Mexiko als der neue Großproduzent von Schlafmohn

Die südmexikanische Region Guerrero ist das größte Schlafmohngebiet des Landes | Bild: © Lara Danielle [CC BY-ND 2.0] - Flickr

Mexiko gehört weltweit zu den führenden Produzenten und Exporteuren von Drogen. Seit Jahrzehnten ist das Land für seine Cannabisherstellung bekannt. Aufgrund der strategischen Lage gilt es auch als wichtiger Transitstaat für den Kokainschmuggel aus Südamerika. Nun steht der Staat nach Afghanistan und Myanmar an dritter Stelle der Weltrangordnung für den Schlafmohnanbau. Die Kultivierung der illegalen Pflanze, die Grundsubstanz für Opium und Heroin ist, steigt in Mexiko rapide an. In den letzten Jahren hat sich der Export der halluzinogenen Droge verdreifacht.1

Der Anbau und Schmuggel von Schlafmohn entfachten neue Konflikte zwischen dem mexikanischen Staat, seiner Bevölkerung und den Drogenkartellen. Die Verfeindungen der konkurrierenden Drogenkartelle werden mit äußerster Gewalt geführt. Eine Studie des mexikanischen Amts für Statistik meldete über 200.000 Tote im Drogenkrieg in den vergangenen neun Jahren.2 Mit über 29.000 Morden war allein das vergangene Jahr das blutigste seit zwei Jahrzehnten. Seit zwölf Jahren ist der Kampf gegen die Drogen das Regierungsziel. Doch auch 2018 hat die mexikanische Regierung ihre Auseinandersetzung mit der Drogenmafia nicht im Griff.

Die Kartelle organisieren sich aus dem Untergrund heraus. Der Schlafmohnanbau wird hauptsächlich von armen Bauern betrieben, die die Ernte an die kriminellen Organisationen weiterverkaufen. Der Bundesstaat Guerrero gilt als Zentrum der Drogenwirtschaft. In der ärmsten und gefährlichsten Region Mexikos regieren nicht der Staat, sondern die Drogenkartelle. Sie kontrollieren die lokalen Bauern und korrumpieren die örtliche Justiz. In der Gebirgsregion gibt es kaum eine andere Möglichkeit, als in das illegale Geschäft einzusteigen. Die hohe Armutsrate und die Perspektivlosigkeit verstärken die ausweglose Situation der Bewohner, die schutzlos ausgebeutet werden. Doch ohne bessere Alternative bleiben sie bei der Kultivierung der illegalen Pflanze. Der Schlafmohn ist ihre Existenzsicherung. Für das mexikanische Militär ist es unmöglich, dem Anbau ein Ende zu bereiten. Denn die staatlich angeordneten Eradikationen schwächen nicht die Kartelle, sondern die Bauern. Die zerstörten Felder schränken das Handeln der Drogenbarone nicht ein. Sie holen sich den Schlafmohn dann von anderen Bauern in der Region. Die hohe Nachfrage bewirkt die berühmte Sisyphus-Arbeit im mexikanischen Drogenkrieg: An einem Tag werden die Felder durch das Militär zerstört, am nächsten Tag säen die Bauern neu aus.3 4 5

Von Guerrero gehen die Lieferungen über das sogenannte goldene Dreieck der Bundesstaaten Sinaloa, Durango und Chihuahua zum größten Abnehmer der Welt, den Vereinigten Staaten. Trotz der inzwischen 46 Jahre alten politischen Maßnahme „War on Drugs“ ist die Nachfrage von Heroin in den USA nicht zurückgegangen. Ganz im Gegenteil: Die Anzahl der Heroinabhängigen ist nahezu explodiert. Die Hersteller im Süden passen sich ihr marktgerecht an. 90 Prozent des mexikanischen Heroins landet in den USA. Experten sprechen bereits von der schlimmsten Drogenkrise, die es in der amerikanischen Geschichte je gegeben hat. Verringert sich das Konsumverhalten der Amerikaner nicht, bleibt die Drogenproduktion das primäre Grundeinkommen der mexikanischen Bauern.6

  1. ARTE: ARTE Reportage; aufgerufen am 16.03.18 []
  2. Factum: Drogenflut in den USA; Artikel vom 01/2018 []
  3. National Public Radio: On The Hunt For Poppies In Mexico – America’s Biggest Heroin Supplier; Artikel vom 14.01.18 []
  4. Welt: Hier gibt es nur ein Gesetz – das Gesetz des Opiums; Artikel vom 30.05.16 []
  5. N-TV: Mexiko führt Anti-Drogen-Kampf in den USA; Artikel vom 28.10.17 []
  6. ARTE: ARTE Reportage; aufgerufen am 16.03.18 []

Über Sonja / earthlink

Ich heiße Sonja, bin 21 Jahre und studiere im 5. Semester European Studies an der Universität Passau. Ich mache mein Praktikum bei earthlink um einen Einblick in die Arbeit und Projekte einer NGO zu bekommen.
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