Kolumbien: Rekordfund von 12 Tonnen Kokain

Kokain Kolumbien

Jährlich werden in Kolumbien mindestens 900 Tonnen Kokain produziert. Bild: © (c) Pkripper503 - Dreamstime

Vergangene Woche wurde in Kolumbien die Rekordmenge von 12 Tonnen Kokain beschlagnahmt. Es handelt sich um den größten Kokainfund der Behörden in der Geschichte des südamerikanischen Landes. Dabei ist diese Beschlagnahmung nur ein weiterer Schritt im Kampf gegen die Drogenkartelle des Andenstaates.

Sichergestellt wurden die Drogen im Zuge der Operation „Agamenón II“, bei der insgesamt 400 Sicherheitskräfte und 100 Geheimdienstmitarbeiter beteiligt waren. Sie beschlagnahmten das Kokain bei einem Angriff auf vier Fincas in den Departements Antioquia und Choco. Präsident Juan Manuel Santos spricht vom „größten Schlag in der Geschichte des Landes“.

Die Drogen gehörten vermutlich dem „Clan del Golfo“, auch bekannt unter dem Namen „Urabeños“. Beim Verkauf in die USA hätte das Kartell pro Kilo bis zu 30 000 Dollar einnehmen können. „Wenn wir diesen Kilopreis mit den 12 Tonnen multiplizieren, kommen wir auf 360 Millionen Dollar“, meint Präsident Santos.1

Bereits seit Monaten wurde die Gegend um die Fincas vom Geheimdienst beobachtet und so konnten Polizei und Militär einen gezielten Angriff auf das Drogenversteck starten. Dort lagerten die Kokainpakete versandbereit, sie sollten vermutlich an verschiedene Händlerringe verteilt werden.2

Im Zuge der Operation „Agamenón II“ wurden in den letzten fünf Monaten 20 Tonnen Kokain beschlagnahmt und mindestens 300 Mitglieder des Clan del Golfo festgenommen. Zudem wurde im August dieses Jahres Roberto Vargas Gutiérrez, alias „Gavilán“, der zweite Mann hinter Klanchef Dairo Úsuga, bei einem Polizeieinsatz getötet. Ziel der Operation ist es, Úsuga, alias „Otoniel“, und seinen Kreis der Vertrauten festzusetzen.2

Bei den Urabeños handelt es sich um eines der größten kolumbianischen Drogenkartelle. Bestehend aus ehemaligen paramilitärischen Führern, ist sie eine der letzten kriminellen Gruppen, die in Kolumbien landesweit aktiv ist. Sie kontrollieren viele Handelsrouten des Landes, darunter vor allem die Häfen entlang der Karibikküste und Kokaanbaugebiete im Departement Antioquia.3

Die kolumbianischen Behörden wollen den Kokainhandel in den früheren FARC-Gebieten bekämpfen, nachdem die Regierung und die FARC-Guerillas vor gut einem Jahr Frieden schlossen. Präsident Santos befürchtet, in den ehemaligen FARC-Gebieten könnten andere Gruppen den Drogenhandel übernehmen.4 Tatsächlich wurden in diesem Jahr bereits 362 Tonnen Kokain beschlagnahmt, damit übersteigt die Menge die bisherige Rekordsumme von 317 Tonnen des vergangen Jahres.2

Im Februar 2015 startete die Regierung Kolumbiens die „Agamenón I“-Operation, welche das Ziel hatte, die Urabeños zu schwächen. Es scheint als sei sie erfolgreich, denn im September dieses Jahres wurde ein Video veröffentlicht, in dem Otoniel ankündigt, für Verhandlungen über eine mögliche Kapitulation des Kartells bereit zu sein. Zwar wurde Otoniel bisher noch nicht gestürzt, allerdings zeigt der Rekordfund von letzter Woche, dass die Urabeños weiter geschwächt werden.5

Während die Kokainproduktion in Kolumbien auf einem historischen Höchststand ist, haben die Kartelle Probleme damit, das Rauschgift außer Landes zu bringen. Sie können die Drogen nicht schnell genug verschiffen, um mit den nachkommenden Produkten aus den Anbaugebieten Schritt zu halten und müssen große Menge lagern. Dies könnte ein Grund dafür sein, warum die Behörden in den letzten Jahren derartige Mengen an Kokain beschlagnahmen konnten. Doch die Urabeños versuchen nun, die Macht über andere Handelsrouten zu übernehmen. So kam es im Grenzgebiet zu Panama in den vergangenen Monaten zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Urabeños und der dort ansässigen Guerillabewegung ELN. Auch in den Grenzgebieten zu Venezuela und Brasilien versuchen die Urabeños an Einfluss zu gewinnen.6

Alles in allem ist die aktuelle Beschlagnahmung von 12 Tonnen Kokain ein weiterer Erfolg der Behörden gegen die Urabeños und den gesamten Drogenhandel in Kolumbien. Der Polizeidirektor Jorge Hernando Nieto lobt den erfolgreichen Schlag gegen den Klan, stellt jedoch klar: „Die Operation wird fortgeführt, bis alle Chefs dieser Organisation festgenommen oder ausgeschaltet wurden.“2

  1. Süddeutsche Zeitung: Rekordfund in Kolumbien: Polizei beschlagnahmt 12 Tonnen Kokain; Veröffentlicht am 09.11.2017 []
  2. El Tiempo: Caen 12 toneladas de coca: el golpe más grande a la mafia en 10 años; Veröffentlicht am 09.11.2017 [] [] [] []
  3. InSight Crime: Urabeños; Letztes Update: 17.11.2015 []
  4. Süddeutsche Zeitung: Rekordfund in Kolumbien: Polizei beschlagnahmt 12 Tonnen Kokain; Veröffentlicht am 09.11.2017 []
  5. InSight Crime: Massive Colombia cocaine seizure shows signs of underworld shake-up; Veröffentlicht am 09.11.2017 []
  6. InSight Crime: Massive Colombia cocaine seizure shows signs of underworld shake-up; Veröffentlicht am 09.11.2017 []
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