Kolumbien: Kampf um Vormachtstellung in ehemaligen FARC-Gebieten entbrennt

Gebietsmarkierung der ELN. Bild: © Julián Ortega Martínez [CC BY-SA 2.0] - Flickr

Seit dem 20. März befinden sich die zwei letzten großen Guerillabewegungen Kolumbiens, die ELN („Nationale Befreiungsarmee“) und die EPL („Volksarmee der Befreiung“) im Krieg. In diesem Zeitraum sind in Catatumbo im Nordosten des Landes die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppierungen immer wieder eskaliert, haben viele Tote gefordert und etliche Bewohner zur Flucht gezwungen. Nachdem die FARC sich aus dem Gebiet zurückgezogen hatte, fingen verschiedene bewaffnete Gruppen an, um die Vormachtstellung in diesem Gebiet zu kämpfen. Die verschiedenen Gruppierungen wollen sich das Gebiet zum einen wegen der guten Bedingungen für den Kokaanbau und die Produktion von Kokain sowie wegen der geographischen Nähe zu Venezuela und den dort liegenden Handelsrouten aneignen. 1

Aufgrund des Friedensvertrags und dem daraus  folgenden Abzug der FARC-Rebellen aus dem Gebiet führt das kolumbianische Militär wieder Angriffe gegen andere Guerilla-Gruppen durch. Solche militärische Aktionen sind eine große Gefahr für die Zivilbevölkerung. Hier in Catatumbo sind vor allem die ELN und die ELP angesiedelt. Die ELN hat weitestgehend die Geschäfte der FARC übernommen, wohingegen die ELP vor allem als eine Drogenbande gilt. Diese wollen ihre Macht und ihr Einflussgebiet vergrößern, weswegen sich die Situation für die Bevölkerung seit dem Friedensvertrag eher verschlechtert als verbessert hat. Die Infrastruktur ist kaputt, es gibt keine staatliche Verwaltung und die Guerilla-Gruppen herrschen über das Gebiet. Ebenso zwingen die Organisationen die ortsansässigen Bauern zum Kokaanbau, da dies ihre wichtigste Einnahmequelle ist. Gleichzeitig ist der Anbau der Drogenpflanze für die Farmer die einzige Möglichkeit, um genügend Geld zu verdienen.2

Das Hauptziel des Konflikts zwischen den beiden Gruppen ist die Vormachtstellung über das Gebiet Catatumbo. Neben den guten Bedingungen für den Anbau der Kokapflanze und den Möglichkeiten für eine billige Produktion ist die Nähe zur venezolanischen Grenze und der damit verbundene Zugang zu den Hauptschmuggelrouten nach Europa und Asien entscheidend. Dies ist insofern wichtig, da sich der Kokainhandel in den letzten Jahren immer mehr in Richtung des europäischen und asiatischen Markts orientiert und die möglichen Gewinne deutlich höher als die in Amerika sind.3

Genau vor dieser Situation haben bereits zur Zeit der Friedensverhandlungen Experten gewarnt. Das so entstandene Machtvakuum wird durch andere Gruppen ausgefüllt und ein Kampf um den Gebietsanspruch entbrennt.

  1. amerika21:Kolumbien:EPL erklärt ELN den Krieg; Artikel vom 27.03.2018 []
  2. deutschlandfunk:Von Frieden keine Spur; Artikel vom 27.05.2017 []
  3. insightcrime:Colombia`s last Guerillas Escalate Battle to Control Cocaine Hub; Artikel vom 22.03.2018 []

Über Fabian / earthlink

Ich heiße Fabian, bin 26 Jahre alt und stehe kurz vor dem Abschhluss meines Geographie Studiums an der LMU München. Ich mache das Praktikum bei Earthlink e.V um mir ein Bild von entwicklungspolitischer Arbeit in einer NGO zu machen, da ich mir später vorstellen könnte in diesem Bereich einmal tätig zu sein.
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