Iran: Drogenhändler missbrauchen Tauben als Drogenkuriere

Brieftauben werden immer wieder zum Drogenschmuggel eingesetzt. Bild: © blackpictures [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Die iranische Polizei hat letzte Woche rund hundert Tauben beschlagnahmt, die offenbar als Drogenkuriere missbraucht wurden. Die Vögel wurden bei einer Antidrogenoperation in der westiranischen Provinz Kermanschah entdeckt. Anscheinend wurde den Tieren ein kleiner blauer Plastikbeutel an die Klaue gebunden, in dem sich die illegalen Drogen befanden. Nicht zum ersten Mal benutzen Drogenhändler Vögel, die in früheren Zeiten als Postboten oder Kuriere eingesetzt wurden, auch für ihre kriminellen Zwecke. Ähnliche Fälle gab es bereits in Kuwait und Kolumbien. Im Iran allerdings, in dem die Zucht der Vögel und Taubenrennen eine lange Tradition haben, ist die Taube als Drogenkurier ein relativ neues Phänomen.1

Der Iran hat eine 900 Kilometer lange Grenze zu Afghanistan und ist somit aufgrund seiner geographischen Lage das wichtigste Transitland für den Opium-und Heroinhandel. Im sogenannten „Goldenen Halbmond“, der aus den Ländern Afghanistan, dem Iran und Pakistan besteht, hat der Anbau von Mohn für die Herstellung von Opium eine lange Tradition. Die Anzahl der Drogenabhängigen im Iran ist heute extrem hoch. Von etwa 80 Millionen Iranern sind schätzungsweise drei Millionen Menschen abhängig. Die seit Jahrzehnten konsumierten Drogen Opium und Heroin wurden in letzter Zeit dabei immer mehr um Crystal Meth erweitert. Meth wird dabei nicht importiert, sondern im Inland in iranischen Drogenküchen hergestellt. Das Ausmaß des heutigen Drogenkonsums geht auch auf den Irak-Iran-Krieg zurück. Um Schmerzen von Kriegsverletzungen zu lindern und Traumata zu bewältigen, griffen viele ehemalige Soldaten zu Opiaten. Durch dies wurden die Drogen schließlich innerhalb der Gesellschaft verbreitet. Heute hat der Drogenkonsum allerdings auch eine soziale Dimension und betrifft zum großen Teil perspektivlose Jugendliche, die unter anderem von westlichen Verhaltensmustern beeinflusst werden.2

Drogenhandel und Drogenkonsum werden im Iran sehr hart bestraft. Auch die Todesstrafe wird immer häufiger im Zusammenhang mit Drogendelikten ausgesprochen. In diesem Jahr wurden bereits 239 Todesstrafen im Iran vollzogen. 129 davon wurden aufgrund von Drogendelikten verhängt. Es gibt 17 Drogendelikte im iranischen Betäubungsmittelgesetz, die mit dem Tod bestraft werden können, schon der Besitz fällt darunter. Unter bestimmten Bedingungen reichen fünf Kilogramm Opium oder 30 Gramm Heroin. Doch hier gibt es auch eine positive Entwicklung, denn die Menge an Drogen, die für eine Verurteilung zum Tode notwendig ist, soll erheblich erhöht werden. Nun soll die zur Todessstrafe führende Menge an Opium 50 Kilogramm betragen und bei Heroin, Morphin, Kokain oder anderen chemischen Suchtmitteln soll der Wert auf 2 Kilogramm steigen. Somit näherte sich der Iran Mitte August einer Aufhebung von schon verhängten Todesurteilen an, die im Zusammenhang mit Drogenvergehen gefällt wurden. Wenn die Aufhebung der Strafen wirklich in Kraft tritt, dann würde das Leben von über 5000 Häftlingen, die sich im Moment im Todestrakt befinden, gerettet werden.3

Es existieren darüber hinaus keinerlei Beweise, dass die Todesstrafe eine abschreckende Wirkung auf den Drogenhandel oder den Konsum von Rauschmitteln hat. 2015 gab der Stellvertreter des iranischen Zentrums für strategische Forschung sogar zu, dass die Todesstrafe nicht zu einem Rückgang des Drogenhandels geführt habe. Das einzige was durch Todesurteile erreicht wird, ist ein Klima der Angst. Eine effektive Methode im Kampf gegen die Drogen stellt sie allerdings nicht dar.4

  1. The Guardian: Iranian police seize carrier pigeons used to smuggle drugs; Artikel vom 29.08.17 []
  2. Deutschlandfunk: Süchtig in Teheran-unterwegs mit der Drogenhilfe; Artikel vom 16.06.16 []
  3. Humanrights.ch: Länderinformation: Menschenrechte in Iran; Stand vom 03.08.16 []
  4. Amnesty International: Hinrichtungsserie im Iran: Fast 700 Todesurteile vollstreckt; Artikel vom 24.07.15 []

Über Katharina / earthlink

Zurzeit studiere ich Politikwissenschaft an der LMU in München. Um meine freie Zeit in den Semesterferien sinnvoll zu nutzen, engagiere ich mich bei earthlink für eine gerechtere und nachhaltigere Welt.
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