Maßnahmen zur Bekämpfung des Drogenhandels misslingen in Lateinamerika

Trotz zahlreicher Eradikationsmaßnahmen hat Kolumbien noch keinen Erfolg gegen die Kokainproduktion erreicht | Bild: © Policía Nacional de los colombianos [CC BY-SA 2.0] - Flickr

Nach dem jährlichen Bericht über den internationalen Drogenhandel des US State Department wird Lateinamerika auch in Zukunft seinen Kampf gegen organisierte Kriminalität und den Drogenhandel nicht gewinnen können. Korruption und der transnationale Schmuggel sind immer noch in vielen mittel- und südamerikanischen Staaten vorzufinden: Mehr als die Hälfte der 20 lateinamerikanischen Länder gehören entweder zu den weltweit größten Produzenten von Kokain beziehungsweise Marihuana, oder sind als Transitstaat vom Drogenhandel betroffen. Hinzu kommt, dass viele dieser Staaten zusätzlich der Geldwäsche bezichtigt werden.1 2

Nach Angaben des UNDOC konsumieren weltweit 247 Millionen Menschen mindestens einmal pro Jahr narkotische Mittel. Schätzungen zufolge nehmen die vom Drogenhandel profitierenden Personen somit jährlich 400 Milliarden US-Dollar ein. Kokain wird aus den südamerikanischen Regionen von Kolumbien, Peru oder Bolivien über Mittelamerika in die USA oder über Westafrika nach Europa geschmuggelt. Während in den Anbaugebieten ein Gramm Kokain noch für circa zwei US-Dollar gehandelt wird, liegt der Straßenverkaufspreis in den Industriestaaten bei ungefähr 80 – 100 US-Dollar.3

In Mittelamerika steigen nach Schätzungen der UNODC vor allem die Jugendbanden zunehmend in das Drogengeschäft ein. In El Salvador überfällt die Straßengang „Mara Salvatrucha“ immer häufiger in ihren Einflussgebieten Drogenkuriere von rivalisierenden Banden. Das sorgt für zusätzliche Gewaltausschreitungen. Hinzu kommt, dass die kriminellen Organisationen ihre illegale Ware immer strategischer transportieren. Das mittelamerikanische Land hat einen Rückgang der maritimen Schmuggelrouten verzeichnet. Experten gehen davon aus, dass die Händler ihre Seerouten weiter in den Pazifik ausgeweitet haben, um den nationalen Küstenwachen zu entgehen. 4

Die erhöhten Gewaltausschreitungen erschüttern auch Staaten, die bisher weniger davon betroffen waren: So haben in Costa Rica die Tötungen durch Revierkämpfe konkurrierender Kartelle im vergangenen Jahr kontinuierlich zugenommen – in einem Land, dass eine der bislang niedrigsten Mordraten verzeichnet hat. Ein ähnlicher Verlauf lässt sich auch in der Dominikanischen Republik feststellen, wo Drogenhändler über die Vormachtstellung strategisch nützlicher Gebiete kämpfen.5

Bislang hat der militärische Ansatz der Drogenpolitik zu keinem nennenswerten Erfolg geführt – ganz im Gegenteil. Zehntausende Menschen wurden im „Krieg gegen die Drogen“ umgebracht. Experten sind der Meinung, dass die Finanz- und Logistikstrukturen der Kartelle aufgebrochen werden müssen. Ohne ein strukturelles Vorgehen hemmen der Drogenhandel und die staatliche Korruption jeglichen entwicklungspolitischen Fortschritt des Kontinents.

  1. Insight Crime: Latin America Falls Short on Anti-Crime Efforts: US State Department; Artikel vom 20.03.18 []
  2. United States Department of State: International Narcotics Control Strategy Report; Artikel vom März 2018 []
  3. Welt: Drogenkonsum in Europa befeuert Gewalt in Lateinamerika; Artikel vom 22.06.17 []
  4. Costa Rica News: Latin America Falls short on anti-crime efforts: US State Department; Artikel vom 21.03.18 []
  5. Insight Crime: Latin America Falls Short on Anti-Crime Efforts: US State Department; Artikel vom 20.03.18 []

Über Sonja / earthlink

Ich heiße Sonja, bin 21 Jahre und studiere im 5. Semester European Studies an der Universität Passau. Ich mache mein Praktikum bei earthlink um einen Einblick in die Arbeit und Projekte einer NGO zu bekommen.
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