Kolumbien: Ausbreitung mexikanischer Kartelle stärkt neue Narcos

Polizisten posieren über dem Leichnam von Pablo Escobar. Doch auch noch nach dem tod des Drogenbosses kämpft Kolumbien mit dem Drogenhandel | Bild: © Andy Zeigert [CC BY 2.0] - Flickr

Kolumbianische Behörden befürchten eine Ausbreitung mexikanischer Drogenkartelle in Südamerika. Experten von InSight Crime vermuten einen Zusammenhang zu der sich verändernden kriminellen Landschaft auf dem Kontinent. Ein Hauptpartner der mexikanischen Kartelle wie die FARC wurde mit dem Friedensabkommen im Jahr 2016 demobilisiert und sagte zu, aus dem Drogengeschäft auszusteigen.  Auch die nachfolgenden Urabeños wurden durch strikte Maßnahmen der Regierung stark geschwächt. Die FARC zählte zudem zu einem der drei Hauptlieferanten der mexikanischen Kartelle. Infolgedessen suchen diese unter anderem in Kolumbien nach neuen Verbündeten, mit denen sie ihre kriminellen Geschäfte abwickeln können. Ihre Präsenz wurde bereits in mehreren Regionen des südamerikanischen Landes festgestellt, welches für die Produktion von Kokain bekannt ist.123

Kolumbien hat auch nach dem Tod des weltweit mächtigsten Drogenbosses Pablo Escobar noch mit illegalen Machenschaften zu kämpfen. Obwohl die Polizei und die Regierung nun strikter und aggressiver gegen den Drogenhandel vorgehen, findet die jüngere Generation der Rauschgifthändler, die sogenannten „Baby-Narcos“, offenbar immer wieder neue Wege um ihr Geschäft voranzutreiben. Im Andenstaat werden vorwiegend Kokablätter gepflanzt, der Rohstoff des kristallinen Kokains. Die Anbaumöglichkeiten nahmen nach Escobar drastisch ab. Der Trend hat sich jedoch umgekehrt, die Produktionsflächen nehmen wieder zu, diesmal sind sie aber kleiner und verstreuter. Bereits im Jahr 2016 zählten sie 188.000 Hektar, mehr als zu Zeiten Escobars‘. Das wurde auch mitverursacht durch das Einstellen des Besprühens von Feldern mit Glyphosat, da dies als vermutlich krebserregend erklärt wurde. Dementsprechend wuchs auch die Kokain-Produktion um 37 Prozent und damit auf 710 Tonnen. Dies hängt mit der steigenden nationalen und internationalen Nachfrage auf den großen Absatzmärkten zusammen. Größtenteils wird das illegale Gut in die USA und nach Europa exportiert. Dort stellen Sicherheitsbehörden bereits einen Preisverfall der Drogen im Großhandel fest. Die Baby-Narcos profitieren zudem von ausländischen Kartellen, wie denen aus Mexiko. Diese bieten ihnen übergeordnete Strukturen im Handel und Vertrieb. Das Geschäft ist dabei für beide Seiten profitabel, da die mexikanischen Kartelle aktuell neue Partner benötigen.456

Die Folgen der wachsenden Drogenmacht neuer Banden haben verheerende Konsequenzen für Kolumbien. Erst letzten Dienstag wurde in Yarumal ein Blutbad angerichtet. Daran beteiligt waren kleinere Gruppen, die seit dem Friedensabkommen mit der Farc um Einfluss ringen. Dabei sind sieben Menschen ums Leben gekommen. Die Gebiete, aus denen sich die FARC zurückgezogen hat, werden nun von paramilitärischen Gruppierungen mit hoher Gewaltbereitschaft besetzt. Die Bevölkerung ist seitdem Eskalation, Drangsalierungen, Vergewaltigungen und sogar Morden ausgesetzt.78

  1. insightcrime: Mexican Cartels in Colobia: Setting up Shop or Seeking New Partners?; Artikel vom 31.01.2018 []
  2. Zeit: Abgeordnete billigen Friedensvertrag mit FARC; Artikel vom 01.12.2016 []
  3. Freie Universität Berlin: Bekämpfung der Drogenproblematik im Friedensabkommen; Artikel vom 20.04.2017 []
  4. Zeit: Die Narcos sind zurück; Artikel vom 23.06.2016 []
  5. SZ: Kolumbien kämpft gegen den Schnee von morgen; Artikel vom 18.05.2017 []
  6. Spiegel: Kokainschwemme in Europa erwartet; Artikel vom 10.12.2016 []
  7. Spiegel: Sieben Menschen sterben bei Machtkampf um Guerillagebiete; Artikel vom 23.01.2018 []
  8. dw: Nach Friedensvertrag wieder mehr Gewalt in Kolumbien; Artikel vom 23.11.2017 []

Über Malina / earthlink

Ich heiße Malina, bin 23 Jahre alt und studiere Politikwissenschaften und Soziologie in München.
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