Präsident Duterte unter Druck: 17-Jähriger wird von Polizisten brutal ermordet

Rodrigo Duterte Staatspräsident der Philippinen bei einem öffentlichen Auftritt. Bild: © Prachatai [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

Vor 13 Monaten wurde Rodrigo Duterte als Präsident der Philippinen vereidigt. Seitdem tobt dort ein blutiger „Krieg gegen die Drogen“. Drogenkriminelle sind öffentlich zum Abschuss freigegeben. Das hat zur Folge, dass bisher mehr als 7000 Menschen bei Polizeirazzien und durch Auftragskiller ermordet wurden.1

Letzten Samstag wurde der 17-jährige Kian Loyd Delos Santos  von der Polizei brutal getötet. Es ist der traurige Höhepunkt eines „Amoklaufs der Polizei“, der im Namen des Drogenkriegs stattfindet. Letzte Woche wurden innerhalb von nur 3 Tagen in der Provinz Bulacan und in der Hauptstadt Manila mehr als 80 Menschen getötet.

Kian wurde am Samstag von vier Polizisten im Zuge einer Drogenrazzia umgebracht. Sie behaupteten, der Junge sei bewaffnet gewesen und habe auf sie geschossen. Doch Zeugenaussagen, Überwachungsvideos und die Obduktion des Jugendlichen zeigen einen ganz anderen Tathergang. Die Polizisten sollen ihr Opfer erst verprügelt haben. Danach drückten sie dem Jungen, der selbst einmal Polizist werden wollte, eine Waffe in die Hand und forderten ihn auf, um sein Leben zu laufen. Kian wurde wenig später mit insgesamt drei Kugeln aus den Waffen der Polizisten getötet. Nach zwei Schüssen lag der 17-jährige bereits wehrlos auf dem Boden. „Tama no po! Tama no po! May test pa ako bukas“ schrie der Junge, bevor er ermordet wurde. Es bedeutet so viel wie: „ Ich muss morgen zur Schule, wir schreiben doch einen Test“.23

Diese Brutalität, die nun auch gegen Kinder angewandt wird, bleibt nicht ohne Folgen. Zum ersten Mal ging ein regelrechter Aufschrei durch die Bevölkerung. Hunderte Demonstranten zogen an den Tatort, an dem der 17-jährige erschossen wurde. Vertreter der katholischen Kirche, der der überwiegende Großteil der Philippiner angehören, wollen in den kommenden Monaten jeweils um Mitternacht die Glocken ihrer Kirchen läuten lassen, um an die Verbrechen zu erinnern. Obwohl Dutertes „Drogenkrieg“ von einer beispiellosen Brutalität geprägt ist, ist der Präsident sehr populär auf den Philippinen. Seine Zustimmungswerte liegen bei etwa 83 Prozent. Doch der Mord an einem Kind könnte einen Wendepunkt in der Wahrnehmung des Anti-Drogen-Krieges innerhalb der Bevölkerung  markieren. Dem Children’s Legal Rights and Development Center zufolge sind schon mindestens 40 Kinder und Jugendliche bei Polizeieinsätzen in diesem Krieg getötet worden. Bislang  wurden sie jedoch nur als Kollateralschäden angesehen. Verantworten muss sich dafür niemand.45

Auf den Präsidenten und seinen Polizeichef Ronald de la Rosa übt der Mord an Kian, der durch das Überwachungsvideo in den sozialen Medien eine enorme Aufmerksamkeit weckte, plötzlich Druck aus. Duterte selbst bezeichnete minderjährige und unschuldige Todesopfer noch vor wenigen Monaten als Kollateralschäden, die in Kauf zu nehmen sind, doch nun ruderte er zurück. Er räumte Verfehlungen ein und versprach, die Polizisten zur Rechenschaft zu ziehen. Auch einige Minister im Kabinett des Präsidenten verurteilten die Tötung des 17-jährigen durch die Sicherheitskräfte und der Senat in Manila soll sich ab Donnerstag  mit dem Fall befassen.6

Doch eine Untersuchung der Todesumstände des jungen Kian und eine Verurteilung der Täter sind laut Menschenrechtsaktivisten, die die Geschehnisse im Land schon seit längerem verfolgen, nicht sehr wahrscheinlich. Viele bezweifeln, dass es überhaupt zu einem Prozess gegen die Polizisten, die den Jugendlichen erschossen haben, kommt. Der Staatschef hatte in der Vergangenheit “seine” Polizisten vor jeglicher Strafverfolgung geschützt. Beispielsweise wurden 19 Polizisten, die einen wegen Drogenmissbrauchs Verdächtigten in seiner Zelle kaltblütig ermordeten, nicht nur aus dem Gefängnis entlassen, sie konnten auch ihre Arbeit als Polizisten wieder antreten. Zu hoffen bleibt, dass bei vielen Philippinern nach diesem tragischen Tod ein Umdenken stattfindet und der Anti-Drogen-Kampf des Präsidenten weniger Anhänger findet.4

  1. Spiegel Online: Kian, 17 Jahre alt. Von hinten erschossen; Artikel vom 23.08.17 []
  2. Philippinen Magazin:Die letzten Worte von Kian Loyd Delos Santos; Artikel vom 22.08.17 []
  3. Philippinen Magazin: Duterte unter Druck- Ein toter zu viel; 19.08.17 []
  4. Spiegel Online: Kian, 17 Jahre alt. Von hinten erschossen; Artikel vom 23.08.17 [] []
  5. The Guardian:’Please stop!‘ Brutal killing of a student in Philippines drug war sparks nationwide anger; 23.08.2017 []
  6. HNA: US-Botschafter in philippinen verurteilt Tötung eines 17-Jährigen; 22.08.17 []

Über Katharina / earthlink

Zurzeit studiere ich Politikwissenschaft an der LMU in München. Um meine freie Zeit in den Semesterferien sinnvoll zu nutzen, engagiere ich mich bei earthlink für eine gerechtere und nachhaltigere Welt.
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