In China wird das schmutzige Drogengeld der mexikanischen Kartelle sauber

Geldwäsche

Bild: © Judy Robinson-Cox [CC BY-ND 2.0] - Flickr

Am 20.Oktober gab der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos bekannt, dass seinem Land die „größte Beschlagnahmung von Vermögenswerten in der kolumbianischen Geschichte“ gelungen sei. Im Rahmen der Operation „Hong Kong“ wurden in Bogotá 20 Gebäude, 20 Firmen und 11 Geschäfte im Wert von 87 Millionen Dollar beschlagnahmt. Außerdem konnte Schmuggelware im Wert von 1,6 Millionen Dollar sichergestellt werden. Wie jetzt bekannt wurde, kann diese Schmuggelware mit dem Sinaloa-Kartell in Verbindung gebracht werden. Auffällig war, dass 17 der 20 beschlagnahmten Firmen auf die Namen von chinesischen Staatsbürgern registriert sind. Die kolumbianischen Behörden sind einem Netzwerk auf die Spur gekommen, das exemplarisch aufzeigt, wie mexikanische Kartelle in China ihr schmutziges Drogengeld waschen.12

Mexikanische Kartelle nutzen schon seit geraumer Zeit ein Schmuggeldreieck zwischen Lateinamerika, China und Los Angeles. Dabei bedienen sie sich des trade-based money laundering (TBML), sozusagen Geldwäsche durch Handel. Diese Art der Geldwäsche ist sehr raffiniert und gleichzeitig für die Behörden nur schwer zu entdecken. Schmutziges Geld wird in legale Geschäfte investiert, um legalen Profit zu erzielen. Die mexikanischen Kartelle benutzen Geld aus Drogenverkäufen, um chinesische Waren zu kaufen, die anschließend in Lateinamerika, z.B. in Kolumbien, verkauft werden. Beim TBML wird an irgendeinem Punkt die Qualität, Quantität, Herkunft oder der Preis der Ware verfälscht, um den größtmöglichen legalen Gewinn zu erzielen.34

Das Netzwerk, dem die kolumbianischen Behörden auf die Spur kamen, hatte kolumbianische Verbindungsmänner in chinesischen Großstädten, die mit schmutzigem Drogengeld chinesische Waren aufkauften, vor allem Textilien und Schuhe. Diese Waren wurden in für den Export bestimmte Container geschafft und nach Kolumbien verschifft. Dort wurden sie dann falsch deklariert, der eigentliche Warenwert wurde verfälscht, indem er halbiert wurde. Auf den Straßen der kolumbianischen Städte wurden die Textilien und Schuhe aber für ein Vielfaches des eigentlichen Werts verkauft. Im letzten Jahr wurden in Kolumbien 14 Millionen Paar Schuhe, deren Wert auf dem Papier bei maximal 2 Dollar lag, auf Märkten in Bogotá für mehr als 33 Dollar verkauft.2

Mit manchen Ländern hat Kolumbien ein Freihandelsabkommen, darunter sind auch die USA. Auch das machen sich die Drogenkartelle zunutze. Sie bringen die Ware einfach von China nach Los Angeles und tun so, als sei sie in den USA hergestellt worden. Sie brauchen nur das „made in China“ in „made in the US“ zu ändern und schon können sie dem kolumbianischen Importzoll entgehen. In Kolumbien wird die Ware dann wieder mit satten Gewinnen verkauft, aus schmutzigem Geld wird sauberes. „Das Epizentrum für eine Menge der Geldwäsche der mexikanischen Kartelle ist Los Angeles“, berichtet ein ehemaliger hochrangiger DEA-Mitarbeiter.5

In den letzten Jahren konnten kolumbianische Behörden 34 Netzwerke enttarnen, die mit chinesischer Ware ihr Geld gewaschen hatten. Chinesische Staatsbürger werden in Kolumbien oft als Strohmänner eingesetzt. Der Trend, dass die Kartelle ihr Drogengeld in chinesische Ware investieren, ist nicht neu. Vor einiger Zeit wurde bereits ein Geldwäschenetzwerk enttarnt, das über 5 Millionen Dollar für Drogenkartelle gewaschen hatte. Dabei wurden 3 Kolumbianer in chinesischen Großstädten festgenommen. Sie hatten das Drogengeld auf Bankkonten in Hong Kong angelegt und damit chinesische Ware gekauft, die in Lateinamerika verkauft wurde. Dieses Vorgehen scheint mittlerweile System zu haben.2

Bei kolumbianischen und US-Behörden erregt diese Art der Geldwäsche zunehmend Besorgnis. Der globale Handel erreichte 2015 einen Wert von 16,4 Trillionen Dollar, da fällt es den Kartellen leicht, durch TBML ihre Geschäfte zu verschleiern. Schmutziges Geld wird sauber und wandert von illegalen Geschäften zu legalen – oft nur schwer nachzuverfolgen. China ist ein Hotspot für Geldwäsche. Laut dem früheren Undercover Agenten Robert Mazur liegt das vor allem daran, dass es in China viele Freihandelszonen gibt und dass es dort viel gefälschte Ware zu kaufen gibt. Diese kann dann in Lateinamerika viel teurer verkauft werden, als sie eigentlich wert ist.6

Das gewaschene Geld bleibt oft jedoch nicht besonders lange sauber und gelangt schnell wieder in den Drogenkreislauf. Die Kartelle nutzen die legalen Gewinne, um damit Kokain aus Kolumbien kaufen zu können.7

  1. InSight Crime: Sinaloa Cartel Drug Money Behind Colombia’s Biggest-Ever Contraband Sting; Artikel vom 26.10.17 []
  2. Colombia Reports: Colombia shuts down Chinese money laundering network linked to Sinaloa cartel; Artikel vom 24.10.17 [] [] []
  3. Business Insider: The Sinaloa cartel reportedly laundered drug money with clothing and footwear; Artikel vom 02.08.16 []
  4. acams.org: Trade-Based Money Laundering; Stand 30.10.17 []
  5. Business Insider: The Sinaloa cartel reportedly laundered drug money with clothing and footwear; Artikel vom 02.08.16 []
  6. Business Insider: The Sinaloa cartel reportedly laundered drug money with clothing and footwear; Artikel vom 02.08.17 []
  7. InSight Crime: Sinaloa Cartel Drug Money Behind Colombia’s Biggest-Ever Contraband Sting; Artikel vom 26.10.17 []

Über David / earthlink

Ich bin David und habe dieses Jahr mein Abi gemacht. Als Bundesfreiwilliger möchte ich mich jetzt für die nächsten Monate bei earthlink engagieren und mehr über entwicklungspolitische Themen erfahren.

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