Aussagen des Sohnes der rechten Hand von „El Chapo“ könnten im Sinaloa-Kartell zu massiverem Machtkampf führen

Sinaloa-Kartell

Die Aussagen von Damaso Lopez Serrano könnten den jetzigen blutigen Drogenkampf um das "Sinaloa-Kartell" drastisch verschärfen. | Bild: © Claudio Toledo [CC BY 2.0] - Flickr

Es passierte am 26. Juli 2017. Ein Mann hatte die Grenze zwischen Mexiko und den USA durchquert. Er ging an diesem Mittwochmorgen zur Zoll- und Grenzpatrouille, wo er sich vorstellte und ergab. Am Donnerstagnachmittag wurde dieser Mann den Vertretern der US-Drogenbehörde übergeben. Damaso Lopez Serrano, der Sohn eines der wichtigsten Gefolgsleute (Rechte Hand: Damaso Lopez Nuñez, alias „El Licenciado“) von dem ehemals mächtigsten Drogenhändler der Welt, Joaquin „El Chapo“ Guzman, konnte an diesem Tag festgenommen werden. Dabei könnte er brisante detaillierte Informationen über das Innenleben des größten mexikanischen Kartells „Sinaloa“ liefern und somit gegen die Führung der Drogenbande aussagen. Damit kann nach diesen Menschen viel besser gefahndet werden, um sie festzunehmen. Jedoch könnten die Aussagen des 29. Jährigen zu schweren Auseinandersetzungen im Innern des Drogenkartells führen und Mexiko in ein noch größeres Blutbad verwandeln.12

Lopez Serrano soll bis zu seiner Festnahme im Sinaloa-Kartell die „Los Antrax“ angeführt haben, eine bewaffnete Fraktion, die ausschließlich aus jungen Mitgliedern besteht. Sein entsprechendes Vermögen und seine Erfolge hatte er in sozialen Medien dokumentiert, ohne aber daraus schließen zu lassen, dass die ihm zugeschriebenen Konten  auch seine waren. Vor Gericht gab er dann zu, eine führende Rolle im Kartell gespielt zu haben und Waffen im Zusammenhang mit kriminellen Drogenhandelsaktivitäten zu verwenden. Auch bekannte er sich in einem separaten Fall in Virginia für schuldig, wo er wegen Drogenschmuggels auffiel. Lopez willigte ein, eine Million Dollar von seinem Vermögen herzugeben und die verbindliche Mindeststrafe von 10 Jahren im Gefängnis anzutreten. Im Oktober 2016 wurde vom Bezirksgericht in Südkalifornien ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt. Dieser Haftbefehl ist aber nicht der Grund seiner Kapitulation. Die jüngsten Entwicklungen vor Ort in Mexiko veranlassten ihn dazu, sich zu ergeben. Der ehemalige Chef der internationalen Operationen der DEA, Mike Vigil, erklärte: „Der Grund für die Kapitulation ist, dass er vom Sinaloa-Kartell und den Söhnen von El Chapo gejagt wurde, weil sein Vater versucht hatte, Sinaloa zu übernehmen.“ Und das ist vollkommen verständlich. Denn seitdem „El Chapo“, der ehemalige Boss der Sinaloa, zuerst im Januar 2016 in ein mexikanisches Gefängnis inhaftiert und ein Jahr später im Januar an die USA ausgeliefert wurde, gibt es ein sehr großes Machtvakuum innerhalb der Sinaloa.3

Die daraus resultierenden blutigen Kämpfe haben sich verschärft: Bis Juni 2017 gab es im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa schon allein 764 Tötungsdelikte bei insgesamt drei Millionen Einwohnern, was die höchste Rate seit sechs Jahren darstellt. Im Bundesstaat Baja California Sur stieg die Tötungsrate im Vergleich zum Vorjahr um ganze 223%, eine nie dagewesene Zahl. Der Kampf wird von drei verschiedenen Fraktionen ausgetragen: Eine Gruppierung, deren Anführer  Serrano und sein Vater sind. Sie haben sich mit dem „Kartell Jalisco Nueva Generación (span.: Cártel de Jalisco Nueva Generación; CJNG), das 2010 gegründet wurde und heute neben der Sinaloa als eines der mächtigsten Drogenkartelle gilt, verbündet. Außerdem entwickelten sie mit Unterstützung sogar ihre eigene bewaffnete uniformierte Armee, die „Damaso Special Forces“. Im Mai 2017 wurde Nuñez jedoch verhaftet, das Blutbad geht aber unvermindert weiter. Die Gefangennahme ließ aber seinen Sohn ohne direkte Verbündete  und Zuflucht stehen. So Vigil: „Lopez Serrano hatte keine andere Wahl, als aus Mexiko zu fliehen und sich an US-Behörden zu wenden, weil ihn die anderen Mitglieder des Sinaloa-Kartells gejagt hatten und er getötet worden wäre, wenn er beschlossen hätte, in Mexiko zu bleiben. Die einzige Möglichkeit, die er zu diesem Zeitpunkt hat, um sich zu retten, ist, Namen zu nennen und wichtige Informationen über das Kartell zu liefern.“ Eine andere Gruppe, angeführt von den zwei Söhnen des ausgelieferten Drogenkönigs „El Chapo“, Jesus Alfredo und Ivan Archivaldo, sagt, dass sie die rechtmäßigen Erben des Drogen-Imperiums sind. Die dritte Bande wurde von Aureliano „El Guano“, dem Bruder Guzmans, gegründet. Er kontrolliert die Gegend rund um ihre Heimatstadt Badiraguato. Derzeit bekämpfen sich diese Fraktionen gegenseitig, um die Kontrolle des „Multi-Milliarden-Dollar-Drogenhandels“ für sich zu gewinnen. Schätzungen zufolge beläuft sich das Vermögen des Sinaloa-Kartells auf etwa 20 Milliarden Dollar.45

