Rio de Janeiro: Steigender Drogenhandel macht die Straßen unsicher

Proteste gegen die Gewalt in Rio de Janeiro

Die Bewohner der Favelas protestieren gegen die Gewalt in ihren Stadtteilen. Bild: © ONG Fase [CC BY-NC 2.0] - Flickr

Rio de Janeiro erlebt gerade eine schwierige Zeit. Nach Jahren des Friedens gibt es in der zweitgrößten Stadt Brasiliens seit Beginn der Wirtschaftkrise 2014 steigende Kriminalitätsraten. Die Arbeitslosenzahl stieg von vier Prozent in 2013 auf 13 Prozent in 2016 an. Die Menschen verzweifeln. Dazu kommt die ständige Bedrohung durch den Drogenkrieg. Mit der Krise kamen die Schmuggler wieder zurück in die Stadt. Täglich liefern sie sich Gefechte mit der Polizei oder mit rivalisierenden Banden. Derzeit ist es so unsicher auf den Straßen, wie seit Jahren nicht. Die Mordrate erhöhte sich um 11 Prozent im Vergleich zu den ersten fünf Monaten des Vorjahrs. Durch Schusswechsel mit der Polizei starben sogar doppel so viele Menschen – nämlich 480 – wie im Vorjahr. Besonders tragisch ist es, wenn bei Schusswechseln zwischen Polizei und Banden Unbeteiligte getroffen werden. Am 30. Juni wurden an gleich zwei verschiedenen Orten Zivilisten in den Drogenkrieg verwickelt. Bei einem Gefecht wurde eine im neunten Monat schwangere Frau am Bauch getroffen. Wie durch ein Wunder überlebte auch das ungebornene Kind, jedoch wird er nie Laufen lernen, denn es ist dadurch vom Hals an gelähmt zur Welt gekommen. Die beiden Frauen beim zweiten Schusswechsel hatten nicht so viel Glück. Beide starben durch verirrte Kugeln.12345

Besonders die Menschen in den sogenannten „favelas“ –  den Slums – leiden unter der Situation. Sie fordern ein Ende der Gewalt. Die meisten Schießereien sind in den ärmlicheren Gebieten der Stadt.  Dort kämpfen einzelne Drogenbanden um die Kontrolle der Stadtteile. Gewaltsame Polizeieinsätze – ob Patrouillen oder Razzien –  erledigen den Rest. Die Anwohner können sich bei Verlassen ihres Hauses nie sicher sein, ob sie es lebend zurückschaffen. Anfang des Monats protestierten wieder hunderte Bewohner gegen die Gewalt. Sie haben Angst. Mittlerweile haben das auch Hersteller von Apps festgestellt und entsprechend reagiert. Gleich drei Anwendungen von verschiedenen Entwicklern kamen auf den Markt. Sie zeigen den Bewohnern an, wo es aktuell in Rio eine Schießerei gibt, oder welche Gegenden zu meiden sind. Die App Cross Fire wurde von Amnesty International im Zuge der Olympischen Spiele 2016 in Rio zusammen mit Lokalen entwickelt. Eine weitere App – Onde Tem Tieoteio genannt – soll sogar von fast drei Millionen Menschen genutzt werden – also fast der Hälfte der Einwohner. CrimeRadar heißt die dritte App. Sie wurde vom Igarapé Institut in Zusammenarbeit mit Via Science und Mosaico entwickelt. Das Problem ist auch in den sozialen Netzwerken ein Thema. Auf den Plattformen Twitter und Instagram kann man die Benachrichtigungen der Apps empfangen.53674

Den Menschen in den favelas hilft das nur bedingt. Ihr Vertrauen in die Polizei ist nicht sehr groß. Laut einer Studie fürchten 45 Prozent von ihnen, die Polizei werde sie mit Mitgliedern der Gangs verwechseln. 75 Prozent glauben, die Polizei sei in reicheren Gegenden nicht so gewaltbereit. Die Festnahme von 95 Polizisten wegen Zusammenarbeit mit Drogenbanden Ende Juni ist auch nicht besonders hilfreich, um das fehlende Vertrauen wieder aufzubauen.53 Vielleicht können wirtschaftlicher Aufschwung und mehr Arbeitsplätze den Drogenhandel wieder aus den Slums der Stadt vertreiben. Bis dahin bleibt den Bewohnern nichts weiter, als zu versuchen, den Schießereien aus dem Weg zu gehen.

  1. InsightCrime: New App Aims to Improve Citizen Security in Rio de Janeiro, Brazil; Artikel vom 06.07.17 []
  2. The Guardian: Rio gang shootouts spawn apps to help bystanders dodge bullets; Artikel vom 05.07.17 []
  3. The Philadelphia Tribune: Rising violence takes huge psychological toll in Rio favelas; Artikel vom 04.07.17 [] [] []
  4. Reuters: Brazil apps track gunfire as Rio de Janeiro violence spikes; Artikel vom 04.07.17 [] []
  5. Newsweek: Violence in Brazil: Rio’s Favela Residents Are Tired of Their Neighbors Being Killed; Artikel vom 03.07.17 [] [] []
  6. Crime Radar: FAQ; Stand 07.07.17 []
  7. InsightCrime: New App Aims to Improve Citizen Security in Rio de Janeiro, Brazil; Artikel vom 06.07.17 []
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