Die Marihuana-Legalisierung in den USA lässt die Menschen ängstlich zurück

Marihuanapflanze

Bild: © MarihuanayMedicina [CC BY-SA 2.0] - flickr

Seit 2014 ist Marihuana zu medizinischen Zwecken im Bundesstaat Colorado in den USA legal. Schon der Vorgang der Legalisierung wurde in einem aufgeheizten politischen Klima sehr kontrovers diskutiert. Das Résumé fällt zwiegespalten aus. Die Fürsprecher des Gesetzes weisen auf die vielen positiven Aspekte hin. Weniger Festnahmen, mehr Steuereinnahmen und damit Geld, welches für Schulen und Anti-Drogenprogramme verwendet wird. Die Gegner der Maßnahme verweisen auf Cannabis als Einstiegsdroge und dass einige Folgen des Gesetzes nicht absehbar sind. Sie reden davon, dass es mehr Verkehrsunfälle im Bundesstaat Colorado gebe seit der Legalisierung. Experten sagen, dass dieser Zusammenhang nur schwer nachzuvollziehen ist, weil THC nicht so einfach wie Alkohol in einem Bluttest nachgewiesen werden kann. Eine neue Studie scheint zu beweisen, dass es seit dem Gesetz einen Anstieg bei Jugendlichen gäbe, die in Krankenhäusern ambulant wegen des Missbrauchs der Droge eingeliefert werden.12

Der Staat Colorado hat durch den legalen Vertrieb von Cannabis ein Steueraufkommen von 140 Millionen Dollar. Im Bundesstaat Oregon, in dem die Substanz ebenfalls legal erhältlich ist, liegen die Mehreinnahmen bei 270 Millionen Dollar. Die neu entstandene Industrie hat dabei auch Arbeitsplätze geschaffen. Relativ unumstritten ist der Gebrauch von Marihuana gegen Schmerzen. Es gilt allgemeinhin als seriöse Alternative zu schweren Schmerzmitteln.  Das Steueraufkommen wird vor allem an Programme vergeben, die gegen die Heroin-Epidemie in den USA aktiv sind. Speziell soll es Ausbildungen finanzieren für Fachpersonal im Umgang mit Opium-Abhängigen. Unter diesem Programm soll auch Hilfsbedürftigen mit speziellen Therapien und Bedürfnissen geholfen werden. Das Heroin-Problem wird in den USA als Seuche angesehen und stellt ein erhebliches Gesundheitsproblem für immer breitere Teile der Bevölkerung dar.  Für die Legalisierung spricht auch, dass die Polizei weniger Festnahmen wegen Drogenmissbrauchs durchführen muss. CBS News schreibt, die Polizei in Colorado hat vor dem Gesetz mehr Leute wegen Marihuana-Besitz oder -konsum in Gewahrsam genommen, als wegen aller gewalttätigen Fälle zusammengenommen. Das ist für die Behörden eine enorme Entlastung und spart dem Steuerzahler hunderte Millionen Dollar bei der Verfolgung von kleinen Drogendelikten.34

Die Gegner der Legalisierung berufen sich auf eine neue Studie, die in Colorado herausgegeben wurde. Demnach habe es seit der Legalisierung von Marihuana mehr Fälle gegeben, bei denen Jugendliche im Zusammenhang mit dem Konsum der Droge in die Notaufnahme gebracht wurden. Ein Arzt behauptet, dass sich die Zahl der Teenager, die unter dem Einfluss der Droge eingeliefert werden, mehr als verdoppelt habe. Im Jahr 2009 sollen es 1,7 pro 1.000 Patienten gewesen sein, während es 2015 schon vier pro 1.000 Patienten gewesen sein sollen. Der für die Studie verantwortliche Doktor Wang sagt, die Studie beweise einen Anstieg von Teenagern, die mit Cannabis-Missbrauch ins Krankenhaus kommen. Kritiker werfen vor, dass die Aussage der Studie nicht korrekt sei. Die Tests bei den Teenagern ergeben oft auch, dass sie andere Drogen wie Kokain und Ethanol konsumiert haben. Deswegen könne nicht nachgewiesen werden, dass der Marihuana-Konsum zu dem Anstieg führe. Dennoch bleibt die Befürchtung, dass es eine Einstiegsdroge ist, bestehen. Das legale Konsumieren von Cannabis scheint auf den ersten Blick ausschließlich positive Auswirkungen zu haben. Die Bewohner Colorados äußern allerdings auch Ängste. Zum Beispiel werden Sorgen lauter, dass der steigende Konsum zu mehr Autounfällen führe, da Menschen es legitim finden würden, trotz Konsums, Auto zu fahren. Die Statistiken, auch im Vergleich zu Alkohol, zeigen keinen solchen Anstieg. Ein handfestes Problem bleibt jedoch die Strafverfolgung bei einem Autounfall unter Marihuana-Einfluss. THC lässt sich, anders als Alkohol, nicht unmittelbar an Ort und Stelle nachweisen. Der Wirkstoff des Cannabis braucht längere Zeit, um in die Blutbahnen zu kommen. Das bedeutet aber auch, dass Marihuana Tage oder Wochen nach dem Konsum bei einem Unfallfahrer nachweisbar wäre, auch ohne dass er unter Einfluss der Droge gefahren ist. Das ist ein Problem für die Ordnungshüter. Die Befürworter der Legalisierung jubilieren über die gestiegenen Steuereinnahmen, vergessen dabei aber leider, dass die verzeichneten Anstiege nur einen geringen Teil der Steuereinnahmen der Bundesstaaten darstellen, sowohl im Bundesstaat Washington, als auch in Colorado machen sie weniger als ein Prozent aus. Inwieweit neu entstandene oder nicht absehbare Probleme die Staaten Geld kosten könnte, ist nicht untersucht.514

  1. CBS News: Legalized pot sends more teens to ER in Colorado, study finds; Artikel vom 08.05.17 [] []
  2. Vice News: 0 million pot windfall; Artikel vom 30.05.17 []
  3. The Denver Channel: Colorado set to use marijuana money to implement opioid treatment program in worst-hit counties; Artikel vom 23.05.17 []
  4. Washington Post: Here’s how legal pot changed Colorado and Washington; Artikel vom 13.10.16 [] []
  5. Washington Times: Colorado hospitals see surge in youth pot illness since state legalization; Artikel vom 07.05.17 []

Über Florian / earthlink

Ich studiere den Masterstudiengang Politikwissenschaft an der RWTH in Aachen. Ich hoffe, dass ich mich durch mein Praktikum bei earthlink in meinen Ansichten zu diversen politischen Themen weiterentwickeln kann.
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