Die Entwaffnung der Farc bedeutet kein Ende der Drogengewalt in Kolumbien

No Farc

Bild: © xmascarol [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

Die Farc soll nun komplett entwaffnet sein und so ist der wichtigste Teil des Friedensabkommens erfüllt. Die Guerilla-Organisation hatte fast sechzig Jahre lang Terror in der kolumbianischen Bevölkerung verbreitet. Neben der Entwaffnung war ein Teil der Vereinbarung der Rückzug aus dem Drogenhandel, um ein sicheres Land zu schaffen. In der Theorie war das Abkommen eine Lösung für viele Probleme, die Unruhen im Land hervor gerufen haben, praktisch bestehen diese aber immer noch1.

Präsident Santos verkündete stolz zu Beginn der Woche, dass die Guerilla-Gruppe Farc nun nicht mehr existiere. Was er aber bei seinem Statement vergaß war, dass es die Farc als „Terror“-Organisation vielleicht nicht mehr gibt, aber nun andere kriminelle Gruppen sich an ihrem Vermächtnis bedienen2.

Die ELN gilt als zweitgrößte Guerillagruppe in Kolumbien, sie wird als Nachfolger der Farc gesehen. Sie soll nicht nur den Drogenhandel übernommen haben, sondern auch Terror verbreiten. Letztes Jahr waren Friedensverhandlungen auch mit der ELN vereinbart worden, diese wurden aber anfangs zögerlich aufgenommen und sollen nun aber  wieder an Fahrt gewinnen3.

Die ELN wurde in den Siebzigeren gegründet und ist hauptsächlich im Nordosten Kolumbiens vertreten. Sie setzt sich für eine gerechte Verteilung von Ressourcen ein. Diese sollen verstaatlicht und  nicht an ausländische Firmen verkauft werden, damit diese den Profit einfahren können. Die ELN hat deshalb viele Ölpipelines gesprengt und wollte den Staat so zwingen, auf ihre Forderungen einzugehen. Die Gruppe finanziert sich mit dem Erpressen von Lösegeld. Erst kürzlich wurden zwei niederländische Journalisten gekidnappt. Eine weitaus größere Geldeinnahmequelle ist aber der Drogenhandel. Der Kokainhandel wirft genug ab, um die ELN mit Waffen ausstatten zu können. Der Gruppe werden außerdem schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen4.

Präsident Santos ist sich sicher: Der Frieden in Kolumbien kommt: Waffengewalt und Drogenhandel werden abnehmen. Leider macht dieser seine Zukunftspläne ohne die ELN, welche zwar, nachdem die Farc nun komplett entwaffnet ist, auch Friedensverhandlungen beginnen möchte5. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass sie nun in eine angenehme Position rutscht und selbst den Drogenhandel steuern kann, da die Farc nicht mehr als Guerillagruppe fungieren möchte, sondern als Partei in der Politik aktiv werden.

Es darf nicht falsch verstanden werden. Es ist ein sehr großer Fortschritt, den Präsident Santos gemacht hat. Dieser hat Respekt verdient und wurde sogar mit dem Friedensnobelpreis gekürt. Dennoch sind, beziehungsweise waren, die Farc nie die einzige Bedrohung für Kolumbien, sie waren die bekannteste. Seit den Friedensverhandlungen haben sich Splittergruppen der Farc herausgebildet. Andere Gruppen wie die ELN sehen durch ihr „Abdanken“ ihre Chance auf Profit und mehr Einfluss im Land.

  1. Süddeutsche Zeitung: Kolumbiens Frieden leidet an einem Konstruktionsfehler; Artikel vom 27. 06.02017 []
  2. Zeit: Farc-Rebellen geben Waffen ab; Artikel vom 14.06.2017 []
  3. Spiegel online: Zwei deutsche Rentner in Kolumbien verschleppt; Artikel vom 06.02.2017 []
  4. Spiegel online: Zwei deutsche Rentner in Kolumbien verschleppt; Artikel vom 06.02.2017 []
  5. Zeit: Regierung und ELN beginnen Friedensgespräche; Artikel vom 08.02.2017 []

Über Aida / earthlink

Ich bin gerade in den letzten Zügen meines Bachelorstudiums, studiere Politikwissenschaft. Thema meiner Bachelorarbeit: Folter in Guantanamo- Menschenrechtsverletzungen.
Ich bin ein Optimist und möchte selbst the change sein den ich in der Welt sehen will.
be kind always

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