Iran: Zahl der Drogentoten steigt

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Bild: © UK Department for international development [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr.com

Immer mehr Menschen im Iran sterben an den Folgen von Drogenkonsum. Gemäß der nationalen Gesundheitsorganisation LMO mußten in den letzten knapp neun Monaten über 1.600 Menschen aufgrund von Drogenmissbrauch ihr Leben lassen, über 1.300 von ihnen wegen einer Überdosis. Seit 2013 steigt die Zahl der drogenbedingten Todesfälle in der islamischen Republik wieder an, jährlich um ca. ein Prozent.

Diese Entwicklung ist besorgniserregend und zeigt zusätzlich auf, dass der Iran nicht mehr nur ein Durchgangsland für Drogen aus dem Nachbarland Afghanistan ist, sondern ein wichtiger Absatzmarkt für die illegalen Substanzen, der diese zunehmend innerhalb der eigenen Grenzen herstellt. Insbesondere neue synthetische Drogen wie Crystal Meth werden am Persischen Golf selbst produziert.1

Laut Mohammed Massoud Zahedian, Leiter der iranischen Anti-Drogenbehörde, profitieren immer mehr Menschen mittlerweile vom lukrativen Drogenhandel, der Drogenmarkt floriert und die Verkäufer suchen stetig neue Abnehmer. Ein weiteres Problem stellt das sinkende Einstiegsalter für Drogenkonsumenten im Land dar. Die Händler bedienen sich der Vorzüge des Internets, um ihre Ware an den Mann zu bringen. Somit werden vor allem jüngere Menschen angesprochen. „Unsere Schulkinder sind heutzutage nicht fähig nein zu sagen“, so Zahedian.

Die Tatsache, dass Crystal Meth – hinter Opium – bereits die zweitbeliebteste Droge des Landes darstellt, ist bedenklich. Sowohl die Herstellung als auch der Missbrauch von Methamphetamin schießt derzeit im Iran in die Höhe. Vor allem unter Studenten und innerhalb der Arbeiterklasse des Landes ist die Droge weit verbreitet. Iranische Drogenhändler erwirtschaften mit dem Verkauf der Substanz inzwischen erhebliche Gewinne.1

Gemäß UNODC durchläuft der Iran gerade eine der größten Suchtkrisen der Welt. Das nationale Gesundheitsministerium geht von 2,2 Millionen Drogenabhängigen im Land aus, insgesamt 2,8 Millionen Menschen konsumieren regelmäßig Drogen. Viele NGOs hingegen glauben, dass die Dunkelziffer hierbei noch deutlich höher liegt.2

Im Juli dieses Jahres schien der Iran entschlossen, seine repressive Drogenpolitik zu überdenken und staatliche Behörden zuzulassen, die Drogen an Süchtige verteilen. Dies hätte das Ausmaß der Geldwäsche im Land deutlich reduzieren und dem Schwarzmarkt beträchtlichen Schaden zufügen können. Das Vorhaben wurde jedoch nach kurzer Zeit von konservativen Kräften in der Regierung wieder verworfen und als irrelevant abgetan.3

Dennoch muß sich der Iran die Frage gefallen lassen, ob die harten Strafen gegen Drogenhändler und auch Drogenkonsumenten nicht ihr Ziel verfehlen. Denn der Drogenhandel im Land blüht auf und die Zahl der Drogentoten ist so hoch wie nie.

  1. Radio Farda: Homemade Synthetic Narcotics On The Rise In Iran; Artikel vom 15.12.2017 [] []
  2. Independent: Number of drug addicts in Iran `doubles´ in six years; Artikel vom 26.6.2017 []
  3. Independent: Iran plans to decriminalise drug use allowing government to give diluted drugs to addicts; Artikel vom 27.7.2017 []

Über christian / earthlink

Projektmitarbeiter, zuständig für die Entwicklung und Durchführung von Projekten bzw. Kampagnen, Fundraising, Einarbeitung und Betreuung von Praktikanten und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Aktuelle Projekte: Aktiv gegen Kinderarbeit, Drogen Macht Welt Schmerz, Fluchtgrund
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