Korruption in Lateinamerika und der Karibik auf dem Vormarsch

Korruption

Bild: © Kiwiew [CC0 1.0] - Wikimedia Commons

Die Korruption in Lateinamerika und der Karibik ist in den letzten 12 Monaten in den Augen der Bewohner gestiegen. So lässt sich der kürzlich von Transparency International veröffentlichte Report „People and Corruption: Latin America and the Caribbean“ zusammenfassen. Mehr als 22.000 Menschen in 20 Ländern wurden dabei befragt. Trotz der Anti-Korruptionskampagnen vieler Regierungen steigt die Korruption weiter an, während das Vertrauen in die Behörden sinkt, fand der Report heraus. Transparency International spricht von einem besorgniserregenden Trend in der Region, der geschwächte staatliche Strukturen und Menschenrechtsverletzungen einschließt.

Insgesamt gaben fast zwei Drittel der Befragten an, dass die Korruption in ihrem jeweiligen Land in den letzten zwölf Monaten gestiegen sei. In Brasilien, Peru, Chile und besonders Venezuela sahen sich zwischen 75 und 87 Prozent der Menschen mit zunehmender Korruption konfrontiert. Am niedrigsten ist der Anteil in Guatemala und Argentinien, wo trotzdem noch etwa  40 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass die Korruption zugenommen hat.

Dabei sind die Polizei und die Politik die korruptesten Institutionen, gefolgt von der Justiz. 47 Prozent der Befragten sind der Meinung, die meisten oder alle Polizisten und Politiker seien bestechlich. Besonders viele Venezolaner (73 Prozent) sehen die Polizei als durch und durch korrupte Institution, bei den Paraguayern (69 Prozent) kommen Regierungsvertreter besonders schlecht weg. An solchen Zahlen kann man das fehlende Vertrauen der Bewohner in die Behörden deutlich erkennen.

Außerdem waren mehr als die Hälfte der Befragten mit der Anti-Korruptionsarbeit ihrer Regierung nicht zufrieden. Insgesamt sagten 53 Prozent, ihre jeweilige Regierung würde es nicht in einem ausreichenden Maße schaffen, sich der Korruption anzunehmen. In Peru und Venezuela waren sogar 70 Prozent dieser Meinung, im Gegensatz zu nur 25 Prozent in Guatemala.

Jeder dritte Befragte musste in den letzten zwölf Monaten Bestechungsgeld zahlen, um öffentliche und staatliche Leistungen in Anspruch nehmen zu können. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung Lateinamerikas bedeutet das, dass 90 Millionen Menschen hierfür Schmiergeld gezahlt haben. Am meisten verbreitet ist die Bestechung für solche Leistungen in Mexiko und der Dominikanischen Republik. Jeder fünfte Befragte, der mit Schulen und Krankenhäusern in Kontakt kam, musste Schmiergeld zahlen, beispielsweise an Lehrer, oder um an Medikamente heranzukommen.

Sieben von zehn der befragten Menschen sind dem Report zufolge bereit, aktiv gegen Korruption zu kämpfen. Das Melden von Korruptionsfällen an die Behörden scheint in der Bevölkerung größtenteils akzeptiert zu sein. Dennoch meldeten nur neun Prozent der befragten Schmiergeldzahler der Polizei, wenn sie mit Korruption zu tun hatten. Vermutlich ist dieser Anteil auch so gering, weil von diesen neun Prozent fast ein Drittel abgewiesen wurde oder anschließend mit Konsequenzen zu rechnen hatte.

Der Report zeigt auf, dass Ecuador, Guatemala und Uruguay bei den befragten Einwohnern jeweils am besten dastehen, wenn es auch in diesen Ländern noch viel Raum zur Verbesserung gibt. Venezuela, Brasilien, die Dominikanische Republik, Mexiko, Peru und Kolumbien kommen bei den befragten Einwohnern am schlechtesten weg.

„Die Menschen in Lateinamerika und der Karibik werden von ihren Regierungen und dem privaten Sektor im Stich gelassen“, so der Vorsitzende von Transparency International, José Ugaz. „Dieser Bericht zeigt, dass die Forderungen der Bürger nach Verantwortung und Transparenz von ihren gewählten Vertretern nicht erfüllt werden. Die Regierungen müssen mehr tun, um Korruption auf allen Ebenen auszulöschen.“

Die NGO empfiehlt den Regierungen im Kampf gegen Korruption spezielle Maßnahmen zu ergreifen. Sie sollten ihr Augenmerk auf die Korruption im öffentlichen Sektor und bei der Polizei richten und dort „aufräumen“. Außerdem fordert die Organisation eine stärkere Einbindung der Zivilbevölkerung, eine starke Justiz und Schutz für Whistleblower.12

Gerade im Kampf gegen den Drogenhandel stellt das konsequente Vorgehen gegen Korruption in Lateinamerika und der Karibik eine Voraussetzung dar, um erfolgreich zu sein. Einerseits natürlich, weil in der Vergangenheit viele Fälle bekannt wurden, die die Verwicklung zwischen der organisierten Drogenkriminalität und der Polizei sowie der Politik in vielen Ländern exemplarisch aufzeigen. Andererseits aber auch, damit die Bürger das Vertrauen in die Behörden zurückgewinnen können. Denn nur wenn auch die Korruption bekämpft wird, können im Kampf gegen die Drogenkriminalität dauerhafte Erfolge erzielt werden.

  1. Transparency International: People and Corruption: Latin America and the Caribbean; veröffentlicht am 09.10.17 []
  2. transparency.org: Corruption on the rise in Latin America and the caribbean; Artikel vom 09.10.17 []

Über David / earthlink

Ich bin David und habe dieses Jahr mein Abi gemacht. Als Bundesfreiwilliger möchte ich mich jetzt für die nächsten Monate bei earthlink engagieren und mehr über entwicklungspolitische Themen erfahren.

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