Europas Nachfrage bedeutet Profit für Drogenwirtschaft

Kokain wird auf der ganzen Welt gehandelt.

Brasilien ist ein wichtiger Transitstaat für Kokain und hat einen der größten Konsummärkte weltweit. | Bild: © The National Crime Agency [CC BY 2.0] - flickr

In den letzten Monaten wurden große Mengen Kokain, die für den europäischen Markt bestimmt waren, auf ihrem Weg von Lateinamerika auf den alten Kontinent sichergestellt. Bei drei verschiedenen Operationen wurden zusammengenommen etwa neun Tonnen Kokain beschlagnahmt. Die spanischen Behörden sagen, die Konfiszierungen von illegalen Substanzen auf See hätten in den zurückliegenden zwei Jahren erheblich zugenommen. Die üblichen Ausgangspunkte seien Brasilien, Venezuela, Kolumbien und die Karibik. Diese Multimillionen-Tonnen-Operationen dienen als eine gute Erinnerung daran, dass der Seeweg vielleicht die wichtigste Schmuggelart ist, die von organisierter Kriminalität genutzt wird. Die Autorin des Buches „Mares de Cocaina“, Ana Lilia Perez, behauptet, dass zwischen 70 und 80 Prozent des Kokains weltweit an irgendeinem Punkt wahrscheinlich auf dem Seeweg transportiert wurden. Das macht die Schifffahrt zum wichtigsten Transportmittel für Drogenschmuggler.123

Die Mengen Kokain nehmen zu. Im Ursprungsland für einen erheblichen Teil der weltweiten Produktion, also in Kolumbien, herrscht momentan ein regelrechter Kokain-Boom. Die Behörden stellen seit geraumer Zeit immer wieder riesige Mengen der Substanz sicher. Auffallend ist dabei, dass die größte Schmuggel-Organisation Kolumbiens – die Urabeños – ihr Gebiet zu verlegen scheinen. Daten zeigen eine erhöhte Aktivität der Bande an der Pazifikküste. Eigentlich agieren sie an der Atlantikküste des Landes. Die Behörden Kolumbiens und der umgebenden Länder haben ihre Fahndungsbemühungen im Bereich der Karibik erhöht. Das veranlasst die Urabeños ihrerseits auszuweichen. Dennoch bleibt für den Transport nach Europa die Route über die karibischen Inseln erheblich effizienter, denn wenn der Startpunkt an der Pazifikküste liegt, muss die Schmuggelware einen Umweg über Panama nehmen, um den Weg auf den  afrikanischen oder europäischen Markt zu finden. Erschwert wird dieser Weg dadurch, dass an der Ostküste Kolumbiens andere Gruppen Kontrolle über das Gebiet haben, welches die Urabeños für ihre Tätigkeiten brauchen. Durch ihre verstärkte Aktivität gerät die Bande in Konflikte mit der Ejército de Liberación Nacional – kurz: ELN. Tausende friedliche Bewohner in dieser Gegend sind schon vor den bewaffneten Auseinandersetzungen geflohen.4

Die Drogenbanden handeln hierbei international. Große Einfallstore für Kokain nach Europa sind die großen Häfen im Norden des Kontinents: Hamburg, Antwerpen und Rotterdam. In den letzten Jahren haben sich die Sicherstellungen von Kokain um 100 Prozent gesteigert. Organisiert wird der Handel quasi multilateral. Verantwortliche sitzen in Osteuropa, der Türkei und auch Deutschland. Darüber hinaus agieren auf dem Markt auch die traditionellen kriminellen Organisationen wie die russische und italienische Mafia. Dieser Umstand erschwert den Ermittlern das Leben ungemein, da es so unwahrscheinlich schwerer wird, Einblick in die Strukturen der organisierten Kriminalität zu bekommen. Es gibt verschiedene Personen, die ihre Aufgabenbereiche aufgeteilt haben. Sie sind getrennt voneinander für Vertrieb, Anbau, Verkauf und Geldflüsse zuständig. Die Behörden können nur schwer in die Strukturen eindringen und dagegen vorgehen. Das BKA stellt jedoch fest, dass trotz der höheren Anzahl Sicherstellungen bei Kokain, der Preis auf dem Markt unverändert bleibt. Das bedeutet, die Versorgungslage auf dem Markt muss immer noch gut sein. Dass sich mehr Konfiszierungen nicht auf den Preis der Droge niederschlagen, liegt daran, dass Kolumbien im Moment sehr viel Kokain produziert.5

Die aktuellen Trends stimmen mit den Daten des europäischen Drogenberichts überein, der belegt, dass Drogen ein wachsendes Problem in der EU darstellen, welches sich in steigenden Opferzahlen bei Drogentoten zeigt. Demnach sollen im Jahr 2015 über 8.000 Menschen an einer Überdosis gestorben sein. Das ist ein Anstieg um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 80 Prozent der Toten starben an einer Überdosis Kokain oder Heroin. Wachsende Sorgen bereiten den Autoren des Berichts neue synthetische Drogen, deren Wirkstoffe als hoch potent gelten und die deswegen die Gefahr einer Überdosis erhöhen. Darüber hinaus werden von diesen Substanzen nur kleine Dosen gebraucht, um große Mengen anderer Drogen herzustellen.6

Generell verläuft der Drogenhandel, vor allem bei den harten Drogen Kokain und Heroin, von Süden nach Norden. Die Substanzen werden in ärmeren, instabilen Ländern wie Kolumbien oder Afghanistan angebaut und hergestellt und dann in den Staaten des globalen Nordens verkauft. Der Zugang zu reichen Märkten ist für die Drogenkartelle essentiell. Drogenproduzenten geben offen zu, dass die steigende Nachfrage nach Kokain in den 70ern die Produktion ankurbelte und die Anbauflächen für die benötigten Pflanzen vergrößerte. Das meiste des weißen Pulvers wird in Kolumbien angebaut. Die wichtigsten Märkte für Drogen sind die USA, Kanada und Europa. Die Nachfrage spielt eine entscheidende Rolle im Kampf gegen die Drogen. Angebot und Nachfrage bedingen sich gegenseitig. Solange es in den reichen Ländern einen Bedarf nach Drogen gibt, wird es immer jemanden geben, der davon profitieren will.78

  1. Spiegel Online: Zahl der Drogentoten in Europa steigt; Artikel vom 06.06.17 []
  2. Inisghtcrime: Maritime Seizures of LatAm Cocaine Shipments to Spain on the Rise; Artikel vom 14.06.17 []
  3. Insightcrime: What is driving maritime Drug Trafficking in LatAm; 28.01.15 []
  4. Insightcrime: Rising Seizures along Pacific Signal Shift in Colombias Drug Routes; Artikel vom 02.06.16 []
  5. Deutschlandfunk: Milliardengeschäft Kokain; Artikel vom 07.03.17 []
  6. Spiegel Online: Zahl der Drogentoten in Europa steigt; Artikel vom 06.06.17 []
  7. Friedrich-Ebert-Stiftung: Drogengeschäfte : zur Entwicklung der internationalen Drogenmärkte; Stand vom 20.06.17 []
  8. Handelsblatt: Globalisierung verbilligt Kokain und Heroin; Artikel vom 30.07.07 []

Über Florian / earthlink

Ich studiere den Masterstudiengang Politikwissenschaft an der RWTH in Aachen. Ich hoffe, dass ich mich durch mein Praktikum bei earthlink in meinen Ansichten zu diversen politischen Themen weiterentwickeln kann.
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