Jährlicher Europäischer Drogenbericht – Rauschmittelnachfrage steigt weiter an

Bild: © Octavio L. - Wikimedia Commons

Der am vergangenen Montag veröffentlichte Jahresbericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) verdeutlicht die Entwicklung des Drogenkonsums in Europa.

8.114 Menschen starben 2015 nachweislich an den Folgen einer Überdosis. Die Zahl der Drogentoten ist hiermit bereits zum dritten Mal in Folge angestiegen. Die Hälfte der Opfer kommen aus Großbritannien und Deutschland.

Heroin und andere Opioide sind die Substanzen, die 81 Prozent dieser Todesfälle verschuldet haben. Keine anderen Rauschmittel führen zu mehr direkten Todesfällen. Dem Suchtforscher Adam Winstock zufolge sind insbesondere Menschen, die Heroin nehmen, erfahrungsgemäß schon Jahre bzw. jahrzehntelang süchtig. Da es sich um eine Droge handelt, die in den 70er und 90er Jahren verstärkt konsumiert wurde, sind viele Betroffene mittlerweile älter als 50. Die Anzahl der Neukonsumenten ist sehr gering. Die meisten Drogenkonsumenten sind in einer schlechten gesundheitlichen Verfassung, was auch häufig mit dem Teilen von Spritzen und den dabei übertragenen Krankheiten zusammenhängt. HIV und Hepatitis C sind sehr verbreitet, was mitunter für die steigenden Opferzahlen unter den immer älter werdenden Süchtigen verantwortlich ist.1

Aber die EBDD veranschaulichte in ihrem Jahresbericht auch, dass der Konsum des illegalen Rauschmittels Cannabis in Europa weiter angestiegen ist.  Auch wenn bei dieser Droge der Tod keine übliche Folge ist, hat der Konsum doch extreme Auswirkungen. Allein in Deutschland haben über ein Viertel der Erwachsenen in ihrem Leben schon einmal illegale Drogen konsumiert. Die meisten gaben an, dass sie einen „Joint“, also Marihuana, geraucht hatten. Zehn Prozent der Befragten berichteten darüber, dass sich ihr Konsum in den letzten 12 Monaten ereignete.

Cannabis wird etwa fünfmal häufiger konsumiert als andere Drogen, dennoch ist die  Nachfrage nach unterschiedlichen Substanzen angestiegen. Stimulanzien wie Kokain, Amphetamin, Methamphetamin und MDMA sind in Europa mittlerweile sehr weit verbreitet. In der EU wurden im letzten Jahr Suchtmittel im Wert von circa sechs bis zehn Milliarden Euro konsumiert.

Europa agiert also als wichtiger Bestandteil im globalen Drogenmarkt. Sowohl in Bezug auf die in Europa hergestellten Substanzen als auch für Drogen, die aus anderen Regionen der Welt eingeführt werden.  Sowohl bei legalen Produkten als auch bei Drogen bedingt die Nachfrage das Angebot. Die nach Europa eingeschmuggelten illegalen Stoffe  kommen weitgehend aus Südamerika, Westasien und Nordafrika.2

Abgesehen von den gesundheitlichen Auswirkungen, die Drogen auf Individuen haben, schadet der illegale Handel ganzen Ländern und Bevölkerungsschichten. Zwar werden umfangreiche Ressourcen aufgebracht, um das Drogenangebot zu minimieren, aber häufig führen diese Maßnahmen nur dazu, dass der gewalttätige und unterirdisch stattfindende Handel mit Drogen aufrechterhalten wird. Behandlungs- und Bildungsstrategien auf Seiten der Nachfrager werden stark vernachlässigt. Da der Fokus vorrangig auf der Angebotsreduktion liegt, ist es nicht überraschend, dass die Maßnahmen zur Kontrolle der organisierten Kriminalität immer wieder scheitern. Da der Handel von Drogen mit erheblichen Gewinnen verbunden ist, und die Nachfrage existiert, wird es nach jedem verhafteten oder ermordeten Drogenbaron einen Nachfolger geben, der die Geschäfte übernimmt.3

Durch den Bericht des EBDD wird deutlich, dass die Nachfrage weiter ansteigt. Also sollte mehr Geld in Bildungsprogramme und in die Behandlung bereits Süchtiger investiert werden, um so das Kaufinteresse zu senken.

Den Konsum beziehungsweise Missbrauch von illegalen Rauschmitteln kann man im Allgemeinen als soziales Problem bezeichnen. Allein durch staatliches Eingreifen wird es keine langfristige Lösung geben. Die öffentliche Einstellung, also die der potentiellen Nachfrager muss sich ändern, um den Drogenkonsum senken zu können.

  1. Die Zeit: Europa hat ein Heroin-Problem – aber ein altes; Artikel vom 06.06.17 []
  2. Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht: Europäischer Drogenbericht; Artikel vom 06.07.17 []
  3. Drug Policy: Supply and Demand; Stand vom 23.05.17 []
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