Afghanistan: Ohne Frieden, kein Ende der Opiumproduktion

Soldaten bei einer Operation zur Drogenbekämpfung in der südlichen Provinz Helmand | Bild: © Crown Copyright [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Die Drogenwirtschaft hält in Afghanistan hunderttausende Menschen am Leben. Gleichzeitig treibt sie den internationalen Krieg zwischen dem Land am Hindukusch und der westlichen Gemeinschaft voran, da sie der radikalislamischen Taliban  als Finanzierungsquelle dient. Das US-amerikanische Ziel ist die Unterdrückung der Macht der Terrororganisation, die laut der Regierung Trumps das Leid allen Übels ist. Nun setzen die USA auf die zusätzliche Unterstützung von Drohnen und Raketen, um die florierende Drogenproduktion zu vernichten.1 2

Seit fast zwei Jahrzehnten versucht die von den USA angeführte Allianz, das geschundene Land zu stabilisieren – jedoch ohne Erfolg. Trotz der zeitweiligen Stationierung von 150.000 NATO-Soldaten und Hilfsgeldern in Milliardenhöhe konnte weder Frieden noch Wohlstand erreicht werden. Die Militärallianz bombardiert mutmaßliche Drogenlabore und Opiumlager der terroristischen Organisationen. Sie will den Taliban ihre Haupteinnahmequelle nehmen, mit der diese den Kampf gegen die NATO finanzieren. Nach einem offiziellen Bericht der Vereinten Nationen hat Afghanistan im vergangenen Jahr mit 9.000 Tonnen Opium eine Rekordmenge verzeichnet. 200 bis 400 Millionen Dollar jährlich sollen die Taliban an Steuern auf Schlafmohnfelder und am Drogenschmuggel verdienen. Die rentable Drogenindustrie macht sie zu millionenschweren Drogenfürsten.3

Afghanistan gilt als eines der ärmsten Länder der Welt, in dem die Arbeitslosigkeit bei fast 50 Prozent liegt. Die Drogenwirtschaft hat in den vergangenen Jahren hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen. Das Land ist nicht nur weltweit der größte Produzent von Opium, sondern stellt knapp 90 Prozent des weltweiten Heroinangebots. Der Gemüse- und Getreideanbau ist immer weniger Gewinn bringend. In Kriegszeiten ist es schwer, die Ernte rechtzeitig zu verkaufen. Die durch den Kampf leidende Infrastruktur und die besetzten Gebiete erschweren es, die frischen Erzeugnisse rechtzeitig auf den Markt zu bringen. Obst und Gemüse werden in wenigen Tagen schlecht und zum Verkauf unbrauchbar. Das Getreide gilt als weniger arbeitsintensiv, sodass die Bauer zum Nebenverdienst zusätzlich Schlafmohn anbauen. Dieser lässt sich im Vergleich leichter züchten, bleibt unter den klimatischen Bedingungen robuster und verkauft sich zu einem höheren Preis. Die Drogenwirtschaft ist mit Abstand der am stärksten vertretene Wirtschaftszweig des ganzen Landes. Besonders stark ist der Schlafmohnanbau in der Region Helmand. Die im Süden liegende Provinz ist somit das zentrale Angriffsziel der NATO-Soldaten.4 5

Das Problem ist, dass die Bombardements nicht nur die Taliban und ihre Opiumlager zerstören. Seit November 2017 bis März dieses Jahres wurden laut dem US-Verteidigungsministerium 40 Drogenlabore zerstört und der Taliban einen Verlust von mehreren Millionen Dollar zugefügt. Die Erfolgsmeldungen haben jedoch einen bitteren Beigeschmack: Die Luftanschläge treffen nicht nur die Drogenlabore und die Terroristen. Die Lager liegen inmitten von Dörfern, sodass auch unschuldige Zivilisten von den Angriffen getroffen werden. Wenn die USA ihre Drogenbekämpfungsmaßnahmen weiterhin ohne Rücksicht auf die Bevölkerung verfolgen, werden sie auf lange Zeit keinen Erfolg erzielen. Denn Radikallösungen betreffen oft nur die ärmste Bevölkerungsschicht, die aus dem Drogenanbau ihre einzige Existenzsicherung zieht. Durch die Rücksichtslosigkeit gegenüber der Zivilbevölkerung treibt die internationale Gemeinschaft diese zu den Taliban, die als zentraler Feind gegen den Westen kämpfen. 16 Jahre nach dem Beginn des militärischen Einmarschs in Afghanistan kontrollieren sie nun wieder mindestens 13 Prozent des Landes – Eine Statistik, die auf den erfolglosen Krieg der westlichen Staaten aufmerksam macht.6

  1. Neue Osnabrücker Zeitung: Kein Friede in Sicht in Afghanistan; Artikel vom 18.01.18 []
  2. Schweizer Bauer: Schlafmohn statt Weizen; Artikel vom 13.03.18 []
  3. Neue Zürcher Zeitung: Der Luftkrieg gegen die afghanische Opiumwirtschaft hat begonnen; Artikel vom 23.11.17 []
  4. Tageblatt: Afghanistan und der wuchernde Schlafmohn; Artikel vom 17.08.17 []
  5. Homeland Security Today: Perspective: Look skyward for a solution to the afghan heroin threat; Artikel vom 20.02.18 []
  6. Tiroler Tageszeitung: Drohnen gegen Drogen: Krieg gegen Afghanistans Opiumindustrie; Artikel vom 12.03.18 []

Über Sonja / earthlink

Ich heiße Sonja, bin 21 Jahre und studiere im 5. Semester European Studies an der Universität Passau. Ich mache mein Praktikum bei earthlink um einen Einblick in die Arbeit und Projekte einer NGO zu bekommen.
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