Kolumbiens humane Drogenpolitik bereits nach wenigen Monaten gefährdet

Kolumbien Drogen

Kolumbianische Einsatzkräfte zerstören ein Kokainlabor. Bild: © Policía Nacional de los colombianos [CC BY-SA 2.0] - Flickr

Erst am 11. Mai wurde Kolumbiens neue Strategie zur Drogenbekämpfung durch Präsident Juan Manuel Santos eingeweiht. Im Zuge der Demilitarisierung der FARC wurde ein Plan entwickelt, der die Drogenproduktion in vormals kontrolliertem FARC-Gebiet beenden sollte. Das ambitionierte Konzept sieht, anders als es in der Vergangenheit der Fall war, eine enge Kooperation mit den lokalen Kokabauern vor. Jedem Kokabauer sollen legale Ausweichpflanzen, 7.800 US-Dollar und Grundstücke zur Verfügung gestellt werden. Zusätzlich dazu sollen Investitionen in die Infrastruktur und in öffentliche Dienstleistungen getätigt werden, um den Umstieg in die Legalität zu erleichtern. Der Plan hatte umgehenden Erfolg. Schon vor offiziellem Starttermin hatten sich 80.000 Familien für das Verfahren angemeldet und erwarten nun staatliche Hilfe und wirtschaftliche Perspektiven, damit sie dem Kokaanbau entsagen können.12

Doch schon zwei Monate nach Beginn können sich Kritiker bestätigt fühlen. Der Substitutionsplan droht bereits jetzt wie ein Kartenhaus in sich zusammenzufallen und lässt die Bürger (wieder einmal) an der Drogenpolitik der Regierung zweifeln. Das frustrierende daran ist, dass man nicht mit unvorhergesehenen Problemen zu kämpfen hat, sondern dass altbekannte Probleme zu Tage treten. Diese hätte man bereits im Vorfeld erahnen können.

Während das nationale Interesse in der Abrüstung und der Umsiedlung der FARC liegt, haben sich illegal bewaffnete Gruppierungen formiert, um die Kontrolle über die Koka-Produktion in den zuvor von der FARC dominierten Gegenden zu übernehmen. Sogenannte „Kriminellen Banden“ („Bandas Criminales“ oder „BACRIM“) wie die Urabeños, die sich aus FARC Dissidenten zusammensetzen, oder die ELN, die letzte verbliebene Guerilla-Organisation, agieren schnell, um das Gebiet zu übernehmen und ihren Drogenhandel und somit auch ihre Einnahmen auszubauen. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht, sodass sie in manchen Gebieten die örtlichen Bauern direkt daran hindern, dem Substitutionsprogramm beizutreten. In Guaviare beispielsweise haben FARC-Dissidenten Drohungen gegen die am Programm teilnehmenden Landwirte ausgesprochen. Außerdem wurde erst kürzlich ein Beamter der Vereinten Nationen entführt. Er wurde lediglich in die Region geschickt, damit er den Substitutionsplan offiziell einführen kann. Zudem gibt es nach wie vor eine unverändert hohe Präsenz von kriminellen Gruppen, die an der Drogenproduktion und dem Schmuggel weiterhin verdienen wollen.3

Ein weiterer kritischer Punkt ist die mangelnde Weitsicht der Regierung. Der Staat hat bis dato keinen Plan, wie man ausgestiegene Koka-Bauern langfristig vom illegalen Geschäft fernhält. Die Gefahr besteht nämlich darin, dass sich Landwirte andere lukrative, kriminelle Geschäftsfelder suchen. Viele Koka-Landwirte planen bereits in den illegalen Bergbau zu wechseln, da hier die Verdienstmöglichkeiten ähnlich hoch wie beim Drogenanbau liegen.

Das übergeordnete Problem ist somit der zu kurzfristig angelegte Plan. Weder die Anbaualternativen noch die zeitlich begrenzten Subventionszahlungen werden ausreichen, um die Landwirte von illegalen Aktivitäten fernzuhalten. Außerdem können die kolumbianischen Einsatzskräfte nicht für ihre Sicherheit garantieren, wenn sie dem illegalen Geschäft abschwören. Schon jetzt können sie bewaffnete Gruppierungen nicht am Einzug in die Gebiete hindern.

Koka-produzierende Gemeinden sind ärmer als der Rest des Landes und sind wenig institutionalisiert. Anreize zur Kokaproduktion werden für kleine Landwirte auch nach zwei Jahren nicht schwinden, und auch die kriminellen Banden werden sich nicht geschlagen geben und nach dieser Zeit verschwunden sein. So werden vor allem in abgelegenen, wirtschaftlich schwachen Regionen, wo die staatliche schwach, und dafür die organisiert, kriminelle Präsenz stark ist, die Farmer gezwungen sein, dem ambitionierten Programm dem Rücken zu kehren. Besonders dann, wenn Nachbarn, die sich dem Substitutionsplan angeschlossen haben, eine Todesdrohung erhalten.3

Zudem wirkt sich die Rolle der amerikanischen Politik negativ auf die Situation aus. US-Präsident Trump torpediert die neue, humanere Drogenpolitik Kolumbiens, indem er die Wiedereinführung des Besprühens aus der Luft fordert. Die Trump Administration will schnelle Erfolge, und das um jeden Preis, sodass die kolumbianische Regierung gefordert ist, ihren Plan schnellstmöglich umzusetzen. Der Schwerpunkt auf kurzfristige Erfolge gefährdet aber die langfristigen Ziele des Substitutionsplans. Umfassendere und nachhaltige Strategien wie die Entwicklung des ländlichen Raums sind so nicht zu erwarten.45

  1. Colombia Reports: Colombia kicks of radical new counter-narcotics strategy; Artikel vom 13.05.2017 []
  2. Colombia Reports: Farmers of almost 34% of Colombia´s coca agree to change crops; Artikel vom 10.05.2017 []
  3. InSightCrime: Colombia’s New Crop Substitution Plan Facing Old Obstacles; Artikel vom 13.07.2017 [] []
  4. InSightCrime: Colombia’s New Crop Substitution Plan Facing Old Obstacles; Artikel vom 13.07.2017 []
  5. Ideaspaz: ¿En qué va la sustitución de cultivos ilícitos?; Artikel vom 04.07.2017 []

Über Joseph / earthlink

Ich habe mein Bachelorstudium der Politikwissenschaft in München abgeschlossen. Um die Wartezeit auf den Masterstudiengang sinnvoll zu nutzen, helfe ich bei Earthlink mit. Ich hoffe, dass mir die Chance geboten wird, mich für eine gerechtere und friedlichere Welt einzusetzen.

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