Afghanistan: Drogen-Boom durch NATO Einsatz

Der Aufschwung des Schlafmohnanbaus durch den Stellvertreterkrieg der USA und der ehemaligen UdSSR. | Bild: © Resolute Support Media [CC BY 2.0] - Flickr

Afghanistan ist weltweit der größte Exporteur von Schlafmohn, der Basis von Heroin, Opium und anderen Opiaten. 2017 hat sich der Ertrag bei der Ernte im Vergleich zum Vorjahr um 87 Prozent erhöht. Der Drogenanbau gestaltet sich dabei als profitable Einnahmequelle, die vor allem die Existenz der radikal-islamistischen Taliban unterstützt. Es resultiert ein immer größer werdendes globales Problem, gegen das vor allem die Vereinigten Staaten hart vorgehen.12

Die Wurzel des Problems wird dabei übersehen. Die derzeitige politische Instabilität des Landes sowie der Aufschwung der Schlafmohnfelder beruhen insbesondere auf dem Stellvertreterkrieg zwischen den früheren Supermächten USA und der ehemaligen Sowjetunion. Die Taliban, Al-Qaida und die meisten anderen dschihadistischen Organisationen sind Folge der finanziellen Unterstützung westlicher Mächte für die Mudschaheddin. Diese Widerstandskämpfer haben  in den 1980er Jahren gegen die kommunistische Regierung in Afghanistan gekämpft. Dabei haben ausgerechnet der amerikanische Geheimdienst CIA und Saudi-Arabien Millionen von Dollar und Waffen an die Kämpfer geschickt.3 Damals wurden sie  von den Regierungen als patriotisch definiert, heute gelten sie als Terroristen. Der Aufschwung des Opiumanbaus dehnte sich vor allem nach dem Stellvertreterkrieg aus. Die Bombardements der sowjetischen Armee haben nicht nur zu Leid und Verwüstung, sondern auch zur ökologischen Zerstörung des Landes beigetragen. Den Kleinbauern fehlte es an Geld und Nahrung. Aufgrund der leichten und billigen Aufzucht der Schlafmohnpflanze schlugen sie daher zunehmend den Weg der illegalen Kultivierung ein. Somit haben die westlichen Akteure eine tragende Mitschuld am Anstieg der afghanischen Drogenproduktion.

Nach dem gewonnenen Kampf gegen die Rote Armee zog sich der Westen weitgehend zurück.4 Afghanistan wurde in seiner Zerstörung zurück gelassen. Um sich schnell neue Finanzmöglichkeiten zu beschaffen, kam es 1994 zum Anstieg der Opiumexporte. Nachdem 1996 die Regierung aus Kabul gestürzt worden war, rissen die Taliban unter Mullah Mohammad Omar die Staatsmacht an sich. Obwohl der Anbau gegen die vermeintlichen Glaubensgrundsätze des Islams verstößt, wurde das Drogengeld zu ihrer größten Steuereinnahme. Der Anbau wurde vorerst nicht verboten. Erst nachdem die Staatskasse gefüllt war und die Taliban die Kontrolle über die binnenländischen Handelsrouten hatten, erklärten sie Anbau und Konsum von Drogen offiziell als „unislamisch“. Die Umsetzung ihres Drogenverbots zeigte sich in kurzer Zeit als besonders effektiv. Der Schlafmohnanbau reduzierte sich in nur einem Jahr von 4.000 auf 200 Tonnen. Somit führten sie eine der erfolgreichsten Anti-Drogen-Kampagnen der Welt durch.5

Kurz vor dem 11. September 2001 und dem damit verbundenen Einmarsch der NATO war Afghanistan für circa fünf bis zehn Prozent der weltweiten Opiumproduktion verantwortlich. Seit dem Sturz der Taliban stieg der Anbau im Land erneut an. Heute stammen circa achtzig Prozent des weltweiten Schlafmohns aus Afghanistan. Die Aufständischen besteuern die Anbauflächen und nehmen für den Schmuggel Schutzgeld. Dieses Geschäft garantiert ihnen mehr Mittel für Waffen und militärische Finanzierung.6 Die erneute Schlafmohnexpansion begründet sich somit durch die angebliche amerikanische Friedensmission. Es ist ein Zeichen des Fehlschlags internationaler und afghanischer Antidrogenmaßnahmen. Das lukrative Drogengeschäft wirkt sich dabei auch auf die afghanische Bevölkerung aus: Es wird nicht nur angebaut, sondern exportiert und konsumiert. Somit war die US-Regierung in den letzten 17 Jahren weder mit dem „Krieg gegen den Terror“ noch mit dem „Krieg gegen die Drogen“ erfolgreich. Beide bestehen heutzutage mehr als zuvor.7 8

  1. Sputnik Deutschland: „Geheimnisvolle Hand“ in Afghanistan: Terror und Drogenhandel nehmen seit 2001 zu; Artikel vom 14.02.2018 []
  2. n-tv: Taliban drängen in den Drogenhandel; Artikel vom 08.08.2017 []
  3. Sozialistische Alternative: Afghanistan: Das Scheitern der USA; Artikel vom 27.03.2017 []
  4. Lebenshaus Schwäbische Alb: Alle sind Schuld am afghanischen Opiumanbau – nur der Westen nicht; Artikel vom 16.11.2016 []
  5. The European: Wie Amerika islamische Fundamentalisten unterstützte; Artikel vom 11.10.2016 []
  6. n-tv: Afghanistan verdoppelt Drogenernte; Artikel vom 15.11.2017 []
  7. RP Online: Taliban überschwemmen die Welt mit Heroin; Artikel vom 29.08.2017 []
  8. Nachdenkseiten: Alle sind Schuld am afghanischen Opiumanbau – nur der Westen nicht; Artikel vom 16.11.2016 []

Über Sonja / earthlink

Ich heiße Sonja, bin 21 Jahre und studiere im 5. Semester European Studies an der Universität Passau. Ich mache mein Praktikum bei earthlink um einen Einblick in die Arbeit und Projekte einer NGO zu bekommen.
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