Myanmar: illegaler Schlafmohnanbau als einziger Überlebensweg

Der illegale Schlafmohnanbau sichert den Lebensunterhalt der Bevölkerung. Bild: © Nakarinz - Dreamstime.com

In Myanmar sind viele Bauern abhängig vom Schlafmohnanbau. Vor allem der Bürgerkrieg, der in Teilen des Landes herrscht, begünstigt die Kultivierung der gesetzeswidrigen Pflanze. Der Fokus der noch relativ neuen Regierung liegt primär in der Armutsbekämpfung sowie der wirtschaftlichen Entwicklung.1 Grund dafür ist der späte Demokratisierungsprozess des Landes. Nach fast sechzig Jahren Militärdiktatur kam es am 7. November 2010 zu den ersten freien Parlamentswahlen, deren Sieg die sozialdemokratische Partei „Nationalliga für Demokratie“ für sich entscheiden konnte. Nichtsdestotrotz hat die aktuelle Regierung noch keinen Lösungsansatz gefunden, um das Militär gänzlich kontrollieren zu können.2 . Somit macht der Friedensprozess zwischen dem politischen Regime und den ethnischen Minderheiten nur sehr geringe Fortschritte. Der Drogenhandel ist hierbei von großer Bedeutung. Dieser wird von Rebellengruppen ethnischer Minderheiten kontrolliert, die sich dadurch ihren Kampf für mehr Souveränität finanzieren. Nichtsdestotrotz schenkt die Regierung dem Drogenhandel zu wenig Beachtung. Dies zeigt sich an dem unkontrollierten Anbau von Schlafmohn, dessen Saft die Grundlage für Heroin und Opium ist. Obwohl die Zucht der Opiumpflanze in Myanmar illegal ist, gilt sie für viele Einwohner als Lebensgrundlage. Seit der Grenzöffnung vor acht Jahren gehört das Land immer noch zu einem der ärmsten Staaten weltweit.3

Politischer Frieden allein genügt demnach nicht. Die Einwohner brauchen finanzielle Einkünfte, die mit dem Anbau von Kartoffeln oder Mais allerdings nicht gedeckt werden können. Aus diesem Grund müssen sie gezwungenermaßen in die Drogenproduktion einsteigen, um sich so ihr Überleben zu sichern. Für die Bauern rentiert sich das Geschäft mit den Partisanen trotz steuerlicher Abgaben immer noch mehr als die legale Agrarwirtschaft. Vor allem in den nördlichen Grenzregionen wird mehr als neunzig Prozent des myanmarischen Schlafmohns angepflanzt. Dieser wird von Rebellengruppen ethnischer Minderheiten kontrolliert, die sich dadurch ihren Kampf für mehr Souveränität finanzieren.  Die Regierung kommt in der Drogenbekämpfung nur schleppend voran, da selbst Politiker sowie Gruppen mit Verbindung zum Militär von der Rauschgiftproduktion profitieren. Leidtragender der Drogengeschäfte ist somit vor allem die Bevölkerung.4 Durch ihre Abhängigkeit vom Anbau und Verkauf des Schlafmohns stehen sie im direkten Kontakt zu der Droge. Aufgrund der labilen wirtschaftlichen Situation und der armen Lebensbedingungen rutschen die Einwohner unwillkürlich in die Drogenabhängigkeit. Der Besitz und Konsum wird von der Justiz nicht toleriert und mit Gefängnisstrafen oder Hinrichtungen bestraft. Unterstützung und Hilfe werden nur selten gewährt. Ein dauerhaft erfolgreicher Entzug ist nur selten der Fall, da die Rückkehr zur Feldarbeit auch die erneute Abhängigkeit mit sich bringt. Es bleibt ein Teufelskreis.5

 

  1. infosperber: Wo die Drogen bereits ein Wirtschaftsfaktor sind; Artikel vom 13.02.2017 []
  2. Zeit: Die Macht der Identität; Artikel vom 25.10.2017 []
  3. Bundeszentrale für politische Bildung: Birma/Myanmar; Artikel vom 01.03.2017 []
  4. Schweizer Radio und Fernsehen: Burma: Ein Land im Drogenrausch; Artikel vom 23.08.2016 []
  5. Spiegel: Opium, die einzige Chance; Artikel vom 23.02.2012 []

Über Sonja / earthlink

Ich heiße Sonja, bin 21 Jahre und studiere im 5. Semester European Studies an der Universität Passau. Ich mache mein Praktikum bei earthlink um einen Einblick in die Arbeit und Projekte einer NGO zu bekommen.
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Ein Kommentar zu Myanmar: illegaler Schlafmohnanbau als einziger Überlebensweg

  1. Judith Hilebrand sagt:

    Ich war 2015 in Myanmar. Es war sogar mir als Tourist möglich, am Rande von Dörfern, den Angebauten Mohn zu sehen. Erschreckend und traurig! Vielen Dank für den Artikel.

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