Kirgistan: Steigender Heroinkonsum – Immer mehr Menschen mit HIV infiziert

Der Heroinmarkt in Zentralasien ist mehrere Milliarden Euro wert Bild: © (c) Webking - Dreamstime

Die einst meistgenutzte Handelsroute, um Waren und Güter zwischen  Zentralasien und Europa zu transportieren, ist die sogenannte Seidenstraße. Jedoch ist der Handel mit Seide, Wolle, Gold und Gewürzen längst Geschichte. Heutzutage wird hier überwiegend Heroin, das in Afghanistan hergestellt wird, über Kirgistan, Turkmenistan, Tadschikistan und Usbekistan zum Endkonsumenten nach Russland und weiter nach Europa gebracht. Jedoch gelangen in den letzten Jahren immer mehr synthetische Drogen aus Europa auf dem gleichen Weg nach Zentralasien. Aufgrund seiner Lage zwischen Afghanistan und Russland ist Kirgistan zum Drehkreuz der Route geworden.123

Jährlich werden 15 Prozent des afghanischen Opiums und 25 Prozent des afghanischen Heroins nach Europa geschmuggelt. Dabei kommt ein Großteil der Drogen aus Afghanistan über Tadschikistan in die beiden größten Städte Kirgistans – Bischkek und Osch. Wegen Korruption, geringer Strafverfolgung und den durchlässigen Grenzen kann es dort problemlos  umgepackt, möglicherweise gestreckt und weiter transportiert werden. Aufgrund dieser Transitfunktion, die Kirgistan somit  besitzt, hat sich in den 1990ern relativ bald ein lokaler Markt im Land selbst entwickelt. Durch soziale und politische Missstände sowie das große Drogenangebot ist vor allem in diesen beiden Städten in den letzten 20 Jahren die Zahl der Heroinkonsumenten immer mehr angestiegen. Mittlerweile gibt es in Kirgistan 25.000 Menschen, die Heroin konsumieren. Kirgistan hat die höchste HIV-Ansteckungsrate Zentralasiens. 62 Prozent dieser Infektionen kommen durch den intravenösen Konsum von Heroin zustande. Aufgrund der extremen Tabuisierung von Sucht im Allgemeinen gibt es für Heroinsüchtige keine Ersatztherapien wie zum Beispiel das Methadonprogramm in Deutschland.4356

Wegen des hohen Maßes an Korruption kommt es oft vor, dass Grenzsoldaten und Zollbeamte sich bestechen lassen, um somit selbst vom Drogenhandel zu profitieren. Ebenso ist es für kriminelle Organisationen aufgrund des extremen Bevölkerungswachstums und des Mangels an Arbeitsplätzen ein Leichtes, neue Leute für den Schmuggel zu finden. In Kirgistan werden momentan kleine Banden nach und nach von größeren, besser organisierten Kartellen abgelöst. Folglich wurden in den letzten Jahren bis zu 20 Prozent weniger Drogendelikte aufgedeckt, wodurch auch weniger Heroin beschlagnahmt werden konnte. Oft ist es der Fall, dass solche Organisationen von Polizisten, Beamten und sogar politischen Amtsinhabern unterstützt werden. In Kirgistan wird sogar dem Präsidenten vorgeworfen, in direktem Kontakt mit Unterstützern des Drogenhandels zu stehen. Um den Schmuggel von Heroin weiter einzudämmen, soll in Zukunft ein besser funktionierendes Zollsystem in den Transitländern eingeführt werden und Partnerschaften zwischen den Grenzdiensten der Europäischen Union und den Grenzdiensten der zentralasiatischen Länder ausgebaut werden. So sollen die Transportwege besser kontrolliert werden.789

Seit einiger Zeit lässt sich jedoch beobachten, dass immer mehr synthetische Drogen wie Extasy, MDMA, Spice oder Crystal Meth in den Ballungsräumen wie Bischkek und Osch konsumiert werden. Die Drogen gelangen unter anderem auf derselben Route nach Zentralasien, nur eben aus dem Westen und können mühelos per Internet bestellt werden. Sie werden überwiegend von jungen Leuten konsumiert. Diese Entwicklung hängt mit der voranschreitenden Globalisierung zusammen, durch die immer mehr westliche Einflüsse in den zentralasiatischen Ballungsräumen, aber insbesondere der moderne europäische Drogen- und Partykult, Einzug halten.10

Somit ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis lokale Organisationen diesen neuen Absatzmarkt als potentielle Einnahmequelle für sich entdecken.

  1. ar:Opioidkonsum und injizierender Drogenkonsum; Stand 08.02.2018 []
  2. novastan:Highway to Heroin – vom Drogenhandel und Neuen Konsum in Zentralasien; Artikel vom 06.01.2018 []
  3. Vice:Der Heroin-Highway Zentralasiens; Artikel vom 29.10.2013 [] []
  4. novastan:High to Heroin – vom Drogenhandel und Neuen Konsum in Zentralasien; Artikel vom 06.01.2018 []
  5. tagesspiegel:Heroinkonsum in Asien steigt; Artikel vom 26.06.2012 []
  6. washingtontimes:Drug trade tarnishes, imperils Kyrgyzstan; Artikel vom 09.12.2011 []
  7. dw:Für wen der Drogenhandel in Zentral asien ein einträgliches Geschäft ist; Artikel vom 24.09.2009 []
  8. sputniknews:Drogenbanden in Kirgistan gehen zu Kartellbildung über; Artikel vom 22.02.2011 []
  9. bmi:Drogenschmuggel in Zentralasien; PDF vom 07.08.2003 []
  10. novastan:Highway to Heroin – vom Drogenhandel und Neuen Konsum in Zentralasien; Artikel vom 06.01.2018 []

Über Fabian / earthlink

Ich heiße Fabian, bin 26 Jahre alt und stehe kurz vor dem Abschhluss meines Geographie Studiums an der LMU München. Ich mache das Praktikum bei Earthlink e.V um mir ein Bild von entwicklungspolitischer Arbeit in einer NGO zu machen, da ich mir später vorstellen könnte in diesem Bereich einmal tätig zu sein.
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