Korruption, Gewalt & Kriminalität – Honduras droht ein zweites Kolumbien zu werden

Sichergestellte Ladung Kokain aus Honduras

Von der US-Küstenwache konfisziertes Kokain Bild: © von Coast Guard (Drug hand off) [Public domain] [Public Domain] - Wikimedia Commons

Am 22. Mai wurde in Honduras eine Koka-Farm gefunden. Sie umfasste ungefähr 84.000 Quadratmeter. Der Verdacht hatte sich erhärtet, weil man Chemikalien fand, die dazu benutzt werden, die Blätter weiter zu verarbeiten. Im Zuge der Ermittlungen wurden immer häufiger entsprechende Felder überall im Land entdeckt. Die Sicherheitsbehörden gehen momentan davon aus, dass es sich hierbei um Experimente von kolumbianischen oder guatemaltekischen Banden handelt. Neue Erkenntnisse weisen darauf hin, dass die Farm vor ungefähr drei Jahren von kolumbianischen Ingenieuren aufgebaut worden ist. Sie hatten mit Absicht eine Lage ausgewählt, die abgelegen ist, in bergigen und regnerischen Gebieten Honduras‘, die gute Bedingungen für das Anpflanzen von Koka bedeuten. Es deutet immer mehr darauf hin, dass kriminelle Banden ein Interesse daran haben, das Land von einem Transitland zu einem Produktionsland für Kokain zu machen.1

Die Regierung und alle staatlichen Institutionen sind gut beraten, sehr aufmerksam gegenüber dieser Problematik zu sein. Ganz besonders der Blick auf Kolumbien sollte Mahnung genug sein. Obwohl der Vergleich zwischen beiden Ländern hinkt. Honduras ist wesentlich kleiner als Kolumbien. Es ist deswegen gar nicht möglich, dass es einmal eine so tragende Rolle auf dem Markt übernehmen könnte wie der Andenstaat es im Moment tut. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass in Honduras kein Bürgerkrieg tobt. Es ist zweifelsohne eines der gefährlichsten Länder der Welt, hat aber keine paramilitärischen Guerillas, die Teile des Landes unzugänglich machen und dem Staat die Kontrolle über sein Territorium entziehen können, wie es die FARC oder ELN in Kolumbien getan haben. Trotz allem ist Kolumbien ein Beispiel dafür, welche schlimmen Folgen die Kokainproduktion haben kann. Denn Anbau, Produktion, Schmuggel und Verkauf von Kokain sind untrennbar mit organisierter Kriminalität verbunden. Auch Kolumbien war einst nur ein Transitland für Kokain aus Peru und Bolivien. Erst als Pablo Escobar und sein berüchtigtes Medellin-Kartell ihre Profite steigern wollten und die Produktion in ihr Land verlagerten, wurde es zu einem der Hauptproduzenten für die Droge. Die Koka-Pflanze brachte armen Farmern Geld und ein wenig Wohlstand. Dieses Geld kam aber mit Gewalt und Korruption und mit mehr Einflussmöglichkeiten für illegale Geschäftemacher. Gewalttätige Banden und ihre Kämpfe untereinander waren für den Tod und die Flucht tausender Menschen verantwortlich, darüber hinaus korrumpierten sie Behörden und Polizisten.1

Das Zusammenkommen jedes dieser Faktoren hat der Entwicklung Kolumbiens auf Jahre geschadet. Bewaffnete Gruppen wie die FARC oder Escobars Kartell konnten einen schwachen Staat auf diese Weise ausnutzen. Honduras könnte womöglich dasselbe Schicksal erleiden. Die Expansion der Drogenbanden in den Norden kann verschiedene Gründe haben. Zum einen ist es einige Kilometer näher an der Grenze zum wichtigsten und lukrativsten Drogenmarkt – den USA. Weiter fehlen den Behörden in Honduras noch Maßnahmen und Erfahrung im Kampf gegen Drogen. Institutionen und Strafverfolgung in dem Land sind schwach. Außerdem erweist sich das System als außerordentlich korrupt, sogar für lateinamerikanische Standards. Das sind alles Gründe, um die Produktion nach Honduras zu verlegen. Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen beiden Ländern könnte sich als fatal erweisen – die Armut. Die Koka-Pflanze darf nicht zu einer attraktiven Lösung für Bauern werden.2

Die Pflanze zeichnet sich dadurch aus, dass sie genügsam und leicht zu handhaben ist. Mit ihr ist leicht Profit zu erzielen. Den Bauern müssen in gut subventionierten Programmen echte Alternativen zum Anbau aufgezeigt werden, damit sie nicht den einfachen Ausweg nehmen und auf Koka ausweichen. Sie brauchen Hilfe für die Kultivierung alternativer Nutzpflanzen und Subventionen, damit sie ihre Familien ernähren können. Darüber hinaus braucht es Eradikationsprogramme, die den Anbau zusätzlich unattraktiv machen. Sollte Honduras nicht aus den Lektionen Kolumbiens lernen, sind die möglichen Folgen katastrophal. Die Versuche der Kolumbianer sind auch ein Zeichen für die Gangs in Honduras. Der Kokaanbau ist möglich. Honduras muss gegen diese Entwicklung einschreiten, sonst droht dem Land weiteres Ungemach. Der Staat hat eine der höchsten Mordraten der Welt, ganze Ortschaften werden von Gangs kontrolliert und die Politik hat ein markerschütterndes Korruptionsproblem. Drogenbanden, die einen weiteren profitablen Geschäftszweig für sich nutzen und mächtiger werden, werden diese Umstände für ihre Zwecke nutzen und die Probleme des kleinen Landes vergrößern, wie Kolumbien schon gezeigt hat.34

  1. Inisghtcrime:  Are Colombians Spreading the Coca Curse to Honduras?; Artikel vom 13.06.17 [] []
  2. Inisghtcrime: Are Colombians Spreading the Coca Curse to Honduras?; Artikel vom 13.06.17 []
  3. Inisghtcrime:  Are Colombians Spreading the Coca Curse to Honduras?; Artikel vom 13.06.17 []
  4. Insightcrime: Corruption Is the ‚Operating System‘ in Honduras: Report; Artikel vom 12.06.17 []

Über Florian / earthlink

Ich studiere den Masterstudiengang Politikwissenschaft an der RWTH in Aachen. Ich hoffe, dass ich mich durch mein Praktikum bei earthlink in meinen Ansichten zu diversen politischen Themen weiterentwickeln kann.

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