Brasilien: Kampf gegen Drogenhandel fordert immer mehr Blutzoll

Kokain wird auf der ganzen Welt gehandelt.

Brasilien ist ein wichtiger Transitstaat für Kokain und hat einen der größten Konsummärkte weltweit. Bild: © The National Crime Agency [CC BY 2.0] - flickr

Einer der wichtigsten Drogenbosse Lateinamerikas wurde Anfang des Monats nach 30 Jahren endlich verhaftet. Luiz Carlos da Rocha, auch „White Head“ genannt, spielte eine bedeutende Rolle im nationalen aber auch internationalen Kokainhandel. Um unerkannt zu bleiben, unterzog er sich mehreren Gesichtsoperationen. Trotzdem konnte die brasilianische Polizei am 01.07.17 seine Verhaftung bekannt geben. Er lebte zunächst unbehelligt unter dem Namen Vitor Luiz Moraes. Später wurden Fotos von ihm mit alten Aufnahmen verglichen und es stellte sich heraus, dass es sich um dieselbe Person handelte. Obgleich er 30 Jahre auf der Flucht war, konnte er nebenher sein illegales Geschäft leiten. Sein Netzwerk bestand aus der Kokainproduktion im Urwald von Bolivien, Kolumbien und Peru und dem anschließenden Schmuggel. Das Transportsystem war kompliziert. Er ließ die Drogen mit kleinen Flugzeugen bei den Drogenlaboren abholen. Über Venezuela kamen sie in den Westen Brasiliens und von dort wurden sie in LKWs in die großen Städte des Landes oder zum weiteren Handel ins Ausland transportiert. Denn er machte nicht nur in Südamerika Geschäfte, sondern ließ seine Drogen auch nach Europa und in die USA liefern.12

Dies ermöglichte Brasiliens wichtige Rolle als Transitstaat für Drogen. Einige Faktoren begünstigen diese Funktion als Umschlagplatz: Brasilien ist das Land mit dem zweitgrößten Konsum weltweit. Außerdem ist die lange Grenze nur schlecht zu kontrollieren. So können alle möglichen illegalen Güter in das Land transportiert werden. Die immer wichtigere Rolle der brasilianischen Gangs im Kokainanbau in den Nachbarländern verstärkt den Schmuggel. Der Profit, den die Banden dann mit dem inländischen Handel machen, wird später verwendet, um das Kokain weltweit zu verschicken. 80 Prozent des Kokains, das nach Europa gelangt, wird über den Hafen der Stadt Santos versendet.34

Die Polizei gab bekannt, dass Luiz Carlos da Rocha auch einer der wichtigsten inländischen Drogenlieferanten war. Er ließ gewalttätige Drogendealer, die große Gebiete von Sao Paulo und Rio de Janeiro kontrollierten, beliefern. Aber auch seine gesamte Organisation war für ihre Brutalität bekannt, sie verfügten über bewaffnete Begleitpersonen, gepanzerte Autos und schwere Waffen. Luiz Da Rochas Wohlstand beläuft sich umgerechnet auf 88 Millionen Euro. Es ist kein Zufall, dass er gerade in Brasilien zu so viel Wohlstand kommen konnte. Der große Kokainmarkt ermöglichte es ihm, jeden Monat mehr als fünf Tonnen Kokain zu produzieren und nach Brasilien liefern zu lassen. Das machte ihn zum wichtigsten Drogenhändler des Landes. Ihn erwarten mehr als 50 Jahre Haft.12

Die Folgen des Kokainhandels für die Bevölkerung sind fatal. Immer wieder geraten Unschuldige zwischen die Fronten, von Polizei und Kriminellen, und werden dabei getötet. 2017 verloren in Rio de Janeiro im Kampf gegen die Drogenwirtschaft mehr als 70 Unschuldige ihr Leben und 634 wurden verletzt. Die Polizei nimmt bei ihren Einsätzen keine Rücksicht auf die Einwohner der Favelas. Erst Anfang Juli wurde eine 10-Jährige, nachdem Polizisten während einer Schießerei in ihr Haus eingedrungen waren, von einer Kugel am Kopf getroffen. Auch auf einem Schulhof wurde ein Kind durch die Polizei getötet. Es hat sich ein gefährlicher Strudel der Gewalt gebildet. Die Kriminellen greifen immer schneller zu den Waffen, dabei wurden in Rio de Janeiro schon 85 Polizeibeamte getötet. Die Polizei reagiert ihrerseits auf das brutale Vorgehen mit Gegengewalt. Im Kampf gegen den Drogenhandel scheint ein Menschenleben in Brasilien nicht mehr viel wert zu sein. Darunter leiden vor allem die unschuldigen Bewohner der Favelas.5

  1. DW: Police arrest Brazil’s cocaine kingpin Luiz Carlos da Rocha; Artikel vom 02.07.17 [] []
  2. BBC NEWS: Brazil arrests notorious drug kingpin Luiz Carlos da Rocha; Artikel vom 02.07.17 [] []
  3. InSight Crime: Brazil is Top Cocaine Transshipment Country for Europe, Africa; Asia; Artikel vom 24.06.16 []
  4. InSight Crime: Lucrative Cocaine Trade Fuels Gang Presence in Brazil’s Amazon; Artikel vom 13.01.17 []
  5. Der Tagesspiegel: Die Strategie der Befriedung der Favelas ist gescheitert; Artikel vom 07.07.17 []
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