China: Synthetische Drogen mittlerweile beliebter als Opium und Heroin

Crystal Meth

Crystal Meth - In China auch oft "Ice" genannt | Bild: © Radspunk [CC BY-SA 3.0] - Wikimedia Commons

In China werden Drogendelikte, sei es Konsum, Besitz oder Verkauf, oftmals mit enorm harten Strafen geahndet. Erst gegen Ende des Jahres 2017 wurden in der Provinz Guangdong im Süden Chinas 10 Leute, von denen sieben wegen drogenbedingter Vergehen verurteilt worden waren, in einem öffentlichen Schauprozess hingerichtet. Das ganze fand in einem Sportstadion  vor mehreren tausend Zuschauern statt und konnte auch zusätzlich live im Fernsehen mitverfolgt werden.1

Die momentane Situation in China lässt einen klaren Anstieg des Drogenkonsums erkennen. Laut der chinesischen Kommission für Drogenkontrolle gibt es circa drei Millionen registrierte Abhängige, wobei sich die Dunkelziffer nach Schätzungen auf mehr als 14 Millionen beläuft. Der Trend des Drogenkonsums in den letzten Jahren ging weg von Heroin und Opiaten hin zu synthetischen Drogen wie Ketamin oder Crystal Meth. Die Anzahl der Konsumenten synthetischer Substanzen ist im letzten Jahrzehnt jährlich um circa 36 Prozent gestiegen und macht aktuell 60 Prozent der Gesamtanzahl der Konsumenten in China aus. Ebenso steigt aufgrund der geographischen Nähe zum Goldenen Dreieck aber die HIV-Infektionsrate durch Drogen, die intravenös konsumiert werden. Dabei verhängt China extrem harte Strafen bei Drogendelikten. Für die Herstellung, den Handel oder den Besitz von kleineren Mengen bis zu 50 Gramm drohen lange Gefängnisaufenthalte oder die Todesstrafe. Die chinesischen Behörden machen bei der Bestrafung keinen Unterschied, ob jemand Staatsbürger oder Ausländer ist. Beispielsweiße wurde 2009 ein Brite wegen Heroinschmuggelns hingerichtet.23456

Auffällig an China ist, dass im Süden des Landes vor allem Ketamin und im Norden Crystal Meth konsumiert wird. Das genaue Ausmaß der Verbreitung der Drogen ist jedoch unklar. Durch die große Anzahl an Abhängigen, Chinas Stellung als Transitstaat und die hohen Verfügbarkeit von Chemikalien für die Produktion ist der Absatzmarkt im eigenen Land enorm gewachsen. Ketamin ist eigentlich ein Pferdebetäubungsmittel, wird aber vor allem von jungen Chinesen als Partydroge genommen. Im Vergleich zu anderen Drogen ist es relativ günstig. Die Beliebtheit von Ketamin im Süden besteht aufgrund des riesigen Ballungsraums mit seinen vielen Nachtclubs um Hongkong herum sowie der Nähe zu den Schifffahrtsrouten am südchinesischen Meer, wo der Großteil der Partydroge auf dem Seeweg importiert wird. Aufgrund der riesigen Chemiebranche und Verfügbarkeit der benötigten Chemikalien wird ein Großteil der Substanz immer öfter in kleinen häuslichen privaten Laboren produziert, was die Strafverfolgung noch zunehmend erschwert.7

Die größere Gefahr geht allerdings von Crystal Meth aus. Vor allem im Norden des Landes sind sehr viele Menschen abhängig, da riesige Mengen Crystal aus Nordkorea ins Land geschmuggelt werden. In Nordkorea wird die Produktion dieser Droge für Rüstungszwecke staatlich subventioniert und anschließend ins Ausland verkauft. Jedoch hat sich auch hier die Situation in letzter Zeit verändert und, schon wie bei der Ketamin-Produktion, sind in verlassenen ländlichen Gebieten oder kleinen Dörfern private Meth-Labore entstanden. Wegen der strengen arbeitsorientierten Gesellschaft Chinas ist für viele Menschen Crystal ein alltägliches Mittel geworden, um schneller und länger arbeiten zu können. Die Droge ist jederzeit leicht über das Internet zu erhalten. Durch die strenge Tabuisierung von Sucht im Allgemeinen und die nicht existierende Aufklärungsarbeit haben die Konsumenten oftmals kein Bewusstsein für die Drogen und deren Langzeitfolgen.8

In China sind Meth und Ketamin sowie die für die Produktion benötigten Chemikalien ganz einfach über das Internet zu bestellen. Die Chemikalien können dabei von etlichen unterschiedlichen Chemieunternehmen bestellt werden. Fertiges Crystal wird eher von privaten Anbietern selbst gekocht und verschickt. Die Chemieindustrie in China ist nur schwach reglementiert und wird kaum von den Behörden kontrolliert, da diese nur etwas gegen die privaten Labore unternehmen. Das Land ist deshalb der weltweit größte Exporteur von Methamphetamin und den Vorläuferchemikalien. 80 Prozent der Stoffe für die Methproduktion in Mexiko stammt aus China. Somit werden 90 Prozent des in den USA konsumierten Crystals mit chinesischen Chemikalien erzeugt. Neben dem Export von Chemikalien nach Mexiko werden die Endprodukte vor allem nach Australien und in den asiatisch-pazifischen Raum verschifft. Immer wieder werden große Mengen der Drogen von chinesischen Behörden gefunden und um den Handel einzudämmen, kooperieren sie oftmals mit anderen Ländern.91011

  1. ntv:Zehn Chinesen in Lufeng zum Tode verurteilt; Artikel vom 18.12.2017 []
  2. german.people:Der Drogenkonsum in China steigt; Artikel vom 25.06.2015 []
  3. german.people:China schätzt Anzahl der Drogenkranken auf 14 Millionen; Artikel vom 12.05.2015 []
  4. deutschlandfunk:Gefahr im Goldenen Dreieck; Artikel vom 24.06.2017 []
  5. welt:Wie China für die USA zum Drogenproblem wird; Artikel vom 29.03.2017 []
  6. stern:China richtet Briten hin; Artikel vom 29.12.2009 []
  7. vice:Das große K-Hole von China; Artikel vom 16.10.2013 []
  8. vice:Chinesische Voyeure; Artikel vom 03.11.2013 []
  9. nytimes:In China, Illegal Drugs Are sold Online in an Unbridled Market; Artikel vom 21.06.2015 []
  10. voanews:Report:China a Major Source of Crystal Meth Shipped into US; Artikel vom 19.07.2015 []
  11. hawaiipublicradio:Asia Minute:China:Growing Source for Crystal Methamphetamine in Asia Pacific; Artikel vom 30.05.2017 []

Über Fabian / earthlink

Ich heiße Fabian, bin 26 Jahre alt und stehe kurz vor dem Abschhluss meines Geographie Studiums an der LMU München. Ich mache das Praktikum bei Earthlink e.V um mir ein Bild von entwicklungspolitischer Arbeit in einer NGO zu machen, da ich mir später vorstellen könnte in diesem Bereich einmal tätig zu sein.
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