Festnahme eines Drogenbosses in Brasilien deutet auf Expansion eines der mächtigsten mexikanischen Kartelle hin

Brasilianische Polizei

Bild: © André Gustavo Stumpf [CC BY 2.0] - Flickr

Die Verhaftung eines mexikanischen Drogenbarons in Brasilien wirft ein neues Licht auf die internationalen Operationen eines der größten und mächtigsten der mexikanischen Drogenkartelle und lässt zudem vermuten, dass länderübergreifend Kooperationen geschlossen werden, um gegen die Geschäfte des Kartells vorzugehen.1

Am 27. Dezember letzten Jahres verhaftete die brasilianische Polizei José González Valencia, alias „La Chepa“, in einem gemieteten Strandhaus in der nordöstlichen Stadt Fortaleza. Seine Festnahme wurde vom höchsten brasilianischen Gericht angeordnet. Nun soll er in die USA ausgeliefert werden, wo er sich wegen Drogenhandels und seiner Beziehungen zum Jalisco Nueva Generación-Kartell vor Gericht verantworten muss.2

Der Name González Valencia ist in der Region ganz sicher nicht unbekannt. Der Familienclan leitet Berichten zufolge eine der reichsten kriminellen Organisationen Mexikos, Los Cuinis, über die allerdings relativ wenig bekannt ist. Obwohl sie bisher eher unter dem Radar flog, scheint die Organisation im internationalen Drogenhandel eine wichtige Rolle zu spielen. Der Direktor der Exportkontrollbehörde des US-Finanzministeriums, John E. Smith, bezeichnete Los Cuinis als „eines der mächtigsten und brutalsten Drogenkartelle in Mexiko“. Das US-Finanzministerium berichtete in der Vergangenheit zudem, dass es sich bei der Organisation auch um die Geldwäscheabteilung des Jalisco Nueva Generación-Kartells handle.13

Dazu passt, dass bereits 2016 Gerardo González Valencia, der Bruder von „La Chepa“, in Uruguay festgenommen werden konnte. Die Behörden wurden im Rahmen der Panama Papers-Enthüllungen auf ihn aufmerksam. Ihm wird Geldwäsche vorgeworfen.14

Der Umstand, dass ein hochrangiges Mitglied von Los Cuinis außerhalb von Mexiko festgenommen wurde, deutet darauf hin, dass die Organisation gerade ihre Präsenz auf internationaler Ebene ausweitet. In Mexiko selbst jedoch stehen sowohl Los Cuinis als auch das Jalisco Nueva Generación-Kartell, das scheinbar große Teile des Landes kontrolliert, unter Druck. Top-Kartellmitglieder werden von den Behörden gefasst, in den USA laufen gegen sie Verfahren. Zusätzlich erschweren Sanktionen des US-Finanzministeriums die Geschäfte.2

Durch die Expansion in Nachbarländer könnten Los Cuinis versuchen, dem durch die Behörden ausgeübten Druck in Mexiko zu entkommen. Länder wie Brasilien und Uruguay sind für die Mitglieder der Organisation nicht nur attraktiv, weil die mexikanischen Behörden dort keinen Zugriff haben, sondern auch, weil diese Staaten in Lateinamerika Schlüsselzentren für die Geldwäsche sind und Los Cuinis somit erlauben, ihre Geschäfte auch außerhalb ihres Heimatlands weiterzuführen.1

Andererseits lässt der Umstand, dass sowohl „La Chepa“ als auch sein Bruder außerhalb von Mexiko verhaftet wurde, darauf schließen, dass die Behörden in den verschiedenen Ländern der Region ihre Bemühungen intensiviert haben, grenzüberschreitend zu kooperieren und sich abzusprechen, um die Geschäfte von Los Cuinis zu zerschlagen. Bereits nach dem Macht- und Bedeutungsgewinn des Jalisco Nueva Generación-Kartells in den letzten Jahren hatten die USA Schritte gegen die Organisation eingeleitet und ihre Finanzinfrastruktur anvisiert. Die Festnahmen der beiden González Valencia-Brüder deuten darauf hin, dass auch die Behörden in den anderen Ländern der Region bereit sind, zu kooperieren.1

  1. InSight Crime: Mexico Drug Lord’s Brazil Arrest Sheds Light on Regional Anti-Crime Cooperation; Artikel vom 09.01.18 [] [] [] [] []
  2. InSight Crime: Mexico Drug Lord’s Brazil Arrest Sheds Light on Regional Anti-Crime Cooperation; Artikel vom 09.01.18 [] []
  3. InSight Crime: US Sanctions Newspapers Linked to Mysterious Mexico Cartel; Artikel vom 17.12.15 []
  4. InSight Crime: Mexico Cartel Suspect Named in Panama Papers Arrested in Uruguay; Artikel vom 25.04.16 []

Über David / earthlink

Ich bin David und habe dieses Jahr mein Abi gemacht. Als Bundesfreiwilliger möchte ich mich jetzt für die nächsten Monate bei earthlink engagieren und mehr über entwicklungspolitische Themen erfahren.
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