Venezuela: Machterhalt von Präsident Maduro wird von kriminellen Gruppen unterstützt

Nicolás Maduro

Nicolás Maduro ist seit 2013 Präsident Venezuelas. Das Land steckt seit einigen Jahren in einer katastrophalen Wirtschaftskrise. Bild: © Hossein Zohrevand [CC BY 4.0] - Wikimedia Commons

Der venezolanische Staatspräsident Nicolás Maduro erregt seit Monaten die Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit, da er das Regierungssystem immer weiter in eine Diktatur umwandelt. Nun wirft Journalist Miguel Henrique Otero der Regierung Maduros vor, von kriminellen Organisationen unterstützt zu werden. Bei einer Konferenz in Spanien zur aktuellen Lage in Venezuela nannte der im Exil lebende Herausgeber der venezolanischen Tageszeitung „El Nacional“ acht bewaffnete Gruppierungen, die ihm zufolge den Machterhalt des Präsidenten gewährleisten.1

Unter den genannten Organisationen befindet sich die venezolanische Polizei und das Militär, zu dem auch die „Guardia Nacional Boliviariana“ (die nationale bolivarische Gendarmerie) gehört. Aber auch bewaffnete, zivile Milizen, die von der Armee ausgestattet und trainiert werden, sollen Maduro unterstehen. Sowohl Mitglieder der Polizei, als auch des Militärs werden immer wieder beschuldigt, in Erpressungen, Entführungen oder Drogengeschäfte involviert zu sein. Laut InSight Crime kontrolliert die „Guardia Nacional Boliviariana“ zahlreiche Schmuggelrouten an der kolumbianischen Grenze.1 In diesem Zusammenhang wird vom Cartel de los Soles (Sonnenkartell) gesprochen. Dabei handelt es sich allerdings nicht um ein Drogenkartell im klassischen Sinne, also nicht um eine hierarchisch strukturierte Organisation, wie sie es in Kolumbien oder Mexiko gibt, sondern um Angehörige des venezolanischen Militärs, die maßgeblich am illegalen Handel mit Rauschmitteln beteiligt sind. So wurde beispielsweise im Jahr 2015 Diosdado Caballo von der US-amerikanischen DEA beschuldigt, der Chef des Cartel de los Soles zu sein. Caballo hatte unter Ex-Präsident Hugo Cháves mehrere wichtige Ämter inne und gilt noch immer als der zweitmächtigste Mann des Landes. Es ist bisher wenig über das Cartel de los Soles bekannt. Aber fest steht, dass in der Vergangenheit zahlreiche Offiziere und Soldaten des venezolanischen Militärs des Drogenhandels bezichtig wurden.23

Laut Otero wird Maduro außerdem von der paramilitärischen Organisation „Colectivos“ im Erhalt seiner Macht unterstützt. Diese Gruppierung besteht Experten zufolge aus zivilen Personen, die von den Behörden ausgebildet und ausgestattet werden. Die Colectivos kontrollieren weite Teile des Landes und finanzieren sich meist über kriminelle Machenschaften, wie Erpressung oder Drogenhandel. Angeblich helfen sie im Namen der Regierung dem staatlichen Sicherheitsapparat bei der Niederschlagung von oppositionellen Demonstrationen. Immer wieder kommt es bei Protesten gegen die Regierung Maduros zu Ausschreitungen. Im letzten Jahr kamen dabei über 150 Menschen ums Leben. Laut InSight Crime sind Mitglieder der nationalen Polizei und des Militärs sowie der Colectivos für zahlreiche Todesfälle verantwortlich. Manche Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass die Sicherheitskräfte neben dem Einsatz von Tränengas und Schrotgeschossen auch zu rechtswidrigen Maßnahmen greifen, um die Demonstranten auseinander zu treiben. Die meisten Todesfälle werden nicht aufgeklärt.145

Außerdem bekäme Maduro ausländischer Unterstützung, meint Otero. So sollen kubanische Militärberater zu den engsten Vertrauten des Präsidenten zählen. Manche Datenschutzorganisationen vermuten, dass die venezolanische Bevölkerung mit ihrer Hilfe ausgespäht und überwacht wird.  Auch die kolumbianische Guerilla-Gruppe ELN (Ejército de Liberación Nacional) und einige Ableger der FARC stehen in Verbindung mit der venezolanischen Regierung. Bereits unter Chávez weiteten die Organisationen aus dem Nachbarland ihre Hoheitsgebiete in Venezuela aus. US-amerikanische Behörden stellten einen Zusammenhang zwischen einigen Regierungsmitgliedern Maduros und den Guerillaorganisationen her. Sie werfen beispielsweise dem amtierenden Landwirtschaftsminister Freddy Brenal und dem ehemaligen Innenminister Ramón Rodríguez Chacín Verwicklungen in den Drogenhandel vor.6

Präsident Maduro nutzt die bewaffneten Gruppierungen für seinen Machterhalt, indem er sie politische Widerstände niederschlagen lässt. Im Gegenzug dazu lässt sie die venezolanische Regierung den illegalen Drogenhandel und andere kriminelle Unterfangen fortführen. Alle genannten Organisationen haben eine Gemeinsamkeit: sie profitieren von der katastrophalen Situation, die mittlerweile seit einigen Jahren in dem südamerikanische Land herrscht.7

  1. InSight Crime: The Eight Criminal Armies Supporting Venezuela’s Maduro Administration; Veröffentlicht am 22.01.2018 [] [] []
  2. InSight Crime: Cartel of the Suns; Veröffentlicht am 31.10.2016 []
  3. El Pais: Nueva luz sobre el misterioso cartel de los Soles; Veröffentlicht am 20.05.2015 []
  4. Zeit Online: Inzwischen mehr als 100 Tote bei Protesten gegen Maduro; Veröffentlicht am 21.07.2017 []
  5. The New York Times: Los colectivos venezolanos, las bandas de civiles armados que atacan a los manifestantes y defienden a Maduro; Veröffentlicht am 22.04.2017 []
  6.  InSight Crime: The Eight Criminal Armies Supporting Venezuela’s Maduro Administration; Veröffentlicht am 22.01.2018 []
  7.  InSight Crime: The Eight Criminal Armies Supporting Venezuela’s Maduro Administration; Veröffentlicht am 22.01.2018 []

Über Daniela / earthlink

Ich habe gerade meinen Geographie-Bachelor an der LMU München abgeschlossen. Mit dem Praktikum bei Earthlink e. V. möchte ich eine Einblick in den Arbeitsalltag einer NGO gewinnen. Die Arbeit mit entwicklungspolitischen Themen und Nachhaltigkeit macht mir viel Spaß.
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