Perspektivlosigkeit und Korruption machen Paraguay zu Südamerikas größtem Cannabis-Produzenten

Cannabis Paraguay

Bild: © (c) Yellowj - Dreamstime.com

Laut der nationalen Anti-Drogen Behörde SENAD  werden jährlich 30 000 Tonnen Cannabis  aus Paraguay illegal exportiert. Damit ist das Land der größte Marihuana-Produzent Südamerikas. Die Drogen werden vor allem im Grenzgebiet zu Brasilien angebaut, wo ein großer Teil der Bevölkerung wirtschaftlich davon abhängig ist. Die allgegenwärtige Korruption von Polizei und Behörden macht es den Drogenhändlern leicht.1

In den ländlichen Regionen Paraguays leben viele Menschen in Armut, da es nur wenig Beschäftigungsmöglichkeiten gibt. Die Preise traditionell angebauter Pflanzen wie Yuca sind in den letzten Jahren stark gesunken. Derzeit wird in Paraguay hauptsächlich Soja angebaut, allerdings fast ausschließlich von großen Unternehmen, denen weite Landflächen gehören. Sie benötigen kaum Arbeitskräfte, weswegen sehr viele Bewohner auf dem Land arbeitslos sind.2 „Es ist eine Frage der Entwicklung des ländlichen Raumes“, sagt Pien Metaal, Wissenschaftlerin zum Thema Drogen und Demokratie des Transnational Institute in Amsterdam. „Ein Landwirt mit wenig Grundfläche hat fast nichts um zu überleben. Die Problematik des Marihuana-Anbaus in Paraguay ist eine Konsequenz einer tiefgreifenden Krise der Landwirtschaft im Land.“3 Im Norden Paraguays gibt es demnach Siedlungen in denen acht von 10 Familien vom Cannabisanbau leben. Vor allem junge Menschen, die keine andere Perspektive haben, heuern auf den Marihuanaplantagen an. Dort arbeiten sie für rund 12 US-Dollar am Tag.4

Laut SENAD konsumiert weniger als ein Prozent der paraguayischen Bevölkerung Marihuana. So wird rund 20 Prozent des in Paraguay angepflanzten Cannabis nach Uruguay, Argentinien, Chile und Bolivien exportiert. Der Großteil der Droge, nämlich 80 Prozent, wird allerdings nach Brasilien geschmuggelt.5

Die nordöstlichen Grenzregionen zu Brasilien gehören zu den hauptsächlichen Anbaugebieten von Marihuana im Land. Insgesamt wird die Anbaufläche in Paraguay auf rund 7 000 Hektar geschätzt. Begünstigt wird der Drogenanbau und –handel durch die starke Bestechlichkeit der Behörden. So werden Razzien von der Polizei im Vorhinein angekündigt und bei Bezahlung bestimmter Summen an die Behörden wieder abgesagt. Außerdem scheint eine Verbesserung der Infrastruktur in manchen Regionen mit Hilfe von Korruption aufgehalten zu werden, um Polizeieinsätze zu erschweren.4

Eine weitere Problematik, die der umfangreiche Anbau von Cannabis mit sich bringt, ist die zunehmende Kriminalität und Gewalt, die von den drogenhandelnden Banden ausgeht. So nahm in den letzten Jahren die Anzahl der Gewalttaten, vor allem in den Grenzgebieten zu Brasilien, stark zu. Die beiden konkurrierenden brasilianischen Gangs First Capital Command und Red Command liefern sich ihre Machtkämpfe mittlerweile auch auf paraguayischem Boden.6 7

  1. BBC: Las terribles causas y consecuencias de que Paraguay sea el mayor productor de marihuana de Sudamérica; Veröffentlicht am 26.10.2016 []
  2. BBC: Las terribles causas y consecuencias de que Paraguay sea el mayor productor de marihuana de Sudamérica; Veröffenlicht am 26.10.2016 []
  3. The New York Times: El pueblo que quiere dejar de cultivar marihuana en Paraguay; Veröffentlicht am 12.10.2017 []
  4. Insight Crime: Inside Paraguay’s Illegal Cannabis Plantations; Veröffentlicht am 28.12.2017 [] []
  5. Washington Post: Drug production is booming in Paraguay, and so is drug violence; Veröffentlicht am 17.08.2017 []
  6. Insight Crime: Inside Paraguay’s Illegal Cannabis Plantations; Veröffentlicht am 28.12.2017 []
  7. Washington Post: Drug production is booming in Paraguay, and so is drug violence; Veröffentlicht am 17.08.2017 []

Über Daniela / earthlink

Ich habe gerade meinen Geographie-Bachelor an der LMU München abgeschlossen. Mit dem Praktikum bei Earthlink e. V. möchte ich eine Einblick in den Arbeitsalltag einer NGO gewinnen. Die Arbeit mit entwicklungspolitischen Themen und Nachhaltigkeit macht mir viel Spaß.
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