Brasilianische Gangs expandieren nach Peru

Kokafeld Peru

Ein peruanisches Kokafeld. Bild: © Master Bob [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

In Brasilien konnte einer der meistgesuchten peruanischen Drogenhändler gefasst werden, der zuvor ein Jahrzehnt lang auf der Flucht war. Seine Festnahme veranschaulicht die Entwicklung der peruanischen Kokaanbaustätten und deutet auf künftige Veränderungen des transnationalen Kokainhandels in Südamerika hin.1

Bereits im September konnte Adrían Velarde Huamaní, alias „Chato Adrán“, in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia verhaftet werden. Zehn Jahre zuvor war er im Rahmen einer großen Razzia in der Region Ayacucho erstmals auf dem Radar der peruanischen Behörden aufgetaucht. Jedoch konnte er damals nicht gestellt werden, weil er von der lokalen Bevölkerung gedeckt wurde. Nach weiteren Razzien zog Velarde schließlich auch die Aufmerksamkeit der US-amerikanischen DEA auf sich. Er war wohl einer der größten und mächtigsten Drogenbosse Perus. Mit seinem Netzwerk soll der „capo“ monatlich mit mindestens 300 Kilogramm Kokapaste Handel betrieben haben.1

2015 flohen Velarde und seine Mitstreiter nach Bolivien, von wo aus sie ihr Netzwerk weiterhin leiteten und ihre Geschäfte weiterführten. Warum er sich zu dem Zeitpunkt seiner Festnahme in Brasilien aufhielt, ist unklar.2

Velardes Aufstieg korrelierte mit der starken Zunahme der Kokaanbauflächen in Peru, was dazu führte, das das Land Kolumbien zeitweilig als größten Kokaproduzenten der Welt ablöste. Er und sein Netzwerk waren wohl vor allem im sogenannten VRAEM-Gebiet aktiv, dem Quellgebiet der Flüsse Apurímac, Ene und Mantaro. Es ist der Hotspot der peruanischen Kokaproduktion, dort befindet sich etwa die Hälfte der Anbauflächen.23

Auch Velarde folgte mit seinem Netzwerk dem Standardschema und schmuggelte die aus den Kokasträuchern gewonnene Kokapaste nach Bolivien. Dort wird sie in Drogenlaboren zu Kokain weiterverarbeitet, damit anschließend die großen Drogenmärkte wie Europa oder die USA beliefert werden können. Interessanterweise nutzte er jedoch nicht die Luftbrücke zwischen den beiden Ländern, die ein Grundstein des peruanischen Kokahandels ist. Denn etwa die Hälfte der peruanischen Jahresproduktion an Koka wird mit Flugzeugen nach Bolivien geschmuggelt.14

Unklar ist auch, ob Velarde lediglich ein Lieferant für brasilianische Drogengangs war, oder ob sein Netzwerk so groß war, dass Brasilien als Transitstaat diente und sein Kokain für den europäischen Markt bestimmt war. Denkbar erscheint beides. Brasilien ist der größte Drogenmarkt in Lateinamerika. Der Wert von einem Kilogramm Kokapaste, der in Peru etwa 1000 Dollar beträgt, hat sich dort bereits verzehnfacht. Andererseits wäre der Profit in Europa ungleich größer gewesen, wo das Kilogramm Kokapaste etwa 50.000 Dollar wert ist.25

Velardes Festnahme verdeutlicht die Veränderungen, die der Kokahandel in Peru unterläuft. Neben dem „capo“ konnten in dem Land in letzter Zeit auch andere mächtige Drogenhändler gefasst werden. Außerdem sinkt das Ausmaß der peruanischen Kokaanbauflächen kontinuierlich. 2015 erreichte es laut Angaben der Vereinten Nationen den niedrigsten Wert seit 15 Jahren. Die Kontrolle über das Koka scheint sich zu verlagern, teilweise zugunsten ausländischer Drogennetzwerke. Aus einem brasilianischen Geheimdienstbericht geht hervor, dass die PCC, eine der mächtigsten brasilianischen Gangs, ihre Präsenz in Peru ausweitet. Die peruanischen Behörden warnen deshalb vor der Expansion der PCC und neuen Schmuggelrouten in der Amazonasregion an der Grenze zu Brasilien.13

Dem Geheimdienstbericht zufolge ist der Fluss die Hauptroute für peruanisches Kokain auf dem Weg nach Brasilien. Neben der PCC sind wohl auch die FDN und das Comando Vermelho in der Region aktiv. Der Kokainhandel zwischen Peru und Brasilien hat einen jährlichen Wert von schätzungsweise 4,5 Milliarden Dollar. Das macht das Land für die brasilianischen Gangs so interessant.67

Indem sie expandieren und in den Anbauländern selbst die Kontrolle übernehmen, sind die Gangs nicht mehr auf Mittelsmänner und Lieferanten angewiesen, wie Velarde vielleicht einer war. Vor allem die PCC ist aber auch auf eine Vormachtstellung in ganz Lateinamerika aus. Die Gang expandiert nicht nur nach Peru, sondern auch nach Bolivien, Uruguay, Paraguay oder Argentinien. „Es ist klar, dass sie versuchen, der größte Kokainlieferant in Südamerika zu werden“, sagt Bruno Paes Manso, vom Zentrum für die Erforschung von Gewalt der Universität São Paulo.8

  1. InSight Crime: ‘Most Wanted’ Peru Drug Trafficker Captured in Brazil; Artikel vom 26.09.17 [] [] [] []
  2. InSight Crime: ‘Most Wanted’ Peru Drug Trafficker Captured in Brazil; Artikel vom 26.09.17 [] [] []
  3. InSight Crime: Peru Coca Cultivation Lowest in 15 Years: UN; Artikel vom 14.07.16 [] []
  4. InSight Crime: 90% of Cocaine from Peru’s VRAEM Moved by Air; Artikel vom 10.06.14 []
  5. InSight Crime: Peru Cocaine Clans Expanding in Bolivia: Police; Artikel vom 12.08.14 []
  6. InSight Crime: ‚Most Wanted‘ Peru Drug Trafficker Captured in Brazil; Artikel vom 26.09.17 []
  7. InSight Crime: Lucrative Cocaine Trade Fuels Gang Presence in Brazil’s Amazon; Artikel vom 13.01.17 []
  8. InSight Crime: Brazil’s Biggest Gang Sets Sights on Regional Expansion; Artikel vom 31.05.17 []

Über David / earthlink

Ich bin David und habe dieses Jahr mein Abi gemacht. Als Bundesfreiwilliger möchte ich mich jetzt für die nächsten Monate bei earthlink engagieren und mehr über entwicklungspolitische Themen erfahren.

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