Kokaanbau in Peru gefährdet indigene Bevölkerung

Ein Mitglied des Stammes der Iquitos demonstriert die Verwendung eines Blasrohres - die indigene Bevölkerung kann ihre Territorien im peruanischen Amazonasgebiet ohne staatliche Hilfe kaum schützen Bild: © JialiangGao [Public Domain] - wikimedia commons

In Peru siedeln sich vermehrt Kokabauern aus den Anden auf indigenem Land im Amazonasgebiet an, um dort großflächig Kokasträucher anzubauen. Im Verborgenen fahren sie dort die illegalen Ernten ein, die zur Produktion von Kokain essentiell sind. Nach Angaben des UNODC in Lima ist die Fläche, die für die Kokaproduktion in Peru genutzt wird, seit 2015 um fast 10 Prozent auf 43.900 Hektar gestiegen. Davon sind schätzungsweise 2.700 Hektar der indigenen Bevölkerung im Amazonasgebiet betroffen.1

Neben Kolumbien ist Peru der weltweit größte Produzent von Kokablättern. Nahezu der komplette Anteil der Ernte wird zur Herstellung von Kokain verwendet. Die Koka-Pflanze ist seit Anbeginn ihrer Geschichte für die indigenen Völker in der Andenregion Perus Teil ihrer Kultur. Zum Problem wird sie, wenn aus den Blättern Pulver gemacht wird. Nachdem die getrockneten Kokablätter mit verschiedenen chemischen Stoffen zu einer Paste verarbeitet worden sind, wird durch ein weiteres Verfahren aus der ursprünglichen Kokapflanze das weltweit bekannte weiße Pulver. Dieses gelangt dann über die verschiedensten Wege nach Nordamerika, Europa und wo sonst noch danach gefragt wird.2

Seit wenigen Jahren werden neue Anbaumethoden angewendet, weshalb die Koka-Pflanze jetzt auch in der deutlich heißeren und feuchteren Amazonasregion angebaut werden kann. Infolgedessen steigt die Zahl an gerodeten Waldflächen im Amazonasgebiet stetig an, da sogenannte Landhändler und die Kokabauern immer weiter in von indigenen Stämmen bewohnte Schutzgebiete vordringen und sich ihr Land zu Eigen machen. Die Koka-Landwirtschaft, oft auf abgelegenen Landstrichen betrieben, ist deshalb eine der Hauptursachen für die Entwaldung im peruanischen Amazonasgebiet. Lokale Aktivisten und Behörden gehen davon aus, dass allein in der Amazonas-Region die Zahl der illegalen Besatzer in den Hunderten liegt. Da die Gebiete, in denen sich die Plantagen meist befinden, abgelegen und von dichtem Wald umgeben sind, ist die peruanische Staatsgewalt an diesen Orten kaum präsent. Sobald Berichte über die Beschlagnahmung großer Mengen Kokain und über das Aufspüren und Zerstören einer Plantage durch peruanische Spezialeinheiten veröffentlicht werden, wird in den Tiefen des unwegsamen Amazonasgebietes einfach eine neue Plantage an anderer Stelle hochgezogen. Hier sind angesichts der Größe und Unüberschaubarkeit der Region den Behörden Grenzen gesetzt.

Zusätzlich bedrohen von der peruanischen Regierung geplante Infrastruktur-Maßnahmen die Indigenen in den Amazonasgebieten. Erst letzten Monat hat der peruanische Nationalkongress ein Gesetz zum Bau von Landstraßen auch in der Amazonasregion verabschiedet. Kritiker, allen voran die UN-Sonderberichterstatterin für die Rechte indigener Völker, Victoria Tauli-Corpu, fürchten, dass der Straßenbau Drogenanbau und -handel in bisher abgelegenen Amazonasgebieten vorantreiben werde. Die Landhändler könnten in noch größerer Zahl und  mit professionellerer Ausrüstung in die Schutzgebiete eindringen. Haben sich die fremden Kokabauern einmal niedergelassen, ist es für die indigenen Dorfbewohner nahezu unmöglich, sie wieder zu vertreiben. Sie stehen alleingelassen von der Regierung den mit Schnellfeuerwaffen ausgerüsteten Cocaleros mit Pfeil und Bogen gegenüber.342

Im Konflikt um ihr Land, für dessen Schutz sie einst hart gekämpft haben, ziehen die indigenen Stämme aufgrund ihrer primitiven Ausrüstung meist den Kürzeren. Zudem verursacht der sorglose und lediglich auf Gewinn bedachte Anbau von Kokain langfristige Bodenschäden. Die chemischen Lösungsmittel, die für die Kokain-Produktion verwendet werden, schädigen die Umwelt massiv. Die giftigen Rückstände gelangen dann in die Flüsse und kontaminieren das Wasser. Bedroht ist dadurch die Existenz von 65 verschiedenen indigenen Völkern mit über 300.000 Menschen im peruanischen Amazonasgebiet.5

 

  1. Reuters: Indigenous villagers in Peru losing patience with coca and land seizures; Artikel vom 21.02.2018 []
  2. der Freitag: Kokain hat seinen Preis; Artikel vom 09.12.2015 [] []
  3. amerika21: Peru: Indigene kritisieren Folgen von Straßenbau-Gesetz für Nationalparks; Artikel vom 31.01.2018 []
  4. indigene.de: Peru: Die indigene Vereinigung zur Entwicklung im peruanischen Regenwald AIDESEP; zuletzt geprüft am 23.02.2018 []
  5. Reuters: Indigenous villagers in Peru losing patience with coca and land seizures; Artikel vom 21.02.2018 []

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24 Jahre, Student der Politikwissenschaften mit Interesse für gesellschafts- und umweltpolitische Themen.
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