DEA Mission in Honduras führte zu Tod von Zivilisten

US Militär Helikopter

Bild: © USASOC News Service [CC BY 2.0] - Flickr

Der 11.Mai 2012, in Ahuas, an der Mosquito-Küste im Osten von Honduras. Ein Propellerflugzeug landet am Stadtrand, Menschen laden Pakete aus und bringen sie zu einem Truck in der Nähe. Sie sind Drogenschmuggler. Bei der Ladung handelt es sich um 400 Kilogramm Kokain. Der Truck fährt zu einer Anlegestelle am Río Patuca, die Drogen werden auf ein Motorboot geschafft. Doch die Schmuggler sind nicht allein. Eine Anti-Drogen Einheit, bestehend aus honduranischen Polizisten und Soldaten und Agenten der US- amerikanischen DEA, ist ihnen schon länger auf den Fersen. Sie führen zusammen die Operation Anvil durch, um Drogenlieferungen auf dem Weg nach Norden abzufangen.

Am Himmel erscheinen vier Helikopter der Anti-Drogen Einheit. Chaos bricht aus, die Schmuggler stoßen das Motorboot in den Fluss und fliehen in den Dschungel. Drei Agenten, einer von der DEA und zwei Honduraner, folgen dem Boot und schaffen es, an Bord zu steigen. Da erscheint auf dem Fluss ein zweites Boot, das direkt auf die Agenten zusteuert. Weitere Schmuggler, die die Lieferung aufnehmen wollen. Vom anderen Boot wird geschossen, die Agenten erwidern das Feuer und töten vier Schmuggler.1

So lautet die offizielle Version der DEA über das, was sich in dieser Nacht abspielte. Doch der tatsächliche Tathergang war ein anderer: Bei dem Boot, das auf die Agenten zusteuerte, handelte es sich um ein Wassertaxi voller unbewaffneter Passagiere, das schon seit sechs Stunden flussaufwärts nach Ahuas unterwegs war. Es waren die Agenten auf dem Motorboot, die das Feuer eröffneten. Als die Menschen auf dem Wassertaxi flohen und ins Wasser sprangen, wurde zusätzlich noch von einem Hubschrauber aus auf sie geschossen. Sie hatten keine Chance. Vier Zivilisten starben – ein Mann, zwei Frauen und ein vierzehnjähriger Junge -, drei wurden verletzt.12

Seit nun fünf Jahren weist die DEA alle Schuld von sich und der Anti-Drogen Einheit und beharrt auf ihrer Version. Die Agenten hätten bloß aus Selbstverteidigung heraus gehandelt, weil auf sie geschossen worden sei. Als Beweis führt die DEA ein Video an, das den Vorfall zeigt, aufgenommen von einem Überwachungsflugzeug, das die Mission unterstützte. Dieses zeige klar einen Schusswechsel zwischen den beiden Booten. Das Video wurde lange streng unter Verschluss gehalten. Doch jetzt wurde es aufgrund des Freedom of Information Act (FOIA) für jedermann sichtbar veröffentlicht. Der FOIA ist ein Gesetz zur Informationsfreiheit, das jedem das Recht einräumt, Zugang zu staatlichen Dokumenten zu verlangen.13

Bruce Koenig, ein forensischer Experte, wertete das Video aus. Laut ihm sieht man darin mehrmals Licht, das aufblitzt, als die Agenten auf dem Motorboot ihre Waffen abfeuern. Vom Wassertaxi wird nicht zurückgeschossen, weil von diesem keine Lichtblitze ausgehen. Außer einem, der allerdings von einer Kugel stammt, die im Motor des Wassertaxis einschlägt.

Die DEA tat sich schwer damit, glaubhafte Beweise für ihre Version der Geschichte zu finden. Auf dem Wassertaxi konnten keine Waffen gefunden werden. Weder das Motorboot, noch einer der Hubschrauber wiesen Einschusslöcher auf. Keiner der Agenten hatte eine Schussverletzung. Die DEA gab an, die Honduraner hätten die Mission geleitet. Doch auch daran gibt es große Zweifel. Bereits vor einigen Monaten erschien ein Bericht des US-Außen- und Justizministeriums, der der DEA-Version die Glaubwürdigkeit abspricht. Die Honduraner seien nicht besonders gut ausgebildet gewesen, die DEA-Agenten hätten die Kontrolle über die Mission behalten und die kritischen Entscheidungen getroffen. Als vom Hubschrauber aus geschossen wurde, hielt zwar ein Honduraner das Maschinengewehr in der Hand, allerdings nachdem er von einem Amerikaner den Befehl dazu bekommen hatte. Der Bericht fand keinen Beweis dafür, dass auf die Agenten tatsächlich geschossen wurde.12

Dieser Vorfall wirft bei den Amerikanern Fragen auf. Ist das Vorgehen verschiedener US-Behörden im Kampf gegen Drogen wie in Honduras der Standard? Wie sinnvoll und effektiv ist die militärische und repressive Lösung der USA? Die Mission in Honduras fand im Rahmen des FAST Programms statt, mit dem die DEA Anti-Drogen Einheiten in anderen Ländern militärisch ausbildete und unterstützte. FAST wurde mittlerweile aufgelöst. Es lässt sich bislang kaum nachweisen, dass das militärische Vorgehen der USA im „war on drugs“ die Einfuhr von Drogen in die USA erheblich verhindert hat. Was klar ist, ist, dass es aber zur weiteren Militarisierung des Konflikts, zu Menschenrechtsverletzungen und zu Tragödien geführt hat.4

Die DEA sollte den Vorfall vollends aufklären und aufhören, ihn zu leugnen wie bisher. Sie sollte die Familien der Getöteten unterstützen und Maßnahmen ergreifen, um so etwas in Zukunft zu verhindern. Vor allem aber sollten solche Fälle in den USA endlich einen Diskurs darüber anstoßen, wie sinnvoll das Vorgehen des Landes im „war on drugs“ ist. Ob das mit Donald Trump als Präsidenten, der von der Sinnhaftigkeit eines repressiven Vorgehens überzeugt ist, allerdings wirklich möglich ist, ist eine andere Frage.

  1. ProPublica: The DEA Says It Came Under Fire During a Deadly Drug Raid. Its Own Video Suggests Otherwise; Artikel vom 23.10.17 [] [] [] []
  2. The New York Times: The Deadly Results of a D.E.A.-Backed Raid in Honduras; Artikel vom 02.07.17 [] []
  3. foia.gov: What is FOIA?; Stand 24.10.17 []
  4. The New York Times: D.E.A. Misled Overseers on Deadly Honduras Operations, Watchdogs Say; Artikel vom 24.05.17 []

Über David / earthlink

Ich bin David und habe dieses Jahr mein Abi gemacht. Als Bundesfreiwilliger möchte ich mich jetzt für die nächsten Monate bei earthlink engagieren und mehr über entwicklungspolitische Themen erfahren.

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