Philippinen: Video zeigt illegale Hinrichtungen durch die Polizei

Polizeiauto und Polizist, Philippinen

Vor wenigen Tagen veröffentlichte die Nachrichtenagentur Reuters Filmmaterial, welches illegale Hinrichtungen durch philippinische Beamte zeigt. Bild: © Brian Evans [CC BY-ND 2.0] - Flickr

Vor wenigen Tagen veröffentlichte die Nachrichtenagentur Reuters Filmmaterial, welches illegale Hinrichtungen durch philippinische Beamte  zeigt – am Tag nachdem Präsident Duterte die Polizei vom Anti-Drogen-Kampf abgezogen hatte.1

Der Bericht der Polizei ist eindeutig: Während eines rechtmäßigen Einsatzes am Mittag des 11. Oktober 2017 im Bezirk Tondo der philippinischen Hauptstadt Manila kamen drei mutmaßliche Drogenverdächtige ums Leben. Sie wurden von den Beamten angeschossen. Der Grund: Selbstverteidigung. Die Verdächtigen hatten zuvor auf die Polizisten gefeuert. Laut dem Bericht spürte einer der Männer wohl die Anwesenheit eines Polizeiteams und befahl daraufhin seinen zwei Komplizen, auf die Agenten zu schießen. Im Anschluss daran folgte der Schusswechsel, bei dem die Verdächtigen „tödlich verwundet“ wurden. Bei ihrer Ankunft im Gat Andres Bonifacio Hospital in Tondo wurden sie dann für tot erklärt. Die Polizei beschlagnahmte Drogen-Beutel und drei Pistolen der Verdächtigen, heißt es in dem Bericht weiter.23

Ein nun veröffentlichter Report der internationalen Nachrichtenagentur Reuters erzählt jedoch eine andere Geschichte – diese wirft Zweifel an den offiziellen Stellungnahmen der Polizeibehörden auf.

Zeugenaussagen sowie vier Überwachungskameras mit Videoaufzeichnungen des 11. Oktobers dokumentierten den Vorfall. Reuters schreibt, dass die drei Männer hingerichtet und nicht, wie die Polizei es behauptet, aufgrund von Selbstverteidigung angeschossen wurden.  An Armen und Beinen gefasst wurden die Körper auf Rikschas geladen, um sie ins Krankhaus zu bringen. Die Opfer zeigten keine Lebenszeichen. Des Weiteren ist auf dem Video das Geschehen vor dem Vorfall zu sehen. Es zeigt, wie einer der Männer mit Leuten aus der Nachbarschafft plaudert und nicht, wie in dem Polizeibericht behauptet wird, Drogen an einen Undercover-Offizier verkauft.34

Arlene Gibaga, die Frau eines der Opfer, erzählte Reuters, dass sie Zeugin der Schießerei wurde und die drei Männer unbewaffnet waren. „Wir haben kein Geld für Waffen“, sagt die Mutter von drei Kindern und fügt den Tränen nahe hinzu, dass ihr Mann auch keine Drogen genommen habe.

Manilas Polizeichef Erwin Margarejo sagte, es würde eine eingehende Untersuchung durchgeführt werden. Der Sprecher des Präsidenten, Harry Roque, fügte hinzu, dass die Regierung das Material analysieren werde. „Ich versichere Ihnen, dass sich die Behörden jetzt mit dieser Angelegenheit befassen. Wir sind dabei, das Video zu authentifizieren. Der Präsident toleriert keine Missbräuche, die von Mitarbeitern der philippinischen Nationalpolizei begangen werden. Wir tolerieren keine Polizeigewalt, Brutalität oder Tötung“.5

Die Razzia wurde durchgeführt, kurz nachdem Präsident Rodrigo Duterte die Polizei aus dem Antidrogenkampf abgezogen hatte – die philippinische Drogenvollzugsbehörde (PDEA) führe von nun an alle Vorhaben durch. Das Memo vom Oktober markierte das zweite Mal, dass Duterte den Polizisten öffentlich mitteilte, sich aus dem Drogenkrieg zurückzuziehen. Ende Januar dieses Jahres kündigte er erstmals das Ende der Polizeioperationen an, nachdem bekannt geworden war, dass die Beamten einen südkoreanischen Geschäftsmann entführt und ermordet hatten. Das Ziel der erneuten Verschiebung der Verantwortung an die PDEA sei es nun, Ordnung in die Operationen gegen illegale Drogen zu bringen.

Obwohl Duterte das Vorgehen nun einer anderen Behörde übertragen hat, steht außer Frage, dass er immer noch einen brutalen Krieg gegen die Drogenkriminalität in seinem Land führt. Seit seinem Amtsantritt im Juni 2016 sind rund 3900 Menschen bei Anti-Drogen-Polizeieinsätzen und weitere Tausende bei anderen Operationen ums Leben gekommen. Menschenrechtsgruppen schätzen die Zahl der Todesopfer, darunter auch Tötungen bei sogenannten Bürgerwehren, auf 13 000. Von der Regierung wurde diese Zahl als übertrieben abgetan. Viele Philippiner haben den amtierenden Präsidenten  wegen seiner harten Vorgehensweise im Drogenkrieg gewählt. Drogenabhängige werden hier überwiegend als Kriminelle bezeichnet. Dass Drogensucht eine Krankheit ist, die therapiert werden muss und welcher die Menschen häufig alleine nicht entkommen können, geht in Dutertes Kampagne völlig unter. Solange die Mehrheit der Bevölkerung sein Vorgehen positiv bewertet und seine Chancen, wiedergewählt zu werden, damit steigen, wird er an seinem Kurs nichts ändern.65

Bei den veröffentlichten Videos handelt es sich auch nicht um die ersten Aufnahmen von Überwachungskameras, die Polizeieinsätze aufgezeichnet haben. Ein im August an die Öffentlichkeit gelangtes Video, auf dem ein Teenager von Polizisten getötet wurde, erregte öffentliche Unruhen und Empörung in der Bevölkerung gegenüber der blutigen Anti-Drogen-Kampagne. Ein Beamter, der in den Drogenkrieg verwickelt ist, teilte Reuters Anfang dieses Jahres mit, dass die Polizei mit lokalen Beamten kooperiere, um Sicherheitskameras in Gebieten zu entfernen, in denen sie eine Drogenkriegstötung durchführen wollen. Santiago Pascual, der leitende Kommandeur der Razzia vom 11. Oktober, erklärte der Nachrichtenagentur, dass seine Offiziere den korrekten Betriebsablauf befolgt hätten und dass die Augenzeugenberichte unwahr und unbegründet seien.7

  1. Reuters Graphics: Duterte’s Was on Drugs. Operation Kill; 27.11.2017 []
  2. CNN Philippines: Police kill three in Tondo rais a day after drug war removed from PNP; 29.11.2017 []
  3. Business Insider. Law & Order: Chilling footage shows illegal executions by Filipino police the day after President Duterte told police to stop the war on drugs; 27.11.2017 [] []
  4. CNN Philippines: Police kill three in Tondo raid a day after drug war removed from PNP; 29.11.2017 []
  5. ABS CBN: Gov’t probes Tondo drug raid killings; 28.11.2017 [] []
  6. Rappler: Why are Filipinos supporting Duterte’s drug war?; 14.10.2017 []
  7. Reuters Investigates: Police tell onestory of what happened in Barangay 19. Security cameras tell another; 27.11.2017 []

Über Lara / earthlink

Ich studiere Soziologie und Rechtswissenschaften an der LMU in München.
Durch meine Arbeit bei earthlink möchte ich auf entwicklungs- und umweltpolitische Themen aufmerksam machen.

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