Am Rande des bewaffneten Konfliktes steht der Kartellmitbegründer von Sinaloa, Ismael „El Mayo“ Zambada, sagen Experten. Man nimmt an, dass er ungefähr 70 Jahre alt und krank ist, hält aber anscheinend noch die Zügel der Macht innerhalb des Kartells fest. Anstatt sich in den Ruhestand zu begeben, hatte er seinen eigenen Teil des Geschäftes übernommen. Laut dem Experten für Drogenhandel, Jose Reveles, ist „EI Mayo“ auch derjenige, der das Endergebnis um den herrschenden Machtkampf entscheiden wird. Unter den bis jetzt insgesamt vom Justizministerium 125 angeklagten Personen, befindet sich auch er, und seine drei Söhne, die zusätzlich in den kriminellen Untergrund eingestiegen sind. Der Dritte Sohn, Serafin Zambada Ortiz, bekannte sich im September 2014 in San Diego schuldig. Die zwei weiteren Söhne, Ismael Zambada Sicairos, bekannt als „Mayito Flaco“ und Ismael Zambada Imperial , bekannt als „Mayito Gordo“, sind noch auf freiem Fuß. Den ÚS-Behörden kann Serrano wertvolle Informationen über Zambada liefern, einschließlich seiner Kommunikationsmethoden, seiner Bewegungsmuster und der Art von Sicherheitsvorkehrungen, die er trifft.4

Serranos jetzige Zusammenarbeit mit den Behörden könnte sich sehr wahrscheinlich in der mexikanischen Drogenunterwelt sehr stark ausbreiten. „Seine Überzeugung bringt der Führung des Sinaloa-Kartells und seinen gewalttätigen Drogenhandelsaktivitäten einen schweren Schlag“, sagte der stellvertretende Generalstaatsanwalt John P. Cronan. Vigil erläuterte die Sachlage: „Er kann detaillierte Informationen über die derzeitige Führung des Sinaloa-Kartells liefern, einschließlich der Söhne von ‚Chapo‘ Guzman … sowie „El Mayo“ Zambada und seinen Söhnen. Er kann auch Informationen über korrupte Beamte bereitstellen, die das Sinaloa-Kartell schützen, Informationen über die kolumbianischen Bezugsquellen für Kokain liefern, Informationen über die Transportmittel, die vom Sinaloa-Kartell verwendet werden, um Drogen von Südamerika nach Mexiko und dann in die USA zu bringen, preisgeben. Er kann auch über das Vertriebsnetz sprechen, das sie hier in den Vereinigten Staaten verwenden und das auch diese verschiedenen Netzwerke kontrolliert. Dieser Typ kooperiert voll und ganz, deshalb wird er über alles und jeden informieren. Der Kerl wird also eine virtuelle Enzyklopädie für Strafverfolgungsbehörden in Bezug zum Sinaloa-Kartell sowie zu anderen Kartellen sein, mit denen diese kriminelle Vereinigung verbündet ist.“3

Es bleibt abzuwarten, ob die von Serrano Lopez aufgezählten mexikanischen Kartellverdächtigen an die USA ausgeliefert werden. Vigil fügte hinzu: „Wenn Zambada gefangen genommen wird, muss ich sagen, dass das Sinaloa-Kartell sofort zwischen „Chapo“ Guzmans Söhnen, „EI Mayos“ Söhnen und anderen Fraktionen innerhalb des Kartells `zerbrechen` wird, und das wird zu einer massiveren Gewalt führen, wie sie Mexiko jemals gesehen hat. Sinaloa ist immer noch das mächtigste Kartell, und es wird viele geben, die versuchen werden, diese Leere auszufüllen.“3

  1. www.businessinsider.sg: The son of ‘El Chapo’ Guzman’s former right-hand man is reportedly talking to US authorities, and it could be trouble for the Sinaloa cartel; 15.01.2018 []
  2. businessinsider.de: A major player in the struggle for control of the Sinaloa cartel just surrendered in the US; 28.07.2017 []
  3. www.businessinsider.sg: The son of ‘El Chapo’ Guzman’s former right-hand man is reportedly talking to US authorities, and it could be trouble for the Sinaloa cartel; 15.01.2018 [] [] []
  4. www.businessinsider.sg: The son of ‘El Chapo’ Guzman’s former right-hand man is reportedly talking to US authorities, and it could be trouble for the Sinaloa cartel; 15.01.2018 [] []
  5. www.businessinsider.com: A bloody, 3-sized war is raging in Mexico for control of EI Chapo Guzman`s Sinaloa cartel; 19.06.2017 []

Über Arystarkh / earthlink

Ich bin der Arystarkh, 20 Jahre alt und engagiere mich freiwillig bei earthlink e.V. Ich will etwas für meine persönliche Entwicklung unternehmen und Menschen über Geschehnisse weltweit informieren. Darum mache ich den Bundesfreiwilligendienst.
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