Kolumbien: Angriff auf Polizeiwache beendet Friedensgespräche mit ELN

Gebietsmarkierung der ELN. Bild: © Julián Ortega Martínez [CC BY-SA 2.0] - Flickr

Vor einigen Tagen attackierte die Guerillaorganisation Ejército de Liberación Nacional (ELN) eine Polizeiwache in Kolumbien. Dabei wurden fünf Polizisten getötet und 41 weitere verletzt. Die Regierung Kolumbiens zieht Konsequenzen: Die Friedensgespräche mit den ELN-Rebellen sollen vorerst ausgesetzt werden, eine fünfte Verhandlungsrunde wird es demnach erst einmal nicht geben. Für die Bevölkerung im Land ist das ein ordentlicher Rückschlag. Sie hat seit Jahren mit den entwicklungspolitischen Folgen der Drogengeschäfte zu kämpfen. Auch die 1964 gegründete Guerillagruppe ELN ist in die kriminellen Geschäfte verwickelt.123

2017 wurde eine Rekordmenge von 12 Tonnen Kokain in Kolumbien sichergestellt, insgesamt wurden im letzten Jahr 662 Tonnen Kokain beschlagnahmt. Der Drogenhandel im Andenstaat nimmt extreme Ausmaße an. Nach UN-Angaben ist Kolumbien der größte Produzent von Kokablättern, dem Rohstoff von Kokain. Zwischen 2014 und 2016 wuchs die Anbaufläche für Kokablätter von 69.000 auf 146.000 Hektar. Das liegt zum einen am steigenden Preis für die Droge und den fallenden Preisen für Kakao und Kaffee und zum anderen an der Beendigung der Eradikationsmaßnahmen mit Glyphosat. Das Unkrautvernichtungsmittel gilt als krebserregend und es zieht irreparable ökologische Schäden nach sich.

Mit dem steigenden Drogengeschäft gehen auch Gewalt und Korruption einher. Kriminelle Gruppen wie die FARC finanzieren sich größtenteils durch das Erheben von Steuern auf Drogenhändler oder Kokabauern. Anschließend wird die kristalline Substanz vorwiegend über Mexiko in die Vereinigten Staaten exportiert. Außerdem werden auch innerhalb des Landes Betäubungsmittel wie Cannabis gehandelt. Dementsprechend wächst die Macht der Drogenbanden im Land. Die Regierung muss seit einigen Jahren um das Gewaltmonopol kämpfen. Denn die FARC hat gewissermaßen einen Parallelstaat gegründet, mit eigenem Justizsystem. Sie nutzt ihre Kontrolle innerhalb des Landes, um den Kokahandel voranzutreiben. Dadurch nimmt die kriminelle Organisation jährlich bis zu 3,5 Milliarden Dollar ein. Teil der Friedensverhandlungen mit der Rebellengruppe ist jedoch die Aufgabe des Drogenhandels. 45

Folge des Drogenhandels sind nicht nur unzählige Süchtige, sondern auch steigende Kriminalität innerhalb des Landes, unter der ungerechterweise auch Teile der Bevölkerung leiden, die weder konsumieren, noch handeln. Kartelle haben durch die Verdrängung des Staates als Ordnungsmacht teilweise freie Hand und üben willkürlich Gewalt aus. Unterstützt werden die kriminellen Banden nicht nur von Konsumenten in Amerika, sondern auch in Europa. Dort wird jährlich Kokain im Wert von 5,7 Milliarden Euro abgesetzt. Ausgetragen wird die Gewalt jedoch in Südamerika – Kolumbien zählt zu den Ländern mit der höchsten Mordrate weltweit. Friedensgespräche zwischen Regierung und Rebellen könnten sich positiv auf das kriminalisierte Land auswirken, doch die ELN scheint sich nicht an die Bedingungen zu halten.6

  1. Zeit: Tote und Verletzte bei Anschlägen in Kolumbien und Ecuador; Artikel vom 28.01.2018 []
  2. dw: Kolumbien setzt nach Anschlag Friedensgespräche mit ELN-Rebellen aus; Artikel vom 29.01.2018 []
  3. Wikipedia: Ejército de Liberación Nacional (Kolumbien); Stand 30.01.2018 []
  4. b.z.: 12 Tonnen! Rekordmenge Kokain in Kolumbien festgestellt; Artikel vom 09.11.2017 []
  5. Der Tagesspiegel: Ein land kämpft mit der Droge; Artikel vom 28.05.2017 []
  6. Morgenpost: Kokain hinterlässt eine Spur der Gewalt in Südamerika; Artikel vom 02.08.2017 []

Über Malina / earthlink

Ich heiße Malina, bin 23 Jahre alt und studiere Politikwissenschaften und Soziologie in München.
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