Überwachungssystem. Andererseits fördern die sozioökonomischen Umstände in den einzelnen ostafrikanischen Staaten die Beteiligung am Drogenhandel als eine Einkommensquelle, von der auch die korrupten Beamten profitieren.1 Die Vereinten Nationen schätzen, dass pro Jahr bis zu 70.000 Kilogramm afghanische Heroin über den „Smack Track“ nach Europa geschmuggelt werden.2

Aufgrund von begrenzten Ressourcen und einem Mangel an Fachwissen über den Drogenhandel sind die Bemühungen der regionalen Strafverfolgungsbehörden und maritimen Kräfte erfolglos, die wachsende Menge an Drogen, die durch die Gewässer gehandelt werden, zu reduzieren. Internationale Marinepatrouillen, die anfangs zur Bekämpfung der somalischen Piraterie dienten, waren bisher die erfolgreichste Methode zur Eindämmung des Drogenhandels.1

Da das meiste Heroin auf dem Weg nach Europa und Amerika durch Ostafrika verkehrt, ist der regionale Konsum der Drogen in Küstengebieten wie Zanzibar, Dar Es Salaam, Mombasa, den Seychellen und Mauritius stark angestiegen1 – und damit die Gefahr von HIV.2 Jährlich werden mindestens 2,5 Tonnen Heroin nur in Ostafrika konsumiert. Anstatt zu helfen, Drogensucht zu bekämpfen, nährt die repressive Drogenpolitik zusätzlich das Wachstum des Drogenkonsums sowie die Kriminalisierung der Konsumenten.1

Der Heroinhandel ist ein grenzüberschreitendes Verbrechen und verknüpft Industriestaaten und Entwicklungsländer aus der ganzen Welt. Die regionale und internationale Zusammenarbeit und der Austausch von Informationen sind von entscheidender Bedeutung, um den Markt für den Heroinhandel zu entlarven.1

Eine internationale Reaktion zum Drogenhandel ist von wesentlicher Bedeutung, wobei der politische Wille die einzige wahre Waffe gegen den Anstieg des Rauschgifthandels ist. Am wichtigsten ist es, dass in den Drogenhandel verwickelte Personen mit politischen Verbindungen untersucht werden, um die Korrumpierung des Staates durch Drogenhändler zu vermeiden. Zudem sollten sich die Strafverfolgungsmaßnahmen auf die kriminellen Netzwerke konzentrieren, vor allem auf die Personen, die diese leiten.1 Nicht nur die Grenzübergänge müssen stärker kontrolliert und härtere Strafverfolgungsmaßnahmen durchgesetzt werden, um die Drogenkartelle zu entmutigen, sondern auch Bildungsmaßnahmen über die Gefahren des Konsums und des Drogenhandels müssen durchgeführt werden.2

 

  1. Centre Of Criminology: From Afghanistan to Africa: Heroin trafficking in East Africa and the Indian Ocean; Bericht vom 23.06.2016 [] [] [] [] [] [] [] []
  2. Daily Beast: Africa’s Heroin Highway to the West; Artikel vom 11.05.2016 [] [] [] []
  3. The Economist: The Smack Track; Artikel vom 15.01.2015 [] [] []

Über Jennifer / earthlink

Studentin der Wirtschaftswissenschaften. Ambitioniert und engagiert. Große Optimistin die Welt verbessern zu können. Bei Earthlink möchte ich Informationen zu entwicklungspolitischen Themen verbreiten, die sonst eher vernachlässigt werden.
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