Tod von Manuel Noriega: Panama ist immer noch ein wichtiges Drehkreuz für Drogenhandel

Manuel Noriega in US-Hast

Bild des festgenommenen Noriega | Bild: © DEA [Public Domain] - Wikimedia

Am 29. Mai 2017 ist der ehemalige Diktator Panamas Manuel Noriega in einem Krankenhaus in Panama City gestorben. In seinem Heimatland stand er unter Hausarrest, nachdem er in den USA und in Frankreich inhaftiert worden war. Während seiner Regierungszeit machte er Panama zu einem sicheren Hafen für Drogenschmuggler. Er soll unter anderem mit Pablo Escobar kollaboriert haben. Unter seiner Herrschaft ist aus Panama auch ein sicherer Ort für Geldwäsche geworden. Bis heute ist das Land aufgrund seiner geographischen Lage eines der wichtigsten Länder für den Schmuggel von illegalen Substanzen. Noriega soll sich, für einen Anteil, gerne an diesem Geschäft beteiligt haben. Im Dezember 1989 hatten die USA nach zahllosen Problemen mit dem Diktator die Reißleine gezogen und sind in Panama einmarschiert. Rund 28.000 US-Soldaten waren an der Militäraktion beteiligt. Entscheidend für diesen Schritt war, dass die Vereinigten Staaten Noriega nicht mehr als verlässlichen Partner sahen und er aus Sicht Washingtons einen „Drogenstaat“ aus dem Land gemacht hatte.123

Noriega kam durch einen Putsch an die Macht. Weiten Teilen der US-Geheimdienste soll bekannt gewesen sein, dass er während seiner Herrschaft eng mit dem Medellín-Kartell zusammengearbeitet hat. Er soll maßgeblich daran beteiligt gewesen sein, dass es den Kolumbianern möglich war große Mengen an Geld zu waschen. Durch das strenge Bankengeheimnis in dem Land ist es möglich, dass Milliardenbeträge an US-Dollar dort sauber gewaschen werden.  Im Laufe der Zeit diente Panama den Drogenbossen auch als Versteck vor den heimischen Sicherheitsbehörden. So sollen sich nach dem Anschlag auf den kolumbianischen Justizminister Rodrigo Lara Bonilla 1984 mehrere Mitglieder des Kartells unter dem Schutz Noriegas in Panama versteckt haben. Ungefähr zu der Zeit soll das Kartell beschlossen haben, beim Drogenschmuggel mit Mexikanern zusammenzuarbeiten. Noriega soll nach Berichten ausgewählte Kriminelle unterstützt haben und andere hat er an die US-Antidrogenbehörde ausgeliefert. Erst Mitte der 80er Jahre, als in den USA eine Crack-Hysterie herrschte, wurde Noriegas Schicksal besiegelt und nahezu das gesamte amerikanische politische System wollte seinen Abgang.124

Eine im letzten Jahr veröffentlichte Landkarte mit eingezeichneten transnationalen Schmuggelrouten beweist, dass Panama immer noch das wichtigste Transitland zwischen dem Drogen produzierenden Südamerika und dem Drogen konsumierenden Nordamerika bildet. Der Bankensektor sorgte im letzten Jahr mit den Panama Papers für Aufsehen. Das Land ist schon seit geraumer Zeit für seine verschwiegenen Banken berüchtigt. Die Stadt Colón beheimatet eine zollfreie Zone. Hier wird traditionell alles mit dem Drogengeld gekauft: Zigaretten, elektronische Hilfsmittel zum Anbau von Substanzen. Es wird aber auch aus illegalen Drogengeldern sauberes Geld gemacht. Die Urabeños, eine der größten kolumbianischen kriminellen Gruppen, hat ihr Geschäft verändert. Neben ihren Prostitutionsnetzwerken und Drogenverkauf und –Schmuggel betreiben sie nun auch illegalen Bergbau und verkaufen ihr so gewonnenes Gold. Insightcrime spekuliert, dass die mexikanischen Kartelle, welche in der Vergangenheit von den Kolumbianern zum Schmuggeln engagiert wurden, schwächer werden. An ihre Stelle könnten Gangs und Gruppen aus Panama vorrücken. Die Verhaftung Noriegas hatte keine positiven Auswirkungen auf die tiefgreifende Korruption und das Drogenproblem in dem Land. Es gibt genug Hinweise, dass der Kokain-Boom aus Kolumbien auch im Transitland Panama Auswirkungen hat. Bis Dezember 2016 haben panamaische Sicherheitsbehörden über 62 Tonnen Kokain beschlagnahmt. Das war mehr als in jedem anderen Jahr seit 2000. Nach Angaben von US-Behörden wandern 90 Prozent des Kokains in den Vereinigten Staaten von Kolumbien aus durch Panama.256

  1. The Atlantic: The Death of Manuel Noriega—and U.S Intervention in Latin America; Artikel vom 30.05.17 [] []
  2. Insightcrime: How Panama’s Criminal Landscape Has Changed Since the Days of Narco-Dictator Noriega; Artikel vom 30.05.17 [] [] []
  3. Insightcrime: Costa Rica Officials Warn of Growing Maritime Drug Trade Amid Cocaine Surge; Artikel vom 16.05.17 []
  4. Consortiumnews: Unjust Aftermath: Post-Noriega Panama; Artikel vom 19.12.13 []
  5. Insightcrime: Costa Rica Officials Warn of Growing Maritime Drug Trade Amid Cocaine Surge; Artikel vom 16.05.17 []
  6. Insightcrime: Panama’s Record Drug Seizures Reflect Colombia’s Cocaine Boom; Artikel vom 16.12.16 []

Über Florian / earthlink

Ich studiere den Masterstudiengang Politikwissenschaft an der RWTH in Aachen. Ich hoffe, dass ich mich durch mein Praktikum bei earthlink in meinen Ansichten zu diversen politischen Themen weiterentwickeln kann.
